von Mathias Brodkorb
   

"Leute mit einer stalinistischen Ader" - Alan Posener im Gespräch über "Islamophobie" und die "Achse des Guten"

Der Journalist Alan Posener, geboren 1949 in London und derzeit für die "Welt am Sonntag" tätig, flog vor knapp einem Jahr aus dem bekannten Internetblog "Die Achse des Guten". Anlass hierfür war nach Poseners Darstellung seine Kritik an der Islamophobie der Hauptautoren der "Achse" sowie die Verteidigung des Historikers Wolfgang Benz. Wir sprachen mit Posener über Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie - sowie über "Leute mit einer stalinistischen Ader".

ENDSTATION RECHTS.: Herr Posener, Sie sind vor etwa einem Jahr aus dem Blog "Die Achse des Guten" rausgeflogen. Was waren Anlass und Grund für diesen Vorgang?

Alan Posener: Keine Ahnung. Mir hat niemand je einen Grund genannt. Die Betreiber der "Achse", Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner und Michael Miersch, behaupteten, ich hätte sie gegenüber Dritten als „Idioten“ bezeichnet. Aber sie wollten mir weder sagen, wer es war, der das behauptet hat, noch mir die entsprechenden Dokumente zeigen. Denn sie behaupteten, im Besitz entsprechender Mails zu sein, die sie aber niemandem zeigen könnten. Weil sie, wie Kohl seinen Spendern, dem Denunzianten ihr Ehrenwort gegeben hätten. Also, ich halte die Drei nicht für Idioten.

Wohl aber ausweislich ihres Verhaltens mir gegenüber für Leute mit einer stalinistischen Ader. Und da liegt auch der tiefere Grund für meinen Rausschmiss, jenseits anonymer Denunziationen und ominöser Mails: Ich habe es gewagt, auf der „Achse“ die dort herrschende Ideologie der Islamophobie in Frage zu stellen. Das konnten sie nicht haben. Wer die Linie des ZK in Frage stellt, fliegt eben raus.

ENDSTATION RECHTS.: Nun, das ist zumindest putzig, weil man sich kaum vorstellen kann, dass - im Fall der Fälle - "Idiot" im Sprachschatz Broders überhaupt als Beleidigung gilt, aber sei's drum: Was genau haben Sie denn damals gegen die Islamophobie gesagt und was die anderen dafür?

Alan Posener: So weit ich weiß, haben Maxeiner und Miersch keine Explizite Haltung zur Islamophobie und dem ganzen damit zusammenhängenden Komplex. Ihr Spezialgebiet ist mehr die Kritik an ihren eigenen früheren Positionen zu Umweltfragen. Da kennen sie sich aus. Broders Position zur Islamophobie ist bekannt. Er gehört ja zu den hervorragenden Islamophoben in Deutschland. Zuweilen jedenfalls. Gleichzeitig leugnet er, dass es so etwas wie Islamophobie gibt. Allenfalls gebe es verständliche Abwehrreflexe gegen eine "religiös verbrämte Unterwerfungsideologie" namens Islam. Ich hingegen sehe in einer solchen Formulierung, die dem Islam den Charakter einer Religion abspricht, bereits Parallelen zum Antisemitismus und zu anderen Verschwörungstheorien.

ENDSTATION RECHTS.: Wenn Sie Broder - zuweilen - für islamophob halten und bei ihm Parallelen zwischen Islamophobie und Antisemitismus sehen, rückt er - strukturell betrachtet - bei Ihnen selbst in die Nähe von so etwas wie einem Antisemiten? Falls ja: Kein Wunder, dass Ihnen Ihr Freund Broder da die Freundschaft kündigt. Können Sie Ihren Gedanken vielleicht noch etwas ausführen? Was genau ist es, das Islamophobie in die Nähe des Antisemitismus bringt? Allein die Tatsache, dass man einer Religion eben diesen Status abspricht, wird es ja nicht sein. Broder selbst rechtfertigt seinen Standpunkt damit, dass die Islamophobie oder die Islamkritik eine "reale Basis" habe - im Unterschied zum Antisemitismus.

