„Lunikoffs-Soldat“

Der Neonazi Philipp Hasselbach ist in der einschlägigen Szene als Redner sehr gefragt und gilt als hoffnungsvolles Nachwuchstalent.

Donnerstag, 08. Januar 2009
Anton Maegerle

Philipp Hasselbach (Jg. 1987) war in letzter Zeit in den Medien präsent, da zwei Aktivisten seiner „Freien Nationalisten München“ (FNM) wegen einer möglichen Beteiligung an dem Anschlag auf den Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl ins Visier der Polizei geraten waren. Der unter anderem wegen Volksverhetzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorbestrafte Hasselbach ist führender Kader der FNM. Hasselbachs politischer Widersacher, der Neonazi Norman Bordin, warf ihm aufgrund seiner TV-Präsenz „mediengeiles Verhalten“ vor, das „für die meisten Aktivisten vor Ort ... Humbug und schädlich“ sei. Bordin: „Immerhin ist Hasselbach dafür verantwortlich, dass die Realnamen des verhafteten Ehepaares nun auch dem letzten ‘Deppen’ bekannt sein könnten.“

Hasselbach (alias „Lunikoffs-Soldat“) trat jüngst auch am 3. Januar bei dem braunen Aufmarsch „gegen Polizeiwillkür und Medienhetze“ in Passau als Redner in Erscheinung. Er ist seit Jahren bundesweit einer der gefragtesten Redner in der Neonazi-Szene. Hasselbachs Ausführungen konnte die Szene allein im Monat November bei Demonstrationen in Landsberg und München, einer Gedenkkundgebung am Grab des einstigen SA-Chefs Ernst Röhm auf dem Münchner Westfriedhof und einem Erzählabend mit dem 86-jährigen Franz Gräßl lauschen. „Gerade erst 16 geworden und damit jüngster – und sehr begabter, vielversprechender – Redner“ lobte der zwischenzeitlich untergetauchte Justizflüchtling und Hardcore-Antisemit Gerd Ittner den am 6. Dezember 2003 aus Essen nach Nürnberg zu einer Neonazi-Demonstration angereisten Hasselbach als Vertreter des „Freien nationalen Widerstands“. Aufmarschiert wurde unter dem sperrigen Motto „Demokratie nützen, heißt Demokratie schützen. Meinungsfreiheit auch für Deutsche! Gegen den Terror der Gutmenschenmafia“. Neben regelmäßigen Auftritten bei Neonazi-Kundgebungen ist Hasselbach auch als Anmelder von Demonstrationen und Inhaber von Domains einschlägiger Homepages aktiv.

Politisch engagiert war Hasselbach in seiner Zeit in Essen als Stützpunktleiter der Neonazi-Sektiererorganisation „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ und der NS-treuen „Kameradschaft Josef Terboven“. Terboven war Teilnehmer des Hitler-Putsches vom November 1923, später Gauleiter in Essen und NS-Reichskommissar von Norwegen. Am Tag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus beging der SA-Obergruppenführer in einem Bunker bei Oslo Selbstmord. Terbovens „vorbildlicher Kampf sollte uns immer vor Augen sein“, schwadronierte Hasselbach. Lautstark postulierte er als Ziel, „unser Heiliges Deutschland und das gesamte weiße Europa“ zu retten. „Wir haben“, so Hasselbach, „als nationale und sozialistische Bewegung die Schnauze voll von der immer weiter zunehmenden Einflussnahme der jüdischen Rasse“.

Nach seinem Zuzug nach München Anfang 2005 engagierte sich Hasselbach zeitweilig bei dem bayerischen Ableger der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). Im Februar 2006 wurde er in den Landesvorstand der bayerischen JN gewählt und agierte dort als Geschäftsführer und Schatzmeister. Einen Parteieintritt in die NPD lehnte der aktionsorientierte Hasselbach ab. Der Ausflug in die Gefilde der JN war nach wenigen Wochen jedoch wieder zu Ende und Hasselbach widmete sich wieder in enger Kooperation mit dem Neonazi Hajo Klettenhofer dem Aufbau der „Autonomen Nationalisten München“ (auch „Munich Allstars“ genannt).

Die „Autonomen Nationalisten München“ waren erstmals im Juni 2005 in Bayern öffentlich aufgetreten und gaben sich im Januar 2008 den Namen „Freie Nationalisten München“ (FNM). Im Mai 2008 wehklagte der FNM-Anführer Hasselbach, dass „63 Jahre nach Einstellung der offiziellen Kampfhandlungen (..) wir immer noch nicht frei“ seien. „Gesinnungsparagraphen“, so Hasselbach, „prägen das bundesdeutsche Strafgesetzbuch und kriminalisieren alle Deutschen, welche nach der Wahrheit suchen und darüber offen reden. Darüber hinaus ist es beschämend, dass das politische Establishment dieses Systems gerade jenen Mächten als Vasall dient, die Deutschland zerstört haben.“ Sowohl Philipp Hasselbach als auch Norman Bordin nahmen im Sommer vergangenen Jahres am Begräbnis des verstorbenen einstigen Rechtsterroristen Friedhelm Busse in Passau teil.

 

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