von Oliver Cruzcampo
   

„Live H8 II“ – Neonazi-Szeneevent fällt aus

Rund 1.000 Rechtsrock-Fans kamen im vergangenen Oktober zu einer vom bayerischen NPD-Funktionär Patrick Schröder organisierten Szene-Veranstaltung. Am heutigen Sonnabend wollte der umtriebige Kader das Erfolgsmodell erneut durchführen – und scheiterte. Ein NPD-„Bayerntag“ darf stattfinden, doch das Konzert am Abend wurde durch ein Gericht untersagt.

Plakate in der kleinen Bayerischen Gemeinde, Fotos: Thomas Witzgall

Mehrere Szenebands waren für den Samstagabend angekündigt. Seit Monaten rührt der NPD-Kader Patrick Schröder die Werbetrommel für sein „Live H8 II“-Konzert in der kleinen mittelfränkischen Gemeinde Scheinfeld. Doch nun wurde die Veranstaltung kurzfristig untersagt. Der Verbotsbescheid sei den Anmeldern erst am heutigen Morgen zugestellt worden. Diese hätten daraufhin beim Verwaltungsgericht Ansbach Widerspruch eingelegt. In den Nachmittagsstunden bestätigte das Gericht allerdings das Verbot. Für eine Stellungnahme ist die zuständige Polizeibehörde derzeit nicht zu erreichen.

Angekündigt waren für Samstagabend die Szenebands „Nahkampf“,  „Sturmwehr“, „Terrorsphära“, „Terrortorium“ und „Words of Anger“. Zudem sei laut a.i.d.a. die Hooligan-Band „Kategorie C“ gesichtet worden, die nun aber ebenfalls nicht auftreten können. 25 Euro mussten Neonazis vorab berappen, um ihre Szeneidole wie bereits im Oktober vergangenen Jahres in einer örtlichen Diskothek bewundern zu dürfen. Die Sicherheitsbehörden hatten damals erst wenige Stunden vor dem Termin den Event öffentlich gemacht und wurden dafür scharf kritisiert. Für die heutige Veranstaltung waren Schröder jedoch umfangreiche Auflagen erlassen worden, so seien nur rund 400 Teilnehmer zugelassen worden. Letztes Jahr ließen die Behörden noch rund 1.000 Rechtsrock-Fans in die Diskothek und ermöglichten so eine der zahlenmäßig größten rechtsextremen Musikveranstaltungen deutschlandweit.


NPD-Mann Patrick Schröder im Gespräch mit der Polizei

Veranstalter Schröder informiert mittlerweile seine Anhänger über den derzeitigen Stand: „Auch wenn wirs nicht fassen können, aber das Gericht hat die Begründung der Stadt Scheinfeld in Teilen übernommen und kann sich in anderen Belangen (Privatfeier / öffentliche Sicherheit) nicht endgültig äußern und man behält damit dieses Verbot aufrecht.“ Ticketinhaber sollten sich gar nicht erst auf den Weg machen: „Wir raten also allen ab sofort von einer Anreise ab.“

Vor dem „Live H8 II“-Konzert hat der Landesverband der NPD zu einem sogenannten Bayerntag mobilisiert, zu dem auch der Landesvorsitzende Karl Richter vor Ort ist. Dazu gesellen sich auch sein Vorgänger Ralf Ollert und Richters Stellvertreter Sascha Roßmüller. Laut Polizeiangaben seien rund 300-400 Neonazis zu der Veranstaltung gekommen, auf der sich die rechtsextreme Partei einen Tag vor der Europawahl mit „Reden, Musik und Spaß sowie kulinarischen Köstlichkeiten aus Bayern“ bewusst bürgernah geben möchte.

Rund 1.000 Gegendemonstranten haben sich ebenfalls in der kleinen Gemeinde eingefunden. Das Bündnis „Scheinfeld ist bunt“, dem ebenfalls der Bürgermeister Claus Seifert (SPD) angehört, protestierte mit den Anhängern gegen die Neonazi-Event und für eine weltoffene Stadt.

Kommentare(2)

Kalle Sonntag, 25.Mai 2014, 00:19 Uhr:
Alter, wie konnte das überhaupt passieren? :-D

Was hat sich der Schröder gedacht? Die würden sein Konzi einfach so statt finden lassen? IN BAYERN?

Herrlich wie naiv dieser Typ ist.

Das dürfte jetzt einen gewaltigen Arschtritt von seinen Szenenkumpels geben, die da sinnlos angereist sind.
 
Ich wieder mal Sonntag, 25.Mai 2014, 15:09 Uhr:
@Kalle: Das Konzert im Oktober mit 1000 Leuten vergessen... Angemeldet und legal durchgeführt. Befass dich mit der Gesetzgebung, bevor man solchen Blödsinn schreibt... Jaja, auch Nazis haben Rechte....
 

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