Alan Posener: Genau gegen eine solche furchtbare Logik habe ich mich bei der "Achse" und deren Sympathisanten und Kettenhunden gewehrt: Weil Broder sich islamophob äußert, sei er selber "so etwas wie ein Antisemit". Quatsch. Es kann sich einer antisemitisch äußern, sich antisemitischer Klischees bedienen, oder sozusagen gedankenloses Opfer dieser Klischees werden, ohne selbst Antisemit zu sein. Die Unterscheidung zwischen Äußerungen und Grundhaltungen ist hier entscheidend wichtig. So gibt es auf der Linken eine Art, Israel zu kritisieren, die eindeutig antisemitisch ist, die aber von Leuten vorgetragen wird, die jederzeit einem Juden zur Hilfe kommen würden, der in der S-Bahn von Nazis oder Muslimen angegriffen würde. Man sollte von der katholischen Kirche lernen und die Sünde hassen, aber den Sünder lieben. Die Ideologie bekämpfen, nicht die Menschen. So, und nun zum zweiten Teil Ihrer Frage: Die strukturelle Ähnlichkeit zwischen Islamophobie - nicht "Islamkritik": die ist dringend nötig - und Antisemitismus besteht in der Unterstellung einer weltweiten Unterwerfungsstrategie. Nun sagen die Islamophoben, das sei keine Unterstellung, schließlich hätten Leute wie Osama bin Laden uns den Krieg erklärt, schließlich rüste der Iran atomar auf, um zuerst Israel zu vernichten, dann die anderen Feinde des Propheten zu unterwerfen, schließlich werde der Salafismus überall in der Welt mit saudischem Ölgeld finanziert. Und das stimmt ja auch alles. Nur scheint es mir unzulässig, von den radikalsten Elementen des Islam auf die große Masse zu schließen.

Das erinnert mich an die schlimmsten Zeiten des Kalten Krieges, als jeder, der nicht virulenter Antikommunist war, verdächtigt wurde, ein Kryptokommunist zu sein. Die Hysterie des McCarthyismus, die übrigens keineswegs eine rein amerikanische Erscheinung war, sondern in der Bundesrepublik sozusagen strukturell angelegt war, bis hinein in die Zeit der Berufsverbote, von denen ich selbst betroffen war, beruhte ja auch auf einer realen Grundlage. Es gab eine globale sowjetische Unterwerfungsstrategie. Trotzdem waren die hysterische Reaktion und die Verteufelung jeder linken Position unangemessen. Übrigens war damals die reale Bedrohung durch den sowjetischen Imperialismus viel größer als die heutige Gefahr des Islamismus.

ENDSTATION RECHTS.: Der Punkt ist doch nun genau der, dass die "Achsenmächte" der Auffassung sind, dass die Unterstellung einer "Unterwerfungsstrategie" beim Antisemitismus eine Halluzination, bei der Islamophobie aber mit Sprengstoff zu greifen ist.

Alan Posener: Was die Halluzinationen der Antisemiten angeht, so kann man bei Martin "die Juden könnte man auch als Tätervolk bezeichnen" Hohmann, bis 2005 Mitglied des Bundestags, nachlesen, dass für den Antisemiten die jüdische Gefahr nicht minder evident ist als für den Islamophoben die muslimische. In seinem Buch "Hitlers Judenhass" hat mein Kollege Ralf-Georg Reuth mit großem Einfühlungsvermögen die Entstehung eines virulenten Antisemitismus im München der unmittelbaren Nachkriegsjahre geschildert. Angesichts der Gewaltexzesse der "von Kreml-Juden geführten" Räterepublik einerseits, der Demütigung und Ausplünderung Deutschlands durch die "von Wall-Street-Juden beherrschten" Westmächte andererseits schien in den Kreisen, die Hitler hervorbrachten, der Antisemitismus keiner Erklärung zu bedürfen. Auch viele Juden meinten, es gäbe "ein jüdisches Problem", nicht zuletzt Theodor Herzl.

Demgegenüber hat Broder immer - zu Recht - gesagt, das Problem sind nicht die Juden oder Israel, das Problem sind die Antisemiten. Ähnliches gilt in Bezug auf die Muslimen. Was nicht heißt, dass der muslimische Terrorismus kein Problem sei. Den Kampf gegen ihn wird man jedoch nicht gewinnen, wenn man alle Muslime als potenzielle Feinde betrachtet, ebenso wenig wie der Kalte Krieg zu gewinnen war, wenn man jeden Oppositionellen und Sozialisten zum Kommunisten stempelte.

ENDSTATION RECHTS.: Aber genau dann stellt sich doch die Frage, was es mit dieser "Islamophobie" eigentlich auf sich hat, weshalb dem auch intelligente Menschen verfallen? Derzeit verbünden sich eher rechts stehende Juden mit Antideutschen, um gemeinsam auf "den" Islam einzudreschen. Woran liegt's?

