von Marc Brandstetter
   

Musikalisches Gedenken an „Blood & Honour“-Gründer: „Die Lunikoff Verschwörung“ mit an Bord

Im September jährt sich der Todestag des Neonazi-Idols und Gründers des braunen Netzwerkes „Blood & Honour“, Ian Stuart Donaldson, zum 20. Mal. Mit einem „Memorial-Konzert“ will die Szene im ukrainischen Charkiw an den „Skrewdriver“-Frontmann erinnern. Mit an Bord sind auch die deutschen „Rechtsrock-Stars“ schlechthin: „Die Lunikoff Verschwörung“.

Ian Stuart Donaldson, Gründer der britischen Kultkapelle „Skrewdriver“ und ideologischer Frontkämpfer der Hassmusik, ist trotz oder gerade wegen seines frühen Todes im Jahr 1993 bis heute ein Idol der Szene. Um den Verkehrsunfall, an dessen Folgen der 35-Jährige wenig später verstarb, ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien: Mal soll auf die Reifen des mit fünf Personen besetzten Fahrzeuges geschossen worden sein, mal sollen ausgelegte Krallen dafür gesorgt haben, dass der Fahrer von der Straße abkam.

Nicht zuletzt sorgte dieser Mythos dafür, dass die Faszination der weltweiten Neonazi-Bewegung für den Gründer des „Blood & Honour“-Netzwerkes (B&H) bis heute ungebrochen ist. Devotionalien mit dem Gesicht Stuarts können in zahlreichen Szeneläden erworben werden, Rechtsrock-Bands widmen ihm Lieder oder gleich die ganze CD. Und bei „Memorial“-Konzerten, die meist um den Todestag am 24. September liegen, wird ordentlich Kasse gemacht. Entsprechende Veranstaltungen finden gleich in mehreren Ländern statt. 2012 waren u. a. Frankreich, die USA, Australien, Ungarn und die Ukraine Austragungsorte.

Auch in diesem Jahr wird es zahlreiche Neonazis gen Osten ziehen. Unter dem Motto „20 years in Valhalla“ wirbt ein Flyer für ein großes „Gedenk“-Konzert im ukrainischen Charkiw, der zweitgrößten Stadt des Landes. Gleich sieben Bands sollen am 28. September dem verstorbenen B&H-Kopf Tribut zollen. Als Headliner konnten die Organisatoren zwei einstige Weggefährten von Stuart gewinnen: Der Ex-„Skrewdriver“-Gittarist „Stigger“ (Steve Calladine) und sein Bassist „Sisco“ werden mit ihrer aktuellen, kurz nach Stuarts Tod gegründeten Kapelle „Warlord“ auf der Bühne stehen. Die letzte CD der britischen Formation „Ascention“ erschien 2010 beim Chemnitzer Label „PC Records“.

Nicht die einzige Verbindung nach Deutschland: Ebenfalls angekündigt sind die hiesigen „Rechtsrock-Stars“ „Die Lunikoff Verschwörung“. Die Musikgruppe um den ehemaligen „Landser“-Sänger, Michael „Lunikoff“ Regner, gilt deutschen Veranstaltern als wichtiges Zugpferd. 2009 sahen bei „Rock für Deutschland“ in Gera rund 4.000 Rechtsrock-Fans den Auftritt des Berliners und seiner Begleitband, die sich aus Mitgliedern der Hass-Combo „Spreegeschwader“ rekrutiert. Der vorbestrafte Sänger der als „kriminellen Vereinigung“ eingestuften Neonazi-Band „Landser“ genießt auch mit seiner neuen Gruppe Kultstatus.  

Das Billing der Veranstaltung komplettieren „Skrew you“ aus England bzw. Kanada, deren Name auf eine „Skrewdriver“-Cover-Band schließen lässt („Skrew you“ ist der zehnte Song der 1984 erschienenen „Skrewdriver“-LP „Hail the new dawn“), und „Sokyra Peruna“, die wohl bekannteste einheimische Neonazi-Kapelle, die vor drei Jahren ebenfalls einen Tonträger – „Invictus“ – bei „PC-Records“ veröffentlichte. Außerdem werden „Molat“ (Weißrussland) sowie die beiden russischen Gruppen „Revenge“ und „Antisystem“ die angereisten Neonazis mit ihren Hassbotschaften „unterhalten“.

