Machtanspruch der Saar-NPD

Ex-NPD-Generalsekretär Peter Marx will Vorsitzender der Partei werden. Wie Frank Franz, der seine Kandidatur bereits vor Wochen kund getan hatte, kommt er aus dem Saarland.

Mittwoch, 01. Oktober 2014
Tomas Sager

Er sei bereits gefragt worden, „ob wir Saarländer was an der Waffel haben, weil es jetzt zwei Kandidaten aus einem Kreisverband gibt“, kommentierte Frank Franz die Bewerbung seines Kontrahenten. Tatsächlich hatte kaum jemand Marx auf dem Schirm, wenn es um die Frage ging, wer die Nachfolge des kommissarischen Vorsitzenden Udo Pastörs antreten würde. Zu schmählich war Anfang April auch Marx’ Abgang aus dem Amt des Generalsekretärs gewesen. Gestolpert war er vor allem im Gefolge der Debatte über eine ehemalige Porno-Darstellerin, die für die NPD aktiv werden wollte. Per Internet waren zudem Fotos verbreitet worden, die Marx bei einer feucht-fröhlichen Geburtstagsparty zeigten, an der jene Porno-Akteurin sowie eine Stripperin teilnahmen und bei der ein Geburtstagskuchen in Penisform kredenzt wurde. (bnr.de berichtete)

Doch Marx (57) hat Stehaufmännchen-Qualitäten in vier Jahrzehnten NPD entwickelt. Anfang der 70er Jahre trat er den Jungen Nationaldemokraten bei, kurz darauf der NPD. Böse Zungen sagen ihm nach, er sei stets dort zu finden gewesen, wo dank der Partei Geld zu verdienen war: zunächst als Geschäftsführer der NPD in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, dann für die Fraktion im Kreistag von Darmstadt-Dieburg, später für die Landtagsfraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Der Vorwurf, es ginge ihm allein um seinen materiellen Vorteil, greift freilich zu kurz. Direkt nach der Wende zählte er 1990 zu den Mitbegründern des NPD-Landesverbandes in Sachsen. Anfang des vorigen Jahrzehnts führte der gebürtige Pfälzer erstmals die Saar-NPD, die unter seiner Regie bei der Landtagswahl 2004 auf 4,0 Prozent der Stimmen kam.

„Die Partei aus der derzeitigen Abwärtsspirale herausbringen“

Gestoppt schien seine Karriere, als er 2008 nicht wieder in den Bundesvorstand zurückkehrte. Fünf Jahre später feierte er bei einem Bundesparteitag – wenn auch mit einem miserablen Ergebnis – sein Comeback in der Führungsspitze der NPD, die ihn gleich zum Generalsekretär machte. Im Jahr darauf war aber schon wieder Schluss – auch mit seinem Job bei der Fraktion in Schwerin. Fraktionschef Udo Pastörs beschied ihn kühl: „Wir haben keine Anschlussverwendung mehr für ihn.“

Doch nun will Marx wieder in der ersten Reihe mitspielen. Vom heimischen Kreisverband Saarbrücken ließ er sich am Sonntag – kurz vor Abgabeschluss der Nominierungen am heutigen Mittwoch – als Kandidat aufstellen. Der Landesvorstand übernahm den Vorschlag – bei einer Enthaltung, wie die NPD berichtete. Den Vorsitz führt auf Kreis- wie auf Landesebene Marx. Der lobte sich erst einmal selbst: „Nicht nur bei der letzten Bundestagswahl hat die Saar-NPD gezeigt, dass wir gegen den Trend Stimmen gewinnen können. Bereits 2004 hatte ich mit einem sozial engagierten Wahlkampf an der Saar 4 Prozent der Stimmen erzielen können. Mit Udo Voigt und Holger Apfel haben wir dann in Sachsen ein fast zweistelliges Ergebnis erzielt. Auf die  jahrzehntelange Wahlkampferfahrung sollte die Partei in Zukunft keinesfalls verzichten.“ Es müsse „eine Lösung gefunden werden, um unsere Partei aus der derzeitigen Abwärtsspirale wieder heraus zu bringen“.

Dass Franz, der ebenfalls den beiden Vorständen im Saarland angehört, dies schaffen könne, glaubt Marx nicht. Franz fand die Nominierung von Marx erwartungsgemäß wenig amüsant. Besonders ärgerlich stieß ihm auf, dass die Saar-NPD ihren Bericht mit einem Foto bebilderte, dass Marx und ihn selbst einträchtig nebeneinander zeigt. „Ich unterstütze die Kandidatur des Landesvorsitzenden selbstverständlich nicht“, beeilte sich Franz zu erklären. Es sei „über die Maßen unredlich, mit diesem Bild einen anderen Eindruck vermitteln zu wollen“.

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