von Oliver Cruzcampo
   

Magdeburg: Neonazi-„Trauermarsch“ am Freitagabend geplant

Nun also doch: Kurz vor Ablauf der Frist haben Neonazis eine Demonstration in Magdeburg für Freitagabend angemeldet. Dabei scheint es sich um den „Trauermarsch“ zu handeln, der sich in den vergangenen Jahren zu einer attraktiven Alternative zu Dresden entwickelt hat. Bis zu 500 Teilnehmer erwarten die Organisatoren, weitere Infos werde die Polizei erst am Donnerstag veröffentlichen.

Vermummte Teilnehmer der Neonazi-Demo 2014

Erst gegen 17 Uhr sickerten die ersten Nachrichten bei Twitter durch. „Neonazis melden Kundgebung in Magdeburg für Freitag an. Das bestätigte die Polizei“, schreibt der MDR. Weitere Infos sind bislang kaum aufzutreiben, die Pressestelle der Polizei ist erst am Donnerstagfrüh wieder besetzt. Die Anmelder sollen mit 300 bis 500 Teilnehmern rechnen, weitere Informationen würden erst nach einem morgen stattfindenden Kooperationsgespräch mit der Polizei publik werden. Doch eine stationäre Kundgebung soll es offenbar nicht sein, wie es scheint, sei eine Demonstration durch die Landeshauptstadt geplant.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch haben bisher Unbekannte etliche Hundert Plakate in Magdeburg aufgehängt und indirekt auf den „Trauermarsch“ hingewiesen. „Magdeburger Gedenken“ oder „Magdeburger Bombennacht“ sei der Slogan gewesen, die Plakate wurden mittlerweile entfernt. Eine bemerkenswerte Aktion, die Einiges an Vorbereitung und Koordinierung bedarf, zumal offenbar weder Polizei noch Zeugen darauf aufmerksam wurden.

Mobilisierung zu Gegenprotesten aufrechterhalten

Lange Zeit war der ehemalige JN-Bundesvorsitzende Andy Knape einer der Hauptorganisatoren des Magdeburger Neonazi-Aufmarsches. Doch mit dem Verlust der sächsischen NPD-Fraktion zog sich auch Knape zurück. Der ehemalige Parteifunktionär gibt sich nun bürgerlich und verbringt nach eigenen Angaben seine Freizeit damit, „fremde Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen.“ Wer die Anmeldung und Organisation des für Freitag geplanten Aufmarsches übernommen hat, ist bislang nicht bekannt.

Da bis zum heutigen Nachmittag keine Anmeldung für eine Demonstration vorlag, waren sich Neonazi-Gegner aus Magdeburg uneins darüber, wie mit dem neuen Zustand umzugehen sei. Bis zuletzt traute man dem Frieden nicht und mobilisierte weiter in die Ottostadt. Über die Landesgrenzen hinaus wurde zur Teilnahme an Gegenaktionen aufgerufen, auch die Meile der Demokratie soll erneut stattfinden – allerdings am Sonnabend.

Zum 70. Mal jähren sich am Freitag die Luftangriffe auf Magdeburg, die Neonazi-Szene nutzt den geschichtsträchtigen Tag seit Jahren für ihre Propaganda und gedenkt einseitig der deutschen Opfer. Da auch durch das Bündnis „Dresden nazifrei“ die dortigen „Trauermärsche“, die bis vor wenigen Jahren noch etliche Tausend Geschichtsrevisionisten mobilisierten, mehrfach blockiert und so zunehmend an Bedeutung verloren haben, kam es in den vergangenen Jahren zu einer Verschiebung hin zu Magdeburg. So kamen dort vor einem Jahr rund 900 Neonazis zusammen, eine Blockade gelang nicht.

In der Landeshauptstadt mobilisieren „Magdeburg nazifrei“ und „blockmd“ zu Gegenprotesten, hier geht es zur „Meile der Demokratie“.

Kommentare(6)

ChB Mittwoch, 14.Januar 2015, 21:32 Uhr:
Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg organisiert nicht nur die "Meile" am Samstag, sondern ruft auch zu Gegenaktivitäten auf. Deshalb bitte auch das Bündnis gegen Rechts verlinken: http:/www.bgr-magdeburg.de
 
Jupp Donnerstag, 15.Januar 2015, 12:21 Uhr:
War das Plakateaufhängen illegal?
 
Alter Magdeburger Samstag, 17.Januar 2015, 13:30 Uhr:
Ich bin ja auch gegen Neonazis, Aber diese Schreie: "Vaterland - Scheiße", "Ehre Scheiße!". Nee, das ist übel. Damit habt ihr Euch selbst bei der größten Menge der Bevölkerung ins aus gesetzt. Ihr seid nur Hass ohne Vernunft. Schade. Wiedermal eine verpasste Chance!
 
Roichi Sonntag, 18.Januar 2015, 18:14 Uhr:
@ Jupp

Offensichtlich. Denn die Stadt hat die Plakate nicht nur entfernt, sondern ermittelt auch, wen sie zu Verantwortung zieht.
 
Jupp Montag, 19.Januar 2015, 12:47 Uhr:
Weiß wer, warum das illegal war? Inhalt oder etwas Organisatorisches?
 
Roichi Montag, 19.Januar 2015, 13:56 Uhr:
@ Jupp

Es ist illegal einfach so Plakate aufzuhängen.
Dazu bedarf es einer Genehmigung.
Siehe auch den Link im Artikel.
 

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