von Marc Brandstetter
   

Lichtenhagen reloaded – NPD-„Leitfaden zum Umgang mit Asylanten“

Die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen sind bis heute Sinnbild für Menschenfeindlichkeit und Gewalt. Damals befeuerte der heutige NPD-Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski die aufgeheizte Stimmung gegen die Flüchtlinge mit einem „Widerstand gegen die Ausländerflut“-Flyer. Heute, 21 Jahre später und im Lichte von Berlin-Hellersdorf, veröffentlicht derselbe Andrejewski einen „Leitfaden zum Umgang mit Asylanten“.

Wahlkampfzeit! Fast schon rituell versucht die NPD dieser Tage verstärkt mit ihrem „Kernthema“ Asyl zu punkten. In Berlin werden fremdenfeindliche Proteste bevölkert, andernorts touren rechtsextreme Parteigänger unter dem Motto „Asylflut stoppen“ durch die Lande und arbeiten sich an Unterkünften von Asylbewerbern ab. Da passt es ins Bild, dass jüngst ausgerechnet der schon 1992 in Rostock-Lichtenhagen aktive NPD-Abgeordnete Michael Andrejewski einen „Leitfaden zum Umgang mit Asylanten“ vorlegte.

Vor zwei Jahrzehnten war der heutige Abgeordnete Andrejewski noch Hamburger Jura-Student, aber schon seit den achtziger Jahren einschlägig aktiv. Das von ihm damals verantwortete Flugblatt war dementsprechend randvoll mit ausländerfeindlicher Hetze. Unter dem Motto „Rostock bleibt deutsch“ wurde zum allgemeinen „Widerstand gegen die Ausländerflut“ aufgerufen, die Ausländer forderten „unsere Wohnungen, Arbeitsplätze und Steuergelder“, ganze Stadtviertel seien schon besetzt. Rauschgifthandel. Organisierte Kriminalität. „Hoffentlich verstehen sie etwas von Selbstverteidigung“. Dieses Szenario drohe auch der Hansestadt Rostock, wenn nicht entschieden gehandelt werde. Und es wurde.

Geschmackloser könnte die historische Begleitmusik für Andrejewskis neuerliches Pamphlet also nicht sein. Rhetorik und die populistische Verdrehung der Tatsachen gleichen erschreckend dem Vorbild von Lichtenhagen. Eine „regelrechte Asylantenflut“ breche derzeit über Städte und Ortschaften in Mecklenburg-Vorpommern herein. Völlig selbstlos wird den „von der Politik im Stich gelassenen Deutschen beim Umgang mit den Asylanten“ dann auch professionelle NPD-Hilfe angeboten.

Es folgen „Hinweise für alle deutschen Bürger“, wie man am „besten [...] vorgeht, ohne daß man am Ende als Rassist verunglimpft wird und sich selber Ärger einhandelt“ [sic!], so der NPD-Landesverband M-V auf dessen Webseite. Im Gegensatz zum Flyer von 1992 führt Andrejewski im Folgenden konkrete „Tipps“ auf. Beispielsweise zum Verhalten bei Lärmbelästigung. Um zu verhindern, dass nach einer Anzeige wegen Ruhestörung „ganz schnell die Geheimpolizei vor der Tür“ stehe, um mutmaßliche Rassisten und Ausländerfeinde zu bekämpfen, müsse sich die gesamte „deutsche Nachbarschaft“ zusammenschließen. Gleiches gelte bei Gesprächen mit AsylbewerberInnen. Diese dürften nie ohne „deutsche Zeugen“ stattfinden. Ansonsten werde man von „übelwollenden“ Ausländern der rassistischen Beleidigung bezichtigt. „Vor Gericht wird bei solchen Vorwürfen Ausländern eher geglaubt als Deutschen“.

Zu „guter“ Letzt gibt Andrejewski im „Leitfaden“ noch zwei weitere NPD-Ratschläge: keine Bekanntschaften mit und keine Geschenke für Asylbewerber! Diese seien ohnehin bald weg, weil sie großteils entweder abgeschoben würden, oder sich in Großstädte absetzten, um „mehr Geld zu machen“. Außerdem handele es sich bei den Asylsuchenden um die „Oberschicht“ der jeweiligen Herkunftsländer, die lediglich „auf der Jagd nach noch mehr Wohlstand“ sei.

Fast schon verzweifelt greift die NPD nach dem letzten sich bietenden Strohhalm. Längst hat Parteichef Holger Apfel seinen Anti-Euro- und Anti-EU-Kurs, mit dem er eigentlich die Ernte einfahren wollte, über Bord geschmissen. Im Wahlkampf setzt die Partei vielmehr auf dumpfen Ausländerhass und kehrt damit zu ihrem ideologischen Profil der achtziger Jahre zurück. Von dem vermeintlich modernen Image, das der 43-Jährige seiner Truppe Ewiggestriger eigentlich überstülpen wollte, ist rein gar nichts geblieben.

Kommentare(2)

Johannes Mittwoch, 28.August 2013, 14:41 Uhr:
Also... Andrejewski klingt jetzt auch nicht sooo deutsch.
 
systemstoerung Freitag, 30.August 2013, 08:50 Uhr:
das is völlig wurscht solang nen abschluss in deutscher physik,genetik und heimat-/voelkerkunde und einer pseudowissentschaftlichen ausarbeitung zum bevorstehendem volkstod vorliegt.desweiteren muss man sich einfach nur für die abschaffung der (post)demokratie und von menschenrechten einsetzen und jegliches intelligentes denken,mit entgegennahme,des in modischem braun gehaltenen parteibuchs,ablegen :)
 

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