von Oliver Cruzcampo
   

Magdeburg und Dresden – Neonazis wollen erneut „trauern“

In einem Monat wollen Neonazis durch Dresden ziehen – der jährliche „Trauermarsch“ im rechten Demokalender steht an. Doch auch in Magdeburg soll am kommenden Wochenende wieder marschiert werden. Dass es nun nach zweijähriger Abstinenz wieder dazu kommt, könnte auch mit der AfD zusammenhängen.

Neonazis mit Fackeln in der Hand lauschten den Reden am Ende, Foto: Christoph Hedtke

Der rechtsextreme „Trauermarsch“ in Magdeburg schien eigentlich schon Geschichte. Die Zeiten, in denen es über 1.000 Neonazis in die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt zog, sind längst vorbei, die Teilnehmerzahlen über Jahre rückläufig. In den letzten beiden Jahren wurde schließlich komplett auf die Demos verzichtet.

Nun will die rechtsextreme Szene jedoch einen neuen Versuch starten – für den 19. Januar liegt bereits seit Monaten eine Anmeldung vor und die Mobilisierung ist angelaufen. Unter dem Motto „16.000 unvergessen“ planen die Organisatoren laut Anmeldung mit rund 250 Teilnehmern, das entspricht der Zahl des letzten Aufmarsches vor drei Jahren.

Bündnis rechnet mit 800 Neonazis

Die sogenannten Trauermärsche haben massiv an Attraktivität für die Szene eingebüßt, Demonstrationen zum Thema Asyl sicherten nicht nur mehr Teilnehmer, sondern auch eine höhere Anschlussfähigkeit an andere Bevölkerungsgruppen.

Ein weiterer Grund könnte jedoch auch der Wegfall der „Meile der Demokratie“ sein. Das Bündnis war auch eine Reaktion auf die rechten Aufmärsche, Plätze in der Innenstadt sollten besetzt und Neonazis so aus der Innenstadt gedrängt werden. Bis zu 15.000 Menschen schlossen sich den jährlichen Aktionen an. Im vergangenen Jahr zerbrach das Bündnis allerdings an der Teilnahme der AfD, und auch wenn jetzt die Initiative „Eine Stadt für alle“ auf den Plan tritt, könnte der Wegfall der altbewährten Vorgehensweise durchaus Motivation für Rechte gewesen sein, einen neuen Versuch zu riskieren.

Die Gruppierung „Blockmd“ ruft derweil zu Gegenprotesten und Blockaden auf. „Lasst uns den erneuten Versuch der Neonaziszene, Magdeburg als Aufmarschort zu etablieren, gemeinsam verhindern“, heißt es in dem Aufruf. Zudem rechnet das Bündnis mit deutlich mehr Teilnehmern – über 800.

Bislang keine Anmeldung in Dresden

Rund einen Monat später will dann die Neonazi-Szene auch in Dresden „trauern“. Rund um den 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung, ist mit Aktionen aus dem rechten Spektrum zu rechnen. Die Geschehnisse in der sächsischen Landeshauptstadt haben einen ähnlichen Verlauf wie in Magdeburg genommen.

An vergangene Zeiten kann bei weitem nicht angeknüpft werden, dennoch ist wohl auch dieses Jahr wieder mit einem „Trauermarsch“ zu rechnen. Im Gegensatz zu Magdeburg liegt allerdings noch keine Anmeldung vor, Gegenproteste sollen so auch schwerer zu koordinieren sein. Maßgeblicher Strippenzieher ist Maik Müller, seit einiger Zeit Landesvorsitzender der NPD-Jugendtruppe „Junge Nationalisten“ und bereits seit Jahren mit der Organisation der Demo vertraut. 2018 fanden sich rund 500 Neonazis in Dresden ein, mit Thorsten und Heise und Udo Voigt kamen auch die Redner vor allem aus dem Kreis der NPD.

„Kein Zurück für Nazis“ heißt es in einem Aufruf von Dresden nazifrei, das Bündnis schreibt: „Dieses Jahr wollen die Nazis mit ihren Aufmärschen wieder zurück ins Stadtzentrum. Dies wollen wir mit eurer Hilfe verhindern!“. Rund um den 13. Februar lägen laut Stadt bereits 20 Anmeldungen vor.

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