von Storch Heinar
   

Maximale Integration: NPD-DS-“Behindertenbeauftragte“ Alexandra Nightline auf Stimmenfang

„Amüsiert“ verfolgt Storch Heinar die regelmäßigen Ratschläge der NPD-Kummerkastentante „Alexandra Nightline“ im Parteiorgan „Deutsche Stimme“. Neben den allgemeinen Problemen, „die mit dem täglichen Dasein eines Nationalisten in einer ablehnend bis feindlich eingestellten Umwelt und Gesellschaft zu tun haben“, wagt sich Alexandra N. in einer der letzten Ergüsse an ein bis dato heisses Eisen: „Schwerbehindert in der NPD“.

Wie immer antwortet die Redaktionsleiterin „Nationale Psychohygiene“ dabei auf angebliche Leseranfragen. Dieses Mal schreibt „Thomas D.“ aus Baden-Württemberg. Thomas sitzt im Rollstuhl, ist trotzdem in vielen Punkten auf NPD-Linie – klar: „Ausländerthematik etc.“ – wird aber von seinen skeptischen Freunden davor gewarnt, sich der NPD anzuschließen. Die rechtsextreme Partei sei „quasi gegen Behinderte“, wolle sie sogar „beseitigen“. Glauben mag „Thomas D.“ das aber nicht so recht und wendet sich vertrauensvoll an Alexandra Nightline: „Können Sie mir dazu eine Auskunft geben? Das wäre sehr freundlich.“

Aua. Aber gut. Na klar, das kann Alexandra. Bekommt aber in gewohnter Art und Weise schon auf den ersten Metern wieder alles durcheinander. Anstelle Thomas einfach anzudrohen, ihm die Luft aus den Reifen zu lassen, wenn er nicht schleunigst aufhört, die NPD mit seinen unwerten Anfragen zu belästigen, bringt sie das demokratische Weltbild des „geneigten“ Führerstorchen scheinbar mächtig ins Wanken: Nightline ist nicht nur „talentierte“ Zeitungsseelsorgerin, sondern – so muss der staunende Leser zur Kenntnis nehmen – offenbar selber die Aushänge-Schwerbehinderte der NPD. Mit eigener Behinderung und eigene Kolumne!

„Thomas“ solle sich – so der Tenor der Antwort – bloß nicht von der gegen die NPD gerichteten üblen Propaganda seines Freundeskreises in die Irre führen lassen. „Gezielte Medienmanipulation“ habe dazu beigetragen, dass die NPD das Bild „böser Nazis“ abgebe, die alles, „was nicht blond, blauäugig und gesund ist“ am liebsten vernichten wollten. Alexandras Befund ist eindeutig: Diese „Diffamierungen“ sind natürlich „Blödsinn“. Sie selber sei als „in die nationale Gemeinschaft integrierte“ Schwerbehinderte der beste Beweis, dass die NPD – und das witzigerweise tatsächlich auch im Original in Anführungsstrichen geschrieben – „ganz in Ordnung“ sei. „Thomas D.“ müsse sich davon doch unbedingt vor Ort überzeugen. Gerne bekomme er eine Einladung zur nächsten NPD-Veranstaltung in seine Nähe. Rollstuhlrampe inklusive.

Ob man „Thomas D.“ raten sollte, der vermeintlichen Einladung zu folgen? Aus eigener Erfahrung wird man ja bekanntlich am klügsten. Andererseits... In jedem Falle wäre ihm aber zu wünschen, dass es sich bei seinem ersten barrierefreien NPD-“Date“ vielleicht nicht ausgerechnet um die nostalgische Lesung „Visionäre Konzepte zur Volksgesundheit im Dritten Reich“ o.ä. handelt. Auf der dann vielleicht zu allem Überfluss – als Gastredner aus dem hohen Norden – NPD-Bundesvize Udo Pastörs seine einstigen Ausführungen im Landtag zur "gesunden Volksstruktur" ausbreitet: „Unser erstes Augenmerk hat den Gesunden und Starken zu gelten [...] Das ist keine Selektion, sondern einfache Logik [...]” (LTS 5/11). Oder aus rein informativen Gründen ein kurzer Überblick über die Anfang 1939 angelaufene „Kinder-Euthanasie“ gegeben wird, bei der es darum ging, so genannte „Behindertgeburten“ zu erfassen und in Abstimmung mit der „Kanzlei des Führers“ Einweisung in „Kinderfachabteilungen“ zu erzwingen.

Nein, eine solche Veranstaltung zu erleben, ist wirklich niemandem zu wünschen. Und schon gar nicht „Thomas D.“

Kommentare(9)

Walter Freitag, 25.Januar 2013, 09:39 Uhr:
Ähm, langweilig.
 
Lutz Reimer Freitag, 25.Januar 2013, 10:41 Uhr:
Hahaha. „ganz in Ordnung“ - sehr schön.
 
L.B. Freitag, 25.Januar 2013, 11:51 Uhr:
Mein Respekt für die NPD wächst von Tag zu Tag: Neben Schlägern, Säufern und Analphabeten hat man nun auch ein Herz für Behinderte. Wenn jetzt noch Stehpinkler dazu kommen, werde ich bei der nächsten Wahl mein (Haken-)Kreuz bei der NPD machen.
 
seppowitsch Freitag, 25.Januar 2013, 15:36 Uhr:
wie billig sollen hier die artikel noch werden. der versuch, sich über das thema lsutig zu machen, ist mächtig schief gegangen.

zusammenhänge erkennen und logisch denken war aber schon immer ein problem der internationalisten.
 
WW Freitag, 25.Januar 2013, 21:27 Uhr:
L.B.
Die NPD nimmt sich noch mehr Randgruppen an. Ich erinnere an den Arbeitskreis "Christen in der NPD" :-)
 
L.B. Samstag, 26.Januar 2013, 13:26 Uhr:
@ WW

Sind das die "Christen", die glauben, Gott hätte ihnen ihren Adi gesandt?

Wie sehr die NPD sich um Behinderte sorgt, könnte man an ihren Anträgen auf Kommunal- und Landesebene zur barrierefreien Architektur und Infrastruktur ermitteln. Wobei kaum ein NPDler wissen wird, was barrierefrei bedeutet.
 
John Sonntag, 27.Januar 2013, 11:31 Uhr:
"Wobei kaum ein NPDler wissen wird, was barrierefrei bedeutet."

...wo sie doch schon diese Riesenbarriere im Hirn haben! ;)

@seppowitsch
Lies den Beitrag nochmal gaaaaaanz laaaaangsam.
 
Grambauer Sonntag, 27.Januar 2013, 14:51 Uhr:
@L.B.

Kein Problem, so geschehen in Waren (Müritz) im Juni 2012, als die NPD-Stadtvertreterin Doris Zutt einen Antrag zur Barrierefreiheit einreichte:


h..p://www.mupinfo...
 
spanni Montag, 28.Januar 2013, 09:09 Uhr:
wer/was bleibt denn von der npd noch übrig, wenn auf gesund und stark fokussiert wird?
 

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