Mai-Demo: 300 Neonazis marschieren durch Wismar

Die größtenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogene NPD in Mecklenburg-Vorpommern rief am 1. Mai nach Wismar – rund 300 Neonazis folgten dem Aufruf und zogen mehrere Stunden durch die Stadt. An der Gegendemo beteiligten sich zwar über 1.000 Personen, doch Proteste in Hör- und Sichtweite schienen nicht beabsichtigt.

Mehrere Stunden marschierte die NPD am 1. Mai durch Wismar

Für gewöhnlich geht der Landesverband der NPD Mecklenburg-Vorpommern alljährlich am 1. Mai auf die Straße. Nachdem die Demo im vergangenen Jahr jedoch ausfiel, wurde dieses Jahr nach Wismar mobilisiert. Unweit des Hauptbahnhofs fanden sich am Mittwochmittag 300 Anhänger der „Nationaldemokraten“ ein, „Arbeit – Heimat – Zukunft“ lautete das diesjährige Motto. Mit identischem Aufruf und Bannern war die NPD bereits am 1. Mai 2014 durch Rostock marschiert.

Und auch sonst setzte die NPD eher auf Altbewährtes, seit Jahren treten fast ausschließlich Landeschef Stefan Köster und der ehemalige Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs als Redner auf. So auch am gestrigen 1. Mai. Inhaltlich warteten die beiden Parteifunktionäre ebensowenig mit neuen Inhalten auf. So wetterte der 66-jährige Pastörs gegen den „Parteienstaat“, der maximal bekämpft werden müsse. Es folgten die üblichen Biologismen und Vergleiche zwischen „Weißen“ und „Schwarzen“.

Alte Parteikader bleiben Demo fern

Insgesamt verlief die Route über rund neun Kilometer, dementsprechend endete der Aufmarsch erst um 16.30 Uhr. Zuvor gab es zwei Kundgebungen, auf dem Markt wandte sich NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke an die Anhänger, aufgrund einer wohl laufenden Bewährungsstrafe verwies der Berliner vorsorglich drauf, dass es ihm nicht um eine Verherrlichung der Zeit gehe, als er thematisch auf das Dritte Reich einging.

1. Mai - NPD-Aufmarsch Wismar

Mit rund 300 Mitgliedern und Sympathisanten konnte die Gliederung gegenüber der letzten Demonstration vor zwei Jahren in Stralsund sogar noch etwas zulegen. Nichtsdestotrotz ziehen es auffällig viele Parteikader vor, die früher vor allem bei der Landtagsfraktion eine Anstellung gefunden hatten, nicht mehr öffentlich mit der Neonazi-Partei in Verbindung gebracht zu werden. Hintergrund dürfte sein, dass viele den Weg in die Selbstständigkeit gegangen sind und allzu offensichtliche Verbindungen zur NPD mittlerweile gemieden werden sollen.

Landeschef Köster beendete die Versammlung mit dem Hinweis auf den „Trauermarsch“ in Demmin am 8. Mai. Die Organisation der dortigen Demonstration wird – wie üblich – von denselben NPD-Kadern übernommen, auch bezüglich der Teilnehmer gibt es zahlreiche Überschneidungen.

Jamel, Wismar, Demmin

Gegenproteste wurden am Tag der Arbeit vor allem vom Bündnis „Wismar für alle“ organisiert. Zeitgleich zur NPD trafen sich laut Polizei rund 1.100 Personen am Hauptbahnhof. Mit etwas Verzögerung setzte sich die Demo, an der sich neben dem Bürgermeister auch mehrere Politiker beteiligten, in Bewegung – allerdings in entgegengesetzte Richtung zum NPD-Marsch. So gab es zu keinem Zeitpunkt Proteste in Hör- und Sichtweite, als die Rechtsextremen auf dem Markt eintrafen, hatten sie diesen anfangs für sich alleine. Zuvor hatte es eine kleine Sitzblockade gegeben, die jedoch durch Polizeikräfte geräumt wurde.

Kurze Anfahrtswege hatten einige Teilnehmer, die sich am Vorabend der Demonstration im nur wenige Kilometer entfernten Jamel eingefunden hatten. Der umtriebige Neonazi Sven Krüger lud dort zum alljährlichen völkischen Maitanz. Etwa 100 Personen fanden sich auf dem Grundstück Krügers ein, viele brachten ihre Kinder zu der Veranstaltung mit. Als der knasterfahrene Unternehmer mit seinem Traktor ein halbes Dutzend Kinder durch das Dorf fuhr und anwesende Medienvertreter entdeckte, näherte er sich diesen und fuhr in etwa einem halben Meter Entfernung an ihnen vorbei. Das Grundstück des Ehepaar Lohmeyers wurde rund um die Uhr von Polizeikräften abgesichert.

Geboten wurde den Anwesenden, darunter auch die beiden stellvertretenden Landeschefs David Petereit und Enrico Hamisch, ein Rundum-Sorglos-Paket. Neben dem Aufstellen eines Maibaums wurden traditionelle Volkstänze durchgeführt, die Kinder, die wie deren Eltern oft in altertümlicher Kleidung ausgestattet waren, durften sich neben den Traktorfahrten auf einer Hüpfburg vergnügen.

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