Medientipps in Zeiten von Corona

Viele verbringen derzeit aufgrund der Corona-Krise viel Zeit zu Hause, Social Distancing lautet das Gebot der Stunde. Eine gute Möglichkeit, mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen, für das sonst keine Zeit war. Hier einige Medientipps zur extremen Rechten – von Büchern über Dokus bis hin zu Podcasts.

Der Fokus liegt auf aktuellen Veröffentlichungen zu den Themen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus, aber auch die Bereiche Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Fake News sollen – mit Blick auf derzeitige Agitationsfelder der extremen Rechten – in den Blick genommen werden.

Die nachfolgenden Empfehlungen stellen lediglich einen Teil sehens-, lesens- und hörenswerter Veröffentlichungen dar, weitere Ideen und Vorschläge können uns gerne per E-Mail an info@remove-this.endstation-rechts.de oder Kontaktformular zugeschickt werden.

 

Medientipp #1

Den Anfang macht das Buch „Fakten gegen Fake News“ oder Der Kampf um die Demokratie von Patrick Gensing. Gerade in Zeiten von Corona verbreiten Rechtsextreme gezielt Fake News, um die Unsicherheit in der Bevölkerung zu schüren und beispielsweise Ressentiments gegenüber Flüchtlingen weiter anzuheizen.

Das 2019 beim Dudenverlag erschienene Buch kann auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung für nur 4,50 Euro erworben werden.

 

 

Medientipp #2

"Menschenwürde online verteidigen - 33 Social Media-Tipps für die Zivilgesellschaft" lautet der Name der knapp 100-seitigen Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung, die sowohl als Printexemplar bestellt werden kann als auch im PDF-Format zur Verfügung steht.

Vom Umgang Mit Hate Speech über den Aufbau einer Community bis hin zur Entwicklung und Umsetzung eigener Kampagnen in Sozialen Netzwerken: „33 Social Media-Tipps für die Zivilgesellschaft“ unterstützen gemeinnützige Organisationen in ihrem digitalen Engagement. Die praxisbezogenen Ratschläge sind aus den Erfahrungen, die die Amadeu Antonio Stiftung und das Team Civic.net in der Auseinandersetzung mit Menschenfeind*innen in Sozialen Netzwerken gesammelt hat, entnommen.

 

Sie werden vervollständigt durch Gastbeiträge von Expert*innen für Digitalkultur, Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen der Demokratiearbeit im Netz.

 

Medientipp #3

Die Ende 2019 erschienene Dokumentation „Rechtsrock in Deutschland – Das Netzwerk der Neo-Nazis“ gibt einen sehenswerten Einblick in den Bereich Musik in der rechtsextremen Szene und zeigt Gründe für die in den vergangenen Jahren rapide gestiegene Anzahl rechtsextremer Konzerte und Festivals in Deutschland auf.

Weitere Infos zur Doku, die in der Mediathek des ZDF abrufbar ist.

 

Medientipp #4

Das Institut für Zivilgesellschaft in Jena (IDZ) veröffentlichte kürzlich einen Sammelband zum Thema Rechtsterrorismus. Die Beiträge zeigen nicht nur die lange Tradition des Rechtsterrorismus auf, sondern auch dessen Aktualität und Brisanz. Neben der fortwährenden Gefahr, die von der gewalttätigen rechtsextremen Szene ausgeht, sind in den virtuellen Sphären rechtsextremer Online-Foren neue Pfade der Ideologisierung, Radikalisierung und Rekrutierung entstanden.

Die insgesamt 22 Beiträge sind auf der Seite des IDZ zu finden, die Publikation kann auch kostenlos bestellt werden.

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat sechs Texte zum Thema Rechtsterrorismus veröffentlicht. Diese sind online zu finden, die Broschüre ist kostenlos zu beziehen.

 

Medientipp #5

Radikale und extreme Rechte vernetzen sich längst nicht mehr nur durch geheime Treffen. Sie sind ganz offen im Internet unterwegs, über alle nationalen Grenzen hinweg. Ihr Umgang mit der digitalen Infrastruktur ist versiert, erzählt Karolin Schwarz.

Die Journalistin und Autorin im Podcast-Format des WDR, das Gespräch wird ebenfalls als Download zur Verfügung gestellt.

 

Medientipp #6

Fabian Virchow, Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule Düsseldorf, setzte sich in einer vor wenigen Tagen erschienenen Publikation mit der Frage auseinander, ob die AfD mittlerweile als eine Partei der extremen Rechten betrachtet werden könne.



Die AfD - Alternative für Deutschland - wurde 2013 aus Protest gegen die Euro-Rettungspolitik gegründet. Ursprünglich konservativ-liberal, aber rechts von der CDU/CSU, präsentierte die Partei sich nach 2015 als Hauptgegner von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. In der Folge erzielte sie zahlreiche Wahlerfolge, darunter den Einzug in den Bundestag 2017.


Nachdem sie ihre Programmatik und Rhetorik sehr stark radikalisiert hat, ist die AfD derzeit die Partei, die neben der NPD die Rechtsextremen in Deutschland vertritt. Sie vereinigt sowohl die traditionellen Befürworter des Rechtextremismus als auch des Rechtspopulismus - dessen Sprachrohr sie geworden ist - der immer mehr Wähler anzieht. Obwohl Teile von ihr nun unter Beobachtung des Bundesamtes für Verfassungsschutz stehen, erscheint es angesichts der Wahlerfolge und der Radikalisierung ihrer Mitglieder unwahrscheinlich, dass die AfD ihr politisches Programm und ihre Stellungnahmen moderieren wird.


