von Redaktion
   

„Mein Kampf“ noch nicht zu Ende

In gut einem Jahr soll es soweit sein: Das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) wird seine kommentierte Ausgabe von Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ auch ohne die Unterstützung der bayerischen Staatsregierung in die Verkaufsregale wuchten. Das Mammutwerk wird mehr als 2.000 Seiten umfassen. Unkommentierte Fassungen sollen nach dem Willen der Justizminister indes verboten bleiben.

Mein Kampf im Deutschen Historischen Museum, Berlin (Foto: Anton Huttenlocher)

Die Arbeiten an dem Projekt laufen seit Jahren. Unter der Leitung des renommierten Historikers Christian Hartmann zerlegt ein fünfköpfiges Forscherteam des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) eines der bekanntesten Bücher der Geschichte: Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Ziel sei es, sagte IfZ-Chef Andreas Wirsching, Hitler durch ein umfassendes Quellenstudium, die Prüfung des Wahrheitsgehaltes oder die Erklärung des historischen Kontextes und seiner Folgen zu „umzingeln“. „Was wir herausbringen, ist eine Anti-Hitler-Schrift“, umriss er im vorigen Jahr das Vorhaben.

Trotzdem entzog Ministerpräsident Horst Seehofer dem Institut die bereits zugesagte Förderung von 500.000 Euro und stellte sich damit gegen einen Beschluss des bayerischen Landtages. Die Staatsregierung begründete diesen Schritt mit den Reaktionen, die führende Repräsentanten auf einer Israel-Reise erfahren hätten. Die Wissenschaftler ließen sich nicht entmutigen und verkündeten nun erste Details zu dem Mammutwerk, das im Januar nächsten Jahres erscheinen soll.

Mammutwerk erscheint ohne Unterstützung

Demnach sind für das rund 2.000 Seiten starke Werk zwei Bände geplant. Gut 1.200 Seiten werden mit ca. 5.000 wissenschaftlichen Kommentaren, der Einleitung und dem Register gefüllt. Die restlichen 780 Seiten seien die Originalaufzeichnung aus der Feder Hitlers, die in 27 Kapitel niedergeschrieben wurden.

Am 1. Januar 2016, und damit 70 Jahre nach dem Tod Hitlers, endet die Urheberschutzfrist. Derzeit liegen die Rechte für die Hetzschrift bei der Staatsregierung des Freistaates Bayern. Nach dem Willen der Justizminister von Bund und Ländern soll die Verbreitung des umstrittene Buch weiterhin unterbunden werden. Die aktuelle Rechtslage reiche aus, um einen Nachdruck zu verhindern. Wie der Umgang mit einer kommentierten Ausgabe aussehen soll, ließen die Minister offen.  

Foto: Anton Huttenlocher

Kommentare(8)

Dennis Freitag, 20.Februar 2015, 13:58 Uhr:
Da bin ich ja mal gespannt, wie das IfZ das Buch kommentiert.
Es dürfte nicht allzu schwer sein, das Buch als das zu entlarven, was es ist:
Eine Ansammlung von Hirngespinsten und Spinnereien eines größenwahnsinnigen Spinners und Massenmörders.

Allerdings wird auch eine wissenschaftliche Kommentierung nicht verhindern können, dass sich Neonazis und Hitler-Verehrer weiterhin an dem Buch "aufgeilen" werden und daraus quasi ihre Bibel machen.
Auch in der NPD gibt es ja bekanntlich eine Menge dieser Leute. Schließlich ist der GröFaZ ja das große Idol von Pastörs, Voigt und Konsorten.
 
DasNiveau Freitag, 20.Februar 2015, 14:16 Uhr:
Dank des Internet haben die Leute die sowas haben wollen, dies eh schon.

Viel Lärm um nichts...
 
Bärenjude Samstag, 21.Februar 2015, 15:05 Uhr:
Die Verbotskultur in Deutschland, ist in Anbetracht unserer wertvollen Gesetze der Demokratie schon etwas komisch gestrickt.

Ich würde ein solches Buch nicht verbieten, sofern es zur geschichtlichen Aufarbeitung beiträgt/dient und keine strafrechtlich relevanten Inhalte in sich birgt.

