von Oliver Cruzcampo
   

Magdeburger Trauermarsch aus Stadtzentrum verbannt

Der mit viel Spannung erwartete „Trauermarsch“ in Magdeburg ist vorüber. Zwar glückten die angekündigten Blockaden nicht, allerdings brach nicht nur die Teilnehmerzahl der Neonazis ein, sie wurden auch in einen Außenbezirk der Stadt gedrängt. Der für kommendes Wochenende angekündigte zweite Aufmarsch wurde unterdessen abgesagt.  

Gekennzeichnet war der am gestrigen Sonnabend durchgeführte Neonazi-Aufmarsch in Magdeburg durch Geheimhaltung und Desinformation der Sicherheitsbehörden bezüglich der geplanten Strecke der Geschichtsrevisionisten. Zwar machten bereits am Ende der Woche die ersten Gerüchte die Runde, dass die Route auf die Ostseite der Elbe verlegt werden könnte, doch bestätigen konnte dies niemand. Erst am späten Freitagabend veröffentlichte dann das Bündnis „Magdeburg nazifrei“ die mutmaßliche Route im Stadtteil Herrenkrug.

Doch auch eine Gegenkundgebung in unmittelbarer Nähe wurde angemeldet und ein kurzzeitiges Verbot von einem Gericht wieder aufgehoben. Dementsprechend hatten sich bereits Hunderte Gegendemonstranten vor Ort eingefunden, noch um 12 Uhr herrschte jedoch vor allem Ratlosigkeit bezüglich der Route.

Wenige Minuten später wurden die Vermutungen dann zur Gewissheit. Die Rechtsextremen würden im Süden der Stadt marschieren, mehrere Kilometer von dem ursprünglich angedachten Ort entfernt. Die Organisatoren rund um die „Initiative gegen das Vergessen“ berichten, dass man sich bereits im Vorfeld „auf eine Vielzahl von möglichen Routen verständigt“ hätte.

Anhängern des Bündnisses „Magdeburg nazifrei“ und weiteren Gegendemonstranten gelang es in der Kürze der Zeit nicht mehr, zur Strecke der Neonazis durchzudringen, so dass diese relativ ungestört die Route abmarschieren konnten.

Auch von Seiten der „Initiative gegen das Vergessen“ rund um den JN-Bundesvorsitzenden und NPD-Fraktionsmitarbeiter Andy Knape kann kaum von einem Erfolg auf ganzer Linie gesprochen werden. Der störungsfreie Aufmarsch wurde zwar erreicht, aber als die von vielen Beobachtern befürchtete Etablierung als Ersatzveranstaltung für Dresden kann Magdeburg nicht ohne Abstriche bezeichnet werden. Die Teilnehmerzahl ist im Vergleich zu den letzten Jahren um rund ein Drittel eingebrochen – die Polizei spricht von 700 Teilnehmern, andere Medien nennen 800. 2011 waren es hingegen noch 1.200 braune Marschierer.

Die Teilnehmer der Demonstration setzten sich wie auch in den Jahren zuvor vor allem aus dem parteifreien Spektrum zusammen. Die NPD hatte nicht zur Teilnahme aufgerufen, Funktionäre konnten somit auch nur vereinzelt gesichtet werden. In die Blöcke reihte sich neben dem JN-Bundesgeschäftsführer Julian Monaco auch der stellvertretende Berliner NPD-Landesvorsitzende Uwe Meenen ein. Ebenso mitgelaufen sind zwei Männer, die sich in den letzten Monaten immer wieder von der NPD einspannen lassen haben: der geschasste Schornsteinfeger und NPD-Stadtrat Lutz Battke und Hans Püschel, gegen den mittlerweile ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sein soll.

Der Verlauf der Strecke dürfte die braunen Marschierer nur bedingt zufriedengestellt haben. Los ging es in einem menschenleeren Industriegebiet, außer Hunderten Polizisten und vielen Medienvertretern niemand, der vom „Trauermarsch“ Notiz nehmen könnte. Auch der Verlauf der Reststrecke war jedoch relativ unattraktiv: Es ging entlang dünn besiedelter Stadtteile. Das Ziel der „Meile der Demokratie“ und weiterer Veranstalter – die Neonazis aus dem Stadtzentrum fernzuhalten – ist so zumindest aufgegangen.

Im Zuge des Marsches kam es zu insgesamt drei Kundgebungen, Redner waren u.a. der NPD-Funktionär Andy Knape, Maik Müller, der auch maßgeblich am Dresdner Aufmarsch beteiligt ist, und Daniel Weigl vom „Freien Netz Süd“. Die zweite Kundgebung konnten die Rechtsextremen zur Verwunderung vieler direkt vor dem „Libertären Zentrum“ (Liz) abhalten, das in der Vergangenheit bereits mehrfach attackiert worden sein soll. Doch die Mitbewohner setzen sich kreativ zur Wehr: Sie schlugen Pfannen und Kochbleche aufeinander und übertönten so die Reden des politischen Gegners, bis dieser schließlich die Strecke fortsetzte.