Präsentiert wird das Konzert von „SvaStone“, einer rechten ukrainischen Lifestyle-Marke, die bereits einen Auftritt der Hooligan-Band „Kategorie C“ in Kiew sponserte. Im Onlineshop der Firma, deren Namen wahrscheinlich nicht ganz zufällig Ähnlichkeiten zu „Svastika“ aufweist, können neben Boxhandschuhen auch Kleidungsstücke mit politischen Botschaften erworben werben. Ebenfalls im Sortiment: Ein T-Shirt mit dem Porträt Ian Stuarts und dem Untertitel „Heros never die“. 

Foto: Screenshot

Kommentare(6)

Niko Bellic Mittwoch, 31.Juli 2013, 18:12 Uhr:
"Präsentiert wird das Konzert von „SvaStone“, einer rechten ukrainischen Lifestyle-Marke, die bereits einen Auftritt der Hooligan-Band „Kategorie C“ in Kiew sponserte. Im Onlineshop der Firma, deren Namen wahrscheinlich nicht ganz zufällig Ähnlichkeiten zu „Svastika“ aufweist..."

Es gibt im Süden von Afrika sogar ein kleines Land,welches vom Namen her Ähnlichkeiten zu "Swastika" aufweist. :o

http://de.wikipedia.org/wiki/Swasiland
 
systemstoerung Samstag, 03.August 2013, 03:15 Uhr:
ich finds irgendwie ironisch bekloppt wenn einem "märtyrer" der naziszene auf tiefroten,bolschewistisch-kommunistischem boden durch feierlichkeiten gedacht wird.

clausi,bjoern und alle anderen braunen pantoffelhelden muesste da doch die galle hoch kommen :]
 
Nachtigall Samstag, 03.August 2013, 15:32 Uhr:
Systemstoerung, wer so rausquatscht, hat sich offenbar nicht mit der Geschichte der Ukraine auseinandergesetzt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ukraine#Geschichte
 
Björn Sonntag, 04.August 2013, 19:16 Uhr:
@Systemstörung

"ich finds irgendwie ironisch bekloppt wenn einem "märtyrer" der naziszene auf tiefroten,bolschewistisch-kommunistischem boden durch feierlichkeiten gedacht wird."

Wie kann denn Boden "kommunistisch" sein? Ich dachte bisher immer, dass Kommunismus eine Ideoligie ist.

Gerade in den ehemaligen Ostblockländern, die unter dem Kommunismus litten, hat sich eine starke nationale Bewegung etabliert. Ian Stuart hat sich schon zu Lebzeiten stark für die vom Kommunismus unterdrückten Völker eingesetzt. Ich errinnere an Lieder wie "Poland" oder "Tearing down the wall". Da liegt es Nahe auch dort, unter anderem, Ian Stuart zu gedenken. So wie in den letzten Jahren auch.
 
systemstoerung Montag, 05.August 2013, 07:53 Uhr:
@Björn
"Wie kann denn Boden "kommunistisch" sein?"
Ich wollte ja nur etwas verdeutlichen.
Mit den ehemaligen Ostblockländern hast Du
leider Recht.Auch Lieder wie "Poland" oder
"Tearing down the wall" haben bewirkt, das
die menschenrechtsfeindlichen Systeme nicht
überlebt haben.
 
Björn Dienstag, 06.August 2013, 16:17 Uhr:
@Systemstörung

"Ich wollte ja nur etwas verdeutlichen."

Und was haben sie versucht zu verdeutlichen?

"Auch Lieder wie "Poland" oder
"Tearing down the wall" haben bewirkt, das
die menschenrechtsfeindlichen Systeme nicht
überlebt haben."

Ob die Lieder damals von vielen Oppositionellen in den Ostblockländern gehört wurden, ist eher fraglich. Sie zeigen aber das große Engegemant von Ian Stuart für die vom Kommunismus unterdrückten Menschen auf. Und deshalb gedenken ihm heute viele patriotische Osteuropäer.
 

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