Mörderischer „Rassenkrieger“

Ein Rassist aus der Ukraine wollte in England mit Terrortaten gegen Muslime einen „Rassenkrieg“ initiieren. Der High Court verurteilte den Neonazi zu einer 40-jährigen Haftstrafe.

Freitag, 08. November 2013
Anton Maegerle

Im April kam der 25-jährige Stipendiat und Doktorand Pavlo L. aus der Ukraine angeblich für ein Stipendium nach England. Die eigentliche Absicht des selbst ernannten „lone wolve“ und fanatischen „Rassenkriegers“ war allerdings, durch Terrortaten gegen Muslime „Rassenkonflikte“ eskalieren zu lassen und so einen „Rassenkrieg“ zu provozieren. Der Neonazi verübte Bombenanschläge in der Nähe von Moscheen und ermordete einen gläubigen Moslem. Im Oktober wurde L. von einem Richter am Londoner High Court zu einer 40-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Am 29. April, fünf Tage nach seiner Ankunft in England, erstach L. einen 82-jährigen Rentner in Birmingham. Das Opfer war auf dem Rückweg vom Gebet in einer Moschee. Am 21. Juni zündete der Rassist seine erste Bombe neben einer Moschee in Walsall, dann eine weitere Bombe am 28. Juni in der Nähe einer Moschee in Wolverhampton. Verheerend hätte sein Nagelbombenanschlag auf eine Moschee am 12. Juli in Tipton ausfallen können. Die mit 600 Gramm Nägeln gefüllte Bombe tötete nur deshalb keine Menschen, weil der Täter die falsche Uhrzeit zum Freitagsgebet eingestellt hatte. An diesem Tag fand das Gebet nicht wie immer um 13.00 Uhr, sondern wegen des Ramadans erst um 14.00 Uhr statt. Bis zu 1000 Gläubige fanden sich während des Ramadans zum Freitagsgebet in Tipton ein.

Die Utensilien für den Bombenbau hatte L. im Internet bestellt beziehungsweise in lokalen Geschäften gekauft. Nach seiner Verhaftung am 18. Juli zeigte L. beim Verhör keine Reue oder Bedauern für seine Taten. Die Bombenanschläge und den kaltblütigen Mord an dem Rentner rechtfertigte der rassistische Täter mit den Worten: „Ich tat es, weil sie nicht weiß sind.“ In seiner Wohnung fand die Polizei bei einer Durchsuchung unter anderem Videoaufnahmen zur Herstellung von Bomben und Waffen. Einer der Videoclips zeigt L.,wie er in der Ukraine einen Baum in die Luft sprengt. Zurück bleibt ein riesiger Krater.

Offenbar von den „Turner Diaries“ inspiriert

Sichergestellt wurde von der britischen Polizei in L.s Wohnung auch ein Videospiel mit dem bezeichnenden Titel „Ethnic Cleaning“. In dem 2002 von „Resistance Records“, einem Label der National Alliance (USA), produzierten Machwerk marschiert der Spieler in Form eines Skinheads beziehungsweise Klansmans durch ein Ghetto und verübt ein Massaker an Afro-Amerikanern und Latinos. Dann verschwindet der „Rassenkrieger“ im U-Bahn-System, um Juden zu töten. In seinem ukrainischen Heimatort Dnipropetrovsk war L. 2010 ins Visier der Behörden geraten, als er beim Hantieren mit Sprengstoff in seiner Wohnung eine Explosion verursachte.

Inspiriert für seinen „Rassenkrieg“ wurde L. offenbar durch die „Turner Diaries“, einer „Nazi-Bibel“, in der zum „Rassenkrieg“ und zum Kampf gegen das System aufgerufen wird. Autor der „Turner Diaries“ war der 2002 verstorbene Hitler-Verehrer William Pierce, einst Anführer der „National Alliance“, der zeitweilig mitgliederstärksten Neonazi-Truppe in den USA. In „Ethnic Cleaning“ ist Pierce sowohl zu sehen als auch zu hören. Die „Turner Diaries“ waren das Lieblingsbuch des US-Rechtsterroristen Timothy McVeigh, der 1995 aus Hass auf die Regierung ein Bundesgebäude in Oklahoma in die Luft sprengte. 168 Menschen starben bei dem Anschlag.

Von den „Turner Diaries“ beeinflusst war auch der englische Neonazi David Copeland. Copeland verübte 1999 Nagelbombenanschläge in Londoner Migrantenvierteln und einem Homosexuellen-Lokal. (bnr.de berichtete) Drei Menschen wurden getötet und mehr als 120 verletzt.

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