An der Haltestelle Magdeburg Südost wurde der „Trauermarsch“ gegen 16 Uhr dann offiziell für beendet erklärt, die Neonazis in einen Zug verfrachtet und zurück zum Hauptbahnhof geleitet. Zuvor wurde noch nach Dresden mobilisiert, wo jedoch nach drei Pleitejahren in Folge etliche Aktivisten die Lust vergangen sein dürfte. Der für kommenden Sonnabend angekündigte zweite Aufmarsch wurde in der Zwischenzeit abgesagt. Die Strategie, durch zwei Anmeldungen die Mobilisierung der Gegner zu erschweren, hatte sich bereits zuvor in Dresden als wenig erfolgreich erwiesen.

Kommentare(8)

made in germany Sonntag, 13.Januar 2013, 19:00 Uhr:
Alles wie immer. Wir sind die friedlichen, anständigen Deutschen, die sich nicht provozieren lassen und die Chaoten suchen die Randale.
Wer es nicht glaubt, der sehe den MDR Bericht an.
 
JayBee Montag, 14.Januar 2013, 08:29 Uhr:
@ made in Germany

Ja, das sieht man hier ganz deutlich, wie friedlich die NPD´ler sind...

http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2013/01/13/gewalt-im-wahlkampf-npd-ordnerdienst-greift-gegendemonstranten-an_11045
 
Roichi Montag, 14.Januar 2013, 09:44 Uhr:
@ made in

Du hast offenbar nur den Anfang gesehen.
Im Bericht wurde auch beschrieben, dass es nur wenige Idioten sind, und dass deren Tun von demokratischen Menschen abgelehnt wird.
Kannst ja morgen nochmal versuchen den ganzen Bericht zu sehen.
 
made in germany Montag, 14.Januar 2013, 12:06 Uhr:
@ JayBee

Was hat dein Verweis, in dem der Ordnungsdienst der NPD versucht, die Angriffe der Chaoten abzuwehren, mit dem Trauermarsch zu tun??
Au warte, die 14 Teilnehmer in Lingen greifen EINFACH SO die 500 Gegendemonstranten an. Das willst du mir jetzt damit sagen, stimmts.

@Roichi

Die 3000 Polizisten, die Hubschrauber, die Wasserwerfer etz. waren nur aus einem Grund dort. Weil IHR eure Fusstruppen nicht im Griff habt und die Situation jederzeit eskalieren kann.
 
münchhausen Dienstag, 15.Januar 2013, 14:19 Uhr:
@madein

das Märchen von den friedliebenden nationalen Demokraten ist ja noch weiter hergeholt als meine Schwänke aus dem Türkenkrieg - und schon die hat mir keine einzige Nase geglaubt.

aber wahrscheinlich wurden die nationalen Sozialisten/Demokraten/Wahrheitsbesitzer in jedem einzelnen Fall provoziert und reagierten immer gesetzeskonform im Rahmen des Widerstandsparagraphen und des Jedermann-Festnahmerechts:

http://tinyurl.com/acxzdff
http://tinyurl.com/abwrn48
http://tinyurl.com/b5quynj
http://tinyurl.com/aex523h
http://tinyurl.com/aqhgsc6
 
JayBee Dienstag, 15.Januar 2013, 15:38 Uhr:
@ made in germany

Naja, nach Abwehr sieht mir das nicht grade aus, wenn da Gegenstände zum Schlagen genutzt werden, wenn da auf die (zugegenermaßen auch nicht grad zurückhaltenden) Gegendemonstranten eingesstürmt und eingeschlagen wird. Der Am Ende ins Bild kommende Polizist scheint mir der einzige zu sein, der wirklich eine Trennung der beiden Gruppen versucht. Also: siehe 1. Posting.
 
Roichi Dienstag, 15.Januar 2013, 17:52 Uhr:
@ made in

"in dem der Ordnungsdienst der NPD versucht, die Angriffe der Chaoten abzuwehren, mit dem Trauermarsch zu tun?? "

Es war ein Hinweis auf deine Aussage: "Alles wie immer. Wir sind die friedlichen, anständigen Deutschen, die sich nicht provozieren lassen"
Ober besser gesagt, die Widerlegung deiner Aussage.

"Au warte, die 14 Teilnehmer in Lingen greifen EINFACH SO die 500 Gegendemonstranten an."

Ob "EINFACH SO" oder nicht ist egal. Nach deiner Aussage finden diese Angriffe gar nicht statt.
Und das ist widerlegt.

"Die 3000 Polizisten, die Hubschrauber, die Wasserwerfer etz. waren nur aus einem Grund dort. Weil IHR eure Fusstruppen nicht im Griff habt und die Situation jederzeit eskalieren kann."

Schon klar. Sind immer die Anderen Schuld.
Man ist das ja nicht anders gewohnt von dir.
 
nur mal angemerkt Dienstag, 15.Januar 2013, 18:43 Uhr:
@atzejohnmünchhausen

Na aus dem Winterschlaf erwacht? Fein hast Du wieder gegoogelt. Mach fein, mach fein! Und nun google auch mal brav die Taten der Linken- dann ist das Gleichgewicht wieder hergestellt.
Wo steht übrigens geschrieben, dass jeder Bürger verpflichtet ist, aufdringlichen sensationsgeilen Schmierenreportern Rede und Antwort zu stehen? Spätestens nach dem ersten " kein Kommentar" ist der Fall klar. Weiteres aufdringliches "zu einem Interwiev nötigen" kann durchaus auch mal bestraft werden. Das geht völlig in Ordnung! Niemand muss mit der Hetzpresse reden!
 

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