von Oliver Cruzcampo
   

Magdeburg: Wird der „Trauermarsch“ zum Trauermarsch?

Erneut wollen am Sonnabend Hunderte Neonazis durch Magdeburg marschieren und einseitig um ihre deutschen Helden trauern. Nachdem Dresden für die Geschichtsverdreher massiv an Attraktivität eingebüßt hat, wird versucht, den „Trauermarsch“ in der Landeshauptstadt als Alternative zu etablieren. Doch Tausende Gegendemonstranten stehen in den Startlöchern und es dreht sich vor allem um die Frage: Gelingt in diesem Jahr eine Blockade?

Fronttransparent des Neonazi-Aufmarsches 2013

Der Titel des Störungsmelder-Berichts zum anstehenden Neonazi-Aufmarsch in Magdeburg stellt die derzeitige Situation gut dar: „`Trauermarsch´ in Magdeburg: Same procedure as every year?“ Denn das rechtsextreme Bündnis „Initiative gegen das Vergessen“ um deren Mitinitiator und NPD-Funktionär Andy Knape mobilisiert für den kommenden Sonnabend erneut nach Magdeburg. Unter dem Motto „Ehrenhaftes Gedenken statt Anpassung an den Zeitgeist“ wollen die Rechtsextremen ihre verquere Sicht auf die Bombardierung Magdeburgs im Jahr 1945 darstellen.

Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt tat sich lange schwer mit dem Umgang des Aufmarsches. Jahrelang ließ man die Geschichtsrevisionisten größtenteils gewähren, erst in den vergangenen Jahren wuchs der Widerstand. Der Dresdner Ableger des „Trauermarsches“ konzentrierte zudem die mediale Aufmerksamkeit auf sich, doch seit knapp fünf Jahren stehen sich die Rechtsextremen dort alljährlich die Beine in den Bauch. Die Gegenaktionen rund um das Bündnis „Dresden nazifrei“ haben einen der größten deutschen Neonazi-Aufmärsche zunehmend unattraktiver werden lassen.

Dementsprechend machten immer mehr Rechtsextreme im Demo-Kalender ihr Kreuz in Magdeburg und nicht mehr in Dresden. Rund 1.200 Teilnehmer zählte dann 2012 auch der Aufmarsch, im vergangenen Jahr waren es zwar "nur" rund 800 – dennoch rechnet die Polizei auch am kommenden Sonnabend mit einer ähnlichen Personenzahl. Im Gegensatz zu Dresden konnten die Revisionisten in der Ottostadt ohne große Einschränkungen marschieren, erfolgreiche Blockaden gab es kaum.

Doch die Gegenwehr wächst. Blockadebündnisse finden immer mehr Zuspruch und professionalisieren sich Jahr für Jahr. Initiativen wie „Magdeburg nazifrei“ oder „blockmd“ üben Sitzblockaden und mobilisieren seit Monaten für den Tag. Letztendlich wird jedoch vieles von der Strategie der Polizei abhängen, die nach eigenen Angaben mit 2.500 Beamten vor Ort sein wird. Im vergangenen Jahr wurde die Strecke der Neonazis erst Samstagmittag bekanntgegeben. Zwar verlief diese durch einen größtenteils menschenleeren und zentrumsfernen Stadtteil – Proteste in Hör- und Sichtweite wurden dennoch unterbunden.

Dies soll sich nicht wiederholen, das „Bündnis gegen Rechts Magdeburg“, dass auch die alljährliche „Meile der Demokratie“ organisiert, hat erstmals nun auch sogenannte Meilensteine (PDF-Datei) eingebracht. An diesen Punkten, die entlang der möglichen Marschroute der Neonazis liegen, wurden Veranstaltungen angemeldet. So erhofft man sich, eine räumliche Nähe zum politischen Feind dennoch herstellen zu können.

Sympathisanten der „Initiative gegen das Vergessen“ drohen derweil Aktivisten der Gegenproteste mit Gewalt. Wie Miteinander e.V. mitteilt, seien in Magdeburg die Scheiben eines Cafés eingeworfen worden, nachdem die Betreiber in ihren Fenstern und auf Facebook ihre Teilnahme am Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch angekündigt hatten.

Unter den Twitter-Hashtags #blockmd und #mdnazifrei wird am Samstag zu dem Geschehnissen vor Ort informiert. ENDSTATION RECHTS. wird wie bereits in den vergangenen Jahren einen Live-Ticker anbieten und aktuell über den Verlauf des „Trauermarsches“ und die geplanten Gegenaktionen berichten. Zudem berichten wir live vor Ort.

Kommentare(2)

Zopfhörer Donnerstag, 16.Januar 2014, 21:09 Uhr:
Viel Erfolg allen Gegendemonstranten, hoffentlich könnt ihr die braunen Hetzer stoppen. Ich bin leider am Samstag nicht in Magdeburg, werde aber den Ticker verfolgen.
 
Roichi Donnerstag, 16.Januar 2014, 22:54 Uhr:
Viel Erfolg dem Bündnis und allen, die hinfahren zur Blockade.
Ich kann leider diesmal nicht.
Seid friedlich laut und bunt. Und seid viele.
 

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