Militantes Rechtsrock-Event

Schon zum fünften Mal in Folge organisieren Neonazis um Thorsten Heise im thüringischen Leinefelde den „Eichsfeldtag“ mit rechtsextremen Bands und Rednern. Die Veranstaltung  am Samstag droht zu einem Revival des militanten und rassistischen Rechtsrocks der 1990er Jahre zu werden.

Montag, 08. Juni 2015
Kai Budler

Seit seiner Premiere sind die Teilnehmerzahlen des „Eichsfeldtages“ deutlich zurückgegangen, im vergangenen Jahr besuchten nur etwa 400 Neonazis das als „Familienfest“ getarnte Rechtsrock-Event unter freiem Himmel in Leinefelde. Die Organisatoren um den mehrfach verurteilten NPD-Funktionär Thorsten Heise bauen in diesem Jahr auf die Spektren übergreifende Zusammenarbeit der Neonazis trotz interner Differenzen, wie sie in den „Thügida“-Aufmärschen in Thüringen sichtbar wurde. Und so heißt es in dem Aufruf: „Wir werden allen nationalen Organisationen und Kameraden die Hand reichen, welche wie wir, an der Rettung unseres Volkes konstruktiv zu arbeiten bereit sind!“.

Auch bei der inhaltlichen Beschreibung setzen die Neonazis mit dem Rassismus auf das thematische Zugpferd der extrem rechten Szene, die verstärkt versucht, Ressentiments gegen Flüchtlinge in Thüringen aufzugreifen und zu schüren. Immerhin ist in Thüringen statistisch gesehen fast jeder Zweite der Meinung, „die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“, wie der Thüringen-Monitor für das Jahr 2014 belegt. Und so ist in dem Aufruf von einer „massiven Überfremdung unseres Landkreises“ die Rede, die besonders Leinefelde treffen werde. Es ist anzunehmen, dass auch die angekündigten Redner am 13. Juni dieses Thema ausschlachten werden. Dazu gehören Thorsten Heise, der Landeschef der Thüringen-NPD Tobias Kammler, NPD-Vorstandsmitglied und Organisator der rassistischen „Thügida“-Aufmärsche David Köckert und das Trierer NPD-Stadratsmitglied Safet Babic, der 2010 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war.

Enge Beziehungen zu „Blood&Honour“

Doch in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass es den Besuchern des „Eichsfeldtages“ weniger um die Inhalte als vielmehr um die Rechtsrock-Bands geht, die ab Samstagmittag auf der Bühne spielen werden. Neben dem offenbar unvermeidlichen braunen „Liedermacher“ Frank Rennicke sind drei Bands angekündigt, deren Wurzeln in das militante Netzwerk „Blood&Honour“ (B&H) zurück reichen, das 2000 in Deutschland verboten wurde. Allen voran „Die Lunikoff-Verschwörung“ um den ehemaligen Sänger der 2003 zur kriminellen Vereinigung erklärten Neonazi-Band „Landser“, Michael Regener. Die frühere Rolle der „Lunikoff-Verschwörung“ als Headliner könnte die 1989 in Kellinghausen gegründete Rechtsrock-Band „Kraftschlag“ übernehmen, die als eine der einflussreichsten und international bekanntesten Bands in der White-Power-Szene gilt. Sie pflegte enge Beziehungen zu „Blood&Honour“ und präsentierte Regener 2004 als Gastsänger auf ihrer indizierten CD „Götter des Krieges“. Auch die angekündigte Formation „Stonehammer“ verweist auf die ehemaligen B&H-Strukturen der auftretenden Bands. Sie ist eine der Bands des langjährig aktiven kanadischen Neonazis David Allan Surette, die immer wieder auf Konzerten von „Blood&Honour“ spielte.

Mit den drei Bandes spielen auf dem „Eichsfeldtag“ am 13. Juni Formationen auf, die mit ihrer Popularität und Texten aus den 90er Jahren zu Kristallisierungspunkten der militanten Neonazi-Szene um das „Blood&Honour“ Netzwerk und die „White Power Szene“ gehörten und noch immer wichtige Bands und Personen für die braune Bewegung sind. Damit drohen ihre Auftritte in Leinefelde zu einem Revival des militanten und rassistischen Rechtsrocks der 90er unter dem Label „Eichsfeldtag“ zu werden.

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