Alan Posener: Ich will nicht über Motivationen spekulieren. Ich will auch nicht Vokabeln wie rechts und links in dem Zusammenhang verwenden. Ist es "links", wenn man gemeinsam mit Fatah- und Hamas-Anhängern gegen Israel demonstriert? Ist es "rechts", wenn man im Geist der Aufklärung gegen islamische Dunkelmänner, Ehrenmorde, Frauenverhüllung, Bildungsfeindlichkeit, Intoleranz usw. auftritt? Für viele Leute, nicht nur Juden, ist die Israelfeindlichkeit eines großen Teils der deutschen Öffentlichkeit, ist das Fehlen einer deutschen Israel-Lobby Grund zur Verzweiflung. Möglicherweise glauben einige, wenn die Deutschen begriffen, mit wem es Israel zu tun hat, würde das Verständnis für den jüdischen Staat wachsen. Ich persönlich halte den Kampf gegen die Islamophobie auch nur dann für gerechtfertigt, wenn er verbunden wird mit einer klaren Solidarität mit Israel. Das heißt nicht Kritiklosigkeit. Aber für viele Leute ist die Kritik wichtiger als die Solidarität. Die Solidarität ist die Floskel, die der Kritik vorangeht, wie in der Wendung, "Ich bin kein Antisemit, aber..." Also: "Ich bin nicht gegen Israel, aber..." Und dann kommen all die Vorurteile. Also, das könnte eine für mich nachvollziehbare Motivation sein.

So wie mir ein Funktionär der israelischen Lobby-Organisation AIPAC sagte, als ich ihn fragte, warum der durchgeknallte christliche Fundamentalist John Hagee bei deren Kongress in Washington auftreten durfte: Besser, so jemand ist für uns als gegen uns. Ich halte das für eine Milchmädchenrechnung, aber ich kann sie nachrechnen.

ENDSTATION RECHTS.: Aber haben Sie nicht selbst vor nicht allzu langer Zeit über eben jene Motivationen spekuliert: "Es geht um die Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus... Die einen, wie ich, verstehen den Antisemitismus als Matrix für Ausländerhass, Homosexuellenphobie, Misogynie und alle Rassismen oder Diffamierungen von Minderheiten, weshalb natürlich auch die Muster verglichen werden dürfen. Die anderen behaupten dagegen, der Antisemitismus sei ein Sonderfall der Geschichte und würde durch Vergleiche mit anderen Formen der Ausgrenzung relativiert."? Könnte das also das verbindende Moment sein? Der Kampf um den "Antisemitismus als Sonderfall der Geschichte", um eine wie auch immer geartete Singularität? Immerhin könnte das die - ich bleibe dabei - kuriose Phalanx von "rechten" Juden und "linken" Antideutschen erklären.

Alan Posener: Das, was ich geschrieben habe, beschreibt zumindest einen Aspekt der Auseinandersetzung richtig. Aber ich beschreibe die Funktion einer Ideologie, nicht die Motivation einzelner Menschen. Wir kommen immer wieder auf diese Frage zurück, weil Sie den Unterschied offenbar nicht begreifen. Die Linke hat übrigens ihre eigenen Erfahrungen mit Fragen der Singularität. Im Historikerstreit war es die traditionelle Linke um Habermas, die nicht einsehen wollte, dass die Verbrechen Hitlers und Stalins nicht nur vergleichbar, sondern sich ähnlich waren. Heute gilt das als Gemeinplatz. Da muss unsereiner wiederum, der im Historikerstreit die Ähnlichkeit postulierte, darauf hinweisen, dass es für einen Juden nicht egal war, ob er sich im Einflussbereich Hitlers oder Stalins befand. Man lebt ja in der seltsamen Situation, einem Menschheitsverbrecher ewigen Dank zu schulden. Die angebliche Singularität des Nationalsozialismus erlaubte es der Linken damals, ihr zwiespältiges Verhältnis zum Kommunismus als weniger problematisch darzustellen als das zwiespältige Verhältnis mancher konservativer Wortführer zum Nationalsozialismus. Das war die Funktion, nicht unbedingt die Motivation im Einzelfall. Die so genannten "Antideutschen" vertreten heute Positionen, die damals im Historikerstreit von fast der gesamten Linken vertreten wurden. Als Marxisten finden sie den liberalen Kapitalismus, den sie eigentlich ablehnen, allemal sympathischer als den angeblich im Islam verkörperten Feudalismus. Dass diese Position sie auf die Seite von offenen Reaktionären und Rassisten treibt, gehört zu den üblichen Ironien der Geschichte. Ich sehe übrigens keine "Phalanx von rechten Juden und linken Antideutschen", wie Sie das formulieren. Ich sehe einzelne jüdische Stimmen - Broder, Giordano - in einem anschwellenden Bocksgesang, der zum überwältigenden Teil arisch ist. Die meisten Juden erkennen die Melodie und halten sich fern.

