MMA-Event mit gewaltbereitem Background

Kampfsport wird bei Neonazis immer attraktiver. In Ostritz zeigte sich die Nähe zwischen neonazistischen Gewalttätern, Käfigkampf und Hooliganismus.

Mittwoch, 17. Oktober 2018
Otto Belina

Schon der Blick auf das Helfer-Team beim „Kampf der Nibelungen“ am Samstag im sächsischen Ostritz macht deutlich, wie gewaltbereit der politische Background dieser Veranstaltung einzustufen ist.  Ausgerechnet der bekannte Northeimer Kameradschaftsaktivist G. B. geleitete die Polizeiführung und Vertreter des Landratsamtes am Nachmittag über das Gelände des Hotel „Neißeblick“ in Sichtnähe der Grenze zu Polen.  Der 24-Jährige trug ein unauffälliges blaues Poloshirt ohne Aufschrift, die stark tätowierten Unterarme gut sichtbar. Selbstbewusst trat der Neonazi neben dem Organisator des einschlägigen Kampfevents, Alexander Deptolla aus Dortmund, auf.

Dabei wird der Niedersachse mit einem der brutalsten Übergriffe auf Medienvertreter in diesem Jahr in Verbindung gebracht. Zwei Journalisten haben den Neonazi als einen der beiden Angreifer identifiziert, die sie Ende April im thüringischen Eichsfeld bei der Recherche zunächst mit dem Auto verfolgten, dann mit Schraubstock, Baseballschläger und Messer verletzten und ausraubten. Der Überfall machte einen professionellen eingeübten Eindruck, die Täter wurden als sehr sportlich dargestellt.  Das Landeskriminalamt in Thüringen zog die Ermittlungen an sich. Doch obwohl es belastende Fotos gibt, erfolgten bisher keine Festnahmen.

„Solidarische Front“ mit der „besten Kämpferin“

B. war außerdem im Januar 2016 unter den 215 von der Polizei in Leipzig festgesetzten rechten Hooligans und Ultras, die beschuldigt werden, einen Straßenzug im alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz verwüstet zu haben. Der vermummte Mob war zum Teil mit Eisenstangen bewaffnet durch die Wolfgang-Heinze-Straße gezogen. Die Gewalt-Aktion gilt als Provokation und Einschüchterungsversuch gegenüber denen, die sich gegen rechts engagieren.  25 Läden und Bars sowie 18 Fahrzeuge wurden zerstört. Die ersten Angeklagten wurden kürzlich wegen schweren Landfriedensbruch verurteilt, weitere Prozesse folgen.

In Ostritz nahm ein auffälliger Neonazi in leuchtendgelber Weste mit Irokesen-Frisur die ankommenden Besucher mit ihren Fahrzeugen in Empfang: Robin Schmiemann aus Dortmund. Schmiemann wurde vor allem als Brieffreund der verurteilten Rechtsterroristin Beate Zschäpe bekannt. Er zählt zum militanten „Combat 18“-Netzwerk. 2017 trat er beim „Eichsfeldtag“ von Thorsten Heise und der „Arischen Bruderschaft“ mit dem schwedischen Schriftzug von „Blood&Honour“ auf dem Shirt auf.

Das „Nibelungen“-Team bedankt sich per Facebook bei der „Kampfgemeinschaft“.  Die besteht auch aus den rechten Kampfsportmarken und Teams wie „White Rex“, „Wardon“, „Black Legion“, „SF-Extremsport“, der Hooligan-Plattform „Gruppaof“ sowie der Kampfsportveranstaltung für „freie Männer“ Tiwaz. Es gab 20 Kämpfe. Als „beste Kämpferin“ aber bezeichnet „SF-Extremsport“ um Henrik Ostendorf die inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel. Mit der man eine „solidarische Front“ darstelle.

Image von „Blut, Glorie und Spektakel“

„Der Kampf der Nibelungen ist ein erster real greifbarer und spürbarer Schritt hin zur Erschaffung eines Fundaments, auf dem eine neue Welt, ein neues Lebensreich entstehen wird“, schwadroniert ein Autor von „Wardon“ bei Facebook. Der Chemnitzer „Tiwaz-Organisator“, der am Nachmittag als Beifahrer eines Wagens anreist, hat sich die Parole „Die Familie“ an den Hals tätowieren lassen. Ursprünglich stammt der Slogan „La Familia“ von einem mittelamerikanischen Drogenkartell. Rechte Hooligan-Gruppen, neonazistische Bruderschaften oder Rockerclubs stellen die traditionelle Familienidee in martialischer Erscheinungsform neu dar. In dieser Art von Gangs herrscht ein hohes Maß an Konformitätsdruck und Selbstverpflichtung. Das antifaschistische Internet-Portal „Runter von der Matte“ beschreibt das Ideal von Wehrhaftigkeit und Körperkult insbesondere am Beispiel des neonazistischen russischen Kultlabels „White Rex“ um Denis Nikitin. Von „Volksgesundheit“ ist bei der Trainingsgruppe „Wardon“ die Rede, ihre Mitglieder propagieren Straight Edge. 

Der Nischensport MMA (Mixed Material Arts) gilt hierzulande als Untergrunderscheinung mit dem Image von „Blut, Glorie und Spektakel“. Für den, vor allem von Dortmunder Neonazis organisierten „Kampf der Nibelungen“ war es die sechste Auflage. Als Kampfplatz diente eine Halle aus rotem Backstein auf dem Gelände des Hotels in Ostritz. Es war eines der größten Events mit Hunderten einschlägiger Gäste, die auch weite Anfahrten auf sich nahmen. Nicht alle waren erschienen, denn in Sachsen standen an diesem Wochenende noch zwei weitere Fight Nights mit rechter Besetzung an.

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