Mörderisches Klima

Russische Neonazis erschießen Menschenrechtler.

Mittwoch, 11. November 2009
Peter Nowak

Hinter dem Attentat auf den Moskauer Anwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastasia Baburowa sollen russische Neonazis stehen. Markelow und Baburowa waren am 19. Januar 2009 in der Moskauer Innenstadt erschossen worden, nachdem sie an einer Pressekonferenz teilgenommen hatten. Anfang November gaben die russischen Behörden jetzt die Verhaftung des 1980 geborenen Nikita Tichonow und der 1985 geborenen Jewgenija Chasis bekannt. Chasis soll die späteren Opfer ausspioniert haben. Tichonow tötete zunächst Markelow mit einem Genickschuss und erschoss danach Baburowa, die den Mörder festhalten wollte. Beide waren den russischen Neonazis verhasst. Die Journalistin, die für die „Nowaja Gaseta“ arbeitete, hatte auch über die wachsende russische Neonazi-Szene recherchiert.

Markelow vertrat als Anwalt Opfer rechtsextremer Gewalttaten oder deren Angehöriger vor Gericht. 2006/2007 war er Anwalt der Eltern von Alexander Rjuchin. Der 19-jährige Nazigegner war am 16. April 2006 in Moskau von sechs Neonazis angegriffen und erstochen worden. Drei der Angreifer wurden zu Freiheitsstrafen zwischen sechs und vier Jahren verurteilt. Zu den drei untergetauchten Mittätern gehört auch Nikita Tichonow. Er soll nach Angaben der Ermittlungsbehörden Mitglied der extrem rechten „Russischen Nationalen Einheit“ (RNE) gewesen sein. Die Partei wies jede Verantwortung zurück und bestritt die Mitgliedschaft. Die 1990 gegründete RNE agierte rassistisch und antisemitisch. Nachdem sie in den 90er Jahren Russland-weit aktiv war, ist sie heute in mehrere sich bekämpfende Fraktionen zersplittert. 1994 wurde die RNE von der braunen Knasthilfeorganisation HNG als „Freund des deutschen Volkes und seiner nationalen Rechten!“ gefeiert.

Russische Menschenrechtler haben die Morde an Markelow und Baburowa auch mit deren Engagement für die Menschenrechte in Tschetschenien in Verbindung gebracht. Diese These ist nach den Verhaftungen noch nicht vom Tisch. Denn Neonazis gehören zu den erklärten Unterstützern der russischen Militäroperationen in dem Land.

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