Mit wissenschaftlich fundierten Kommentaren versehen, würde sogar ich mir diesen Wisch mit dem zweifelhaftem Namen kaufen.

Adolf Hitler wird immer ein Gott für die rechten Psychopathen bleiben. Machen wir uns nix vor.

Aber wie 'DasNiveau' schon sagte, wir bekommen diesen kriminellen Mist ja eh im Internet. Unkommentiert sogar.

Was soll's. Verbieten bringt nichts. Aufklärung und Engagement müssen es biegen.
 
Hotte Sonntag, 22.Februar 2015, 09:45 Uhr:
Ein Verbot hätte allenfalls eine symbolische Bedeutung.
Ich sähe dieses allerdings eher kontraproduktiv, da es zu einer unnötigen Mystifizierung dieses Machwerks beitragen würde.
Selbst heutzutage erlangt "Mein Kampf" in Szenekreisen nur mit der unwahren Behauptung, daß diese Schrift ja verboten sei, überhaupt eine ideelle Bedeutung.

Man unkt ja gelegentlich, daß alles nicht so weit gekommen wäre, wenn die Besitzer des Buches es seinerzeit auch mal gelesen hätten.
 
G. Setz Sonntag, 22.Februar 2015, 13:44 Uhr:
Tja Dennis, da solltest Du mal nicht gespannt sein was da kommt sondern Dich mal fragen warum es nicht unkommentiert erscheint. Besorg Dir es mal und ließ (!) es, dann wirst Du Dich das nicht mehr fragen sondern schnell merken wie aktuell gerade in Bezug aktueller Weltpolitik doch ein so alter Schinken sein kann, Vielleicht bleibst Du denn nicht der Spinner für den Du Dich hier ausgibst.
 
Roichi Sonntag, 22.Februar 2015, 18:14 Uhr:
@ G.

Du meinst also wirklich Dummheit, Rassismus und Antisemitismus ist aktuell?
Da hast du recht.
Und es macht die Sache nicht besser. Vor allem aber ist es keine Lösung, sondern das Problem.
Dazu muss man aber nicht irgendwelche abgekupferten schlechten Bücher lesen. Das erschließt sich auch mit etwas Verstand aus dem Alltag.
 
Erich Mühsam Sonntag, 22.Februar 2015, 18:19 Uhr:
@G-Punkt
ich spreche jetzt hier für mich persönlich, der ich das buch gelesen habe, in der printversion vom zentralverlag der nsdap von 1942, und muss mich da hotte anschließen.

Die volksverhetzung ist enthalten, wenn auch verklausuliert (hier möge man die bereits von serda somuncu zitierten stellen heran ziehen)! doch ist dieses buch in seiner gesamtheit einfach nur wirr, unschlüssig, populärwissenschaftlich formuliert, nicht mal vom autor des titelblatts selbst geschrieben und der größte mist der jemals publiziert wurde. zudem verstehe ich den hype um dieses buch gerade in der rechten szene nicht so rechts - der ist wohl eher indikator für das verhältnis zwischen nazis und legastenikern.

Ihre forderung lies [sic] erscheint mir denn auch mehr eine bestätigung der leseferne und zudem als adaption einer gewissen kampange von menschen die sie am liebsten in ihrern herkunftsländern sehen würden und so herrlich in der lügenpresse gegen wettern. naja, mit hirn wussete der nazi noch nie allzu viel anzufangen als denn ne kugel durch zu jagen.
zudem mal schön beim sie bleiben, hier wird ihnen keiner das du anbieten außer ihren kameraden - so schön inkludierend, wah.
 
münchhausen Sonntag, 22.Februar 2015, 22:23 Uhr:
Aktueller Bezug zum jetzigen Weltgeschehen in 'Mein Kampf'? Wohl eher ein Bezug zur Bildungssituation der Neo-Faschisten:

"Nicht in den intellektuellen Gaben liegt die Ursache der kulturbildenden und -aufbauenden Fähigkeit des Ariers. "
AH, Mein Kampf, S. 326.

"Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend. Am liebsten ließe ich sie nur das lernen, was sie ihrem Spieltriebe folgend sich freiwillig aneignen."
Rauschning, Hermann: Gespräche mit Hitler, Zürich 1940, S. 23
 

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