Militante Neonazi-Bande

Mitglieder der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ sind wegen Gewalttätigkeit aufgefallen – ein Schwerpunkt der KAL soll die „Anti-Antifa-Arbeit“ gewesen sein.

Freitag, 31. August 2012
Michael Klarmann

Zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 1. Juni 2012 wurden gegen Mitglieder der am 23. August verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) insgesamt 589 Strafverfahren eingeleitet. Dies geht aus der 66-seitigen Verbotsverfügung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hervor, die dem „blick nach rechts“ vorliegt. Verboten wurde die KAL nach dem Vereinsgesetz (bnr.de berichtete). Ob sich im Zuge der Auswertung beschlagnahmter Gegenstände noch Anhaltspunkte finden, dass es sich bei der Neonazi-Bande um eine kriminelle Vereinigung handelte, muss sich zeigen. Zugestellt wurde die Verbotsverfügung an 46 Personen, was deutlich macht, welche kriminelle Energie vorherrschte.

Offenkundig haben Aussagen von Axel Reitz im Verfahren gegen die mutmaßlich kriminelle Vereinigung „Aktionsbüro Mittelrhein“ (ABM) (bnr.de berichtete) den Nachweis von Strukturen in der Gruppe erleichtert. ABM, KAL und Reitz hatten eng miteinander kooperiert. Aus der KAL-Verbotsverfügung geht zudem hervor, dass dem ehemaligen NPD-Kader Ingo Haller das Papier auch zugestellt wurde (bnr.de berichtete), weil er als Autor für die Homepage der KAL fungierte.

NPDler bei KAL-Feier

So schrieb Haller in einem Beitrag über die 10-Jahresfeier der KAL in Erkelenz (Kreis Heinsberg) im März 2012, man habe „mehr als 600 Euro für die Kameraden in Haft gesammelt.“ Das Geld sollte „Kameraden“ des ABM gespendet werden. Gegen den Autor des Textes, heißt es in der KAL-Verbotsverfügung, bestehe „der Anfangsverdacht wegen des Tatvorwurfs der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung.“ Anwesend bei jener KAL-Feier waren auch der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Düsseldorf/Mettmann, Manfred Breidbach, sowie der Chef des NPD-Kreisverbandes Unna und Hamm, Hans Jochen Voß.

Die KAL verfügte laut Verbotsverfügung über eine Frauengruppe nebst Anführerin, über „Sektionen“ in Aachen, Düren und Heinsberg. Jede „Sektion“ wurde von einem „Kameraden“ geleitet, die Gesamtgruppe wurde von einem Trio angeführt, an dessen Spitze René Laube aus Vettweiß-Kelz (Kreis Düren) stand. Und der „Kameradschaftsführer“ könnte wegen einer Passage in der Verbotsverfügung in Bedrängnis geraten.

„Mach’ den Penner platt“

Im Rahmen von Ermittlungen wegen eines Eintrages auf der KAL-Homepage zur Glorifizierung von Adolf Hitler plauderte Laube demnach gegenüber der Polizei die Namen von drei „Kameraden“ aus, die die Website administrierten. Hausdurchsuchungen bei den drei Neonazis verliefen danach aber ins Leere. Beweismittel, also Computer und Datenträger, waren verschlüsselt und konnte von den Ermittlern nicht decodiert werden.

Ein Schwerpunkt der KAL sei die „Anti-Antifa“-Arbeit gewesen, heißt es in der Verbotsverfügung. Daten politischer Gegner wurden dabei gesammelt und für Angriffe und Drohaktionen genutzt. Opfer aus dem politisch linken Spektrum, so wird stellt in dem Papier festgestellt, seien oftmals „ohne Hinzutreten weiterer Gründe sofort und unvermittelt tätlich angegriffen“ worden. Hierzu habe es „keiner weiteren Absprache“ unter KAL-Leuten benötigt, denn ihre „ideologische Ausrichtung löst unmittelbar den Tatimpuls aus“.

Wegen einer ähnlichen Straftat in Wassenberg (Kreis Heinsberg) sitzen derzeit vier Personen in Untersuchungshaft, als Haupttäter gilt ein KAL-Mitstreiter (bnr.de berichtete). Offenbar wollten er und seine Frau im Umfeld eines Jugendtreffs neue Mitglieder anwerben. Als es dabei zum Streit mit einem 47-Jährigen kam, schlug der Anhänger der jetzt verbotenen KAL den Mann mit einer Flasche nieder. Der „Kameradschafts“-Aktivist wies die anderen an, bevor man den schon am Kopf blutenden Mann mit Fußtritten weiter schwer verletzte: „Mach‘ den Penner platt.“

 

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