Die 26-seitige Publikation kann hier heruntergeladen werden.

 

Medientipp #7

Ob NSU-Terror, der Mord an Walter Lübcke oder der Anschlag in Hanau: Die Taten richten sich gegen Menschen, die von Rechtsextremen zu Feinden erklärt werden: Migranten, Juden, Muslime, Linke, Journalisten und Politiker. Deutlich wird, dass das Narrativ vom Einzeltäter auserzählt ist: Viele Mörder handeln zwar allein, aber in ihrer Weltanschauung sind sie das längst nicht mehr.

Die Anfang März erschienene knapp einstündige Dokumentation "Die Legende vom Einzeltäter - rechter Terror in Europa" ist nur noch bis 2. April verfügbar, zu finden ist sie in der Mediathek von ARTE bzw. auf YouTube.

 

Medientipp #8

Auf der Seite der „Gegneranalyse“ werden die wichtigsten Vordenker der Neuen Rechten vorgestellt und eingeordnet. Zu mittlerweile 16 Personen gibt es dort ausführliche Essays, die Hälfte steht mittlerweile auch als Podcast zur Verfügung oder kann alternativ heruntergeladen werden.

Die langen Linien antiliberalen Denkens für die heutige Debatte aufzuarbeiten, ist Ziel der Essays zu den Vordenkern der Neuen Rechten, die wir auf dieser Webseite veröffentlicht haben. Zu den prägenden Köpfen der Opposition gegen die liberale Moderne gehören Carl Schmitt, Ernst Jünger, Oswald Spengler, Martin Heidegger, Arthur Moeller van den Bruck, Ernst Niekisch, Sigrid Hunke, Arnold Gehlen, Armin Mohler, Konrad Lorenz, Alain de Benoist, Alexandr Dugin. Sayyid Qutb gehört als Vertreter des radikalen Islamismus in diese Reihe. Auch Thomas Mann ist in diesem Zusammenhang von Interesse mit seiner exemplarischen Wendung vom Gegner (“Betrachtungen eines Unpolitischen”, 1918) zum Anhänger der demokratischen Republik.

 

 

Medientipp #9

„Wie steht es um die demokratische Verfasstheit von Polizei, Justiz, Bundeswehr und Verfassungsschutz?“ – so lautet die Einstiegsfrage des Sammelbandes „Extreme Sicherheit“ der beiden Journalisten Heike Kleffner und Matthias Meisner. In knapp 30 Artikeln kommen zahlreiche Experten und Journalisten zu Wort und befassen sich intensiv mit der extremen Rechten in den Sicherheitsbehörden. Auf der Seite des Verlages findet sich ein Inhaltsverzeichnis inkl. kurzer Leseprobe. Eine Rezension ist u.a. hier zu finden.

Immer wieder wird über rechtsextreme Vorfälle in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr oder Justiz berichtet. Daran schließt sich fast immer die Frage an: Geht es um Einzelfälle oder gibt es rechtsextreme Gruppen und Netzwerke in den Sicherheitsbehörden. Und oft stellt sich auch die Frage nach dem Aufklärungswillen staatlicher Behörden bzw. einzelner Mitarbeiter in Bezug auf rechtsextreme Straftaten. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes setzen sich erstmals systematisch und umfassend mit den extremen Rechten in Bundeswehr, Polizei, Justiz, Verfassungsschutz und MAD auseinander. Ein Gemeinschaftswerk investigativer Journalisten von »FAZ« bis »taz«, von »BR« bis »rbb«. Mit Beiträgen u.a. von: Mohamed Amjahid, Martin Kaul, Jost Müller-Neuhof, Tanjev Schultz, Toralf Staud und Caroline Walter.

 

 

Medientipp #10

Immer mehr Neonazis und rechtsextreme Hooligans widmen sich dem Kampfsport – so soll sich auf den Straßenkampf gegen den politischen Gegner vorbereitet werden. Die Sendung „Monitor“ fasste die wichtigsten Entwicklungen in dem Bereich zusammen, der Beitrag ist auch auf YouTube zu finden. Ein immer gut informierter Blog zu dem Thema ist „Runter von der Matte“.



Boxen, Kickboxen, Mixed Martial Arts: Kampfsport ist im Trend – auch in der rechtsextremistischen Szene. Rechtsradikale Hooligans und Nazis rüsten sich bei Kampfsportevents und in Kampfsportstudios auch für den Kampf auf der Straße. Mit dem „Kampf der Nibelungen“ hat die rechte Szene inzwischen sogar ein eigenes, explizit rechtes Kampfsportevent. Die Gefahr wächst: Auf rechten Demonstrationen in Chemnitz und andernorts finden sich mittlerweile zahlreiche rechte Kampfsportler. Eine bedrohliche Entwicklung, die Politik und Behörden bislang kaum auf dem Schirm haben.

 

 

Medientipp #11

Mit dem um sich greifenden Virus verbreiten sich auch Verschwörungstheorien drastisch. Auf Facebook, Whatsapp oder auch auf YouTube wird "die Wahrheit" verkündet. Doch was erzählt wer wo? Und warum eigentlich? Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) bietet einen zweiteiligen Podcast an, der versucht, Antworten zu finden.

Um die gängigsten Theorien, den ihnen oft innewohnenden Antisemitismus und um Handlungsstrategien gegen Verschwörungstheorien geht es in der ersten Folge, während sich Teil zwei mit den sozialpsychologischen Aspekten von Verschwörungstheorien befasst. Warum gibt es eigentlich Verschwörungstheorien? Und wer ist von ihnen aus welchem Grund überzeugt?

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