ENDSTATION RECHTS.: Nur keine Missverständnisse: Ich hatte bei der Formulierung "Phalanx von rechten Juden und linken Antideutschen" Einzelne vor Augen, keine Kollektive - nirgendwo war von "alle" oder "die" die Rede. Was das andere Problem angeht: Wer von der Motivation nicht sprechen will, sollte von der Funktion schweigen. Immerhin sind Ideologien keine eigenständigen Lebewesen, sondern werden von Menschen erzeugt, die Absichten hegen. Freilich wäre es falsch, stets von den Wirkungen einer Ideologie (oder Äußerung) linear auf die Motivation ihrer Träger zu schließen, da haben Sie ja völlig Recht. Aber wenn Sie die Verbindung zwischen der Funktion, die eine Ideologie haben kann, und der Motivation ihrer Träger und Demiurgen völlig auflösen, verliert der Begriff der "Funktion" tendenziell jeden Sinn. Denn man muss doch fragen: Funktion - für wen? Weil Sie selbst Reuth angesprochen haben: Was wäre der Nationalsozialismus ohne Hitlers Absichten? Insofern ist es schon manchmal ganz sinnvoll und zwingend, nach der Motivation von Menschen Ausschau zu halten. Ein anderer Erklärungsansatz - als der der Begriffsstutzigkeit - für unsere unterschiedlichen Sichtweisen könnte daher vielleicht auch die paradigmatische Differenz zwischen dem Intentionalismus und dem Funktionalismus sein. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Wenn die "Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus" und die Frage der "Singularität" zumindest "einen Aspekt der Auseinandersetzung" trifft, verwundert mich Eines: Sie haben vor wenigen Wochen zur "Verteidigung der politischen Korrektheit" aufgerufen. Sie meinen damit die Verteidigung des "Anstands", jeden Menschen als Individuum in seinen Rechten ernst zu nehmen und ihm daher den nötigen Respekt nicht zu verweigern. So weit, so gut. Aber sie verlieren in Ihrem Beitrag nur wenige Worte zu dem Teil der politischen Korrektheit, mit dem in unserer Gesellschaft die freie Rede tendenziell außer Kraft gesetzt wird - und damit meine ich gewiss nicht die Beleidigungen von Herrn Sarrazin. Eher wäre da schon der von Ihnen angesprochene Historikerstreit zu nennen: Während Nolte seinerzeit einen "kausalen Nexus" zwischen dem Gulag und Auschwitz behauptete, moralisierte Habermas die Debatte und warf Nolte vor, die Singularität von Auschwitz in Frage gestellt zu haben, obwohl doch gerade Nolte ein Singularitätstheoretiker par excellence ist. An die Stelle des rationalen Arguments trat - in der Tat von links - eine durchsichtige moralische Keule. In gewissem Sinn könnte man sagen, dass auch Sie durch Ihren Rausschmiss bei der "Achse des Guten" selbst eine unangenehme Bekanntschaft mit der politischen Korrektheit gemacht haben - nicht mit der anständigen, sondern der regressiven. Und hat nicht genau diese regressive Form der politischen Korrektheit in beunruhigendem Maße vom wissenschaftlichen wie öffentlichen Diskurs Besitz ergriffen?

Alan Posener: Puh. Also, zu Intentionalität und Funktionalität: In seinem Buch "Breaking the Spell" vergleicht der Philosoph Daniel Dennett Ideologien - speziell Religionen - mit Parasiten, die ihre Wirte manipulieren. Das - und andere Aspekte der "Meme"-Theorie - weiter auszubreiten, würde hier zu weit führen. Jedenfalls schließt ein solcher Blick Intentionalität ja nicht aus. Was die politische Korrektheit angeht, so setzt sie die freie Rede mitnichten tendenziell außer Kraft. Sie ist Voraussetzung dafür, dass überhaupt frei diskutiert werden kann. Nämlich indem nicht ad hominem argumentiert wird, indem keine Gruppenurteile gefällt werden, indem Maß und Manieren gewahrt werden. Die freie Gesellschaft ist nicht gehalten, Rassismus, Homophobie, Islamophobie und dergleichen - kurz: Intoleranz - im Namen der Toleranz zu dulden. Das wusste schon Karl Popper, das ist nicht neu. Ich mache jetzt nicht ein neues Fass in Sachen politische Korrektheit auf. Aber das Gerede über die angebliche Einschränkung der freien Rede durch die Ächtung der Intoleranz finde ich gefährlich und dumm. Bei der Achse, das habe ich doch gesagt, wurde ich nicht Opfer der politischen Korrektheit sondern der Intoleranz. Das ist etwas völlig Anderes.

ENDSTATION RECHTS.: Und Nolte, der war auch Opfer der Intoleranz und nicht einer regressiