von Mathias Brodkorb
   

Mord oder Selbstmord? Rudolf Heß’ Krankenpfleger Melaouhi droht mit „Enthüllungen“

Rudolf Heß, der „Stellvertreter des Führers“ und einer der Angeklagten im „Nürnberger Prozess“ gegen die Hauptkriegsverbrecher, kam im Jahr 1987 als letzter Insasse im Kriegsverbrechergefängnis Spandau auf bis heute umstrittene Weise ums Leben. Nun kündigte sein letzter Pfleger, der Tunesier Abdallah Melaouhi, für den Herbst spektakuläre „Enthüllungen“ zu den Umständen des Todes an.  


Für die Neonaziszene steht fest: Rudolf Heß hat sich nicht selbst umgebracht, sondern wurde ermordet. Sie nimmt dies alljährlich zum Anlass, um „Rudolf Heß“-Gedenkmärsche und -feiern abzuhalten, die jedoch nicht selten als Verherrlichung des Nationalsozialismus beurteilt und verboten werden. Dabei wird Heß von Neonazi-Kreisen zum „Friedensflieger“ stilisiert, weil er im Jahr 1941 – offenbar aufgrund eines eigenen Entschlusses – nach England flog, um „Friedensverhandlungen“ zu führen. Während die Führung des „Dritten Reiches“ den Flug als Verrat interpretierte, wurde Heß zum britischen Kriegsgefangenen und schließlich im Jahr 1946 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Neue Nahrung soll die Mordthese nun durch Heß’ letzten Krankenpfleger, Abdallah Melaouhi, erhalten. Dieser gab der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ in ihrer Septemberausgabe ein Interview zu einem von ihm für den Herbst zur Veröffentlichung geplanten Buch. Unter dem Titel „Ich sah seinen Mördern in die Augen“ will Melaouhi nicht nur „viele kleine Geheimnisse“ verraten, sondern vor allem mit „fast 30 Seiten handschriftlicher Erklärungen“ des Hitler-Stellvertreters für „Enthüllungen“ sorgen.

Melaouhi, der sich selbst gar als „Augenzeuge“ der angeblichen Ermordung von Rudolf Heß bezeichnet, erhielt dabei nach eigenen Angaben tatkräftige Unterstützung vom Historiker und NPD-Funktionär Dr. Olaf Rose. Rose, seit dem letzten NPD-Bundesparteitag Mitglied des Bundesvorstandes der rechtsextremen Partei, hat demnach das Manuskript aus dem Französischen ins Deutsche übertragen. Heß’ letzter Krankenpfleger bezeichnete es außerdem als seine „moralische Verpflichtung, zur Aufklärung dieses Verbrechens beizutragen“. Allerdings bedauerte er, nicht auch vor einem breiteren Auditorium sprechen zu können. „Der Sache wegen wäre es sogar wünschenswert, wenn Herr Dr. Rose und ich unseren Vortrag auch mal auf einer Versammlung der CDU, der SPD, der FDP oder sonst einer Partei halten könnten.“, so Melaouhi.

Kommentare(3)

Klaus Dietrich Dienstag, 27.März 2012, 19:00 Uhr:
Melaouhi hat sich nicht als Augenzeuge der Ermordung bezeichnet, sondern beschreibt in seinem Buch, wie er nach Erhalt der Nachricht über ungewöhnliche Vorgänge in der Haftanstalt zunächst eine ganze Weile am Betreten des Gefängnisses gehindert wurde, nach dem Erreichen des Tatortes jedoch die Personen, die er aufgrund der Gesamtumstände als die Mörder von Heß ausmachte, noch persönlich vorfand.
 
Roichi Dienstag, 27.März 2012, 21:51 Uhr:
@ Klaus

Guten Morgen.
Nach 3,5 Jahren Bedenkzeit kommt nicht mehr, als dieser lahme Kommentar.
 
bc Mittwoch, 28.März 2012, 07:48 Uhr:
da hat jemand den dietrich gesucht, um zugang zum artikel zu erhalten ;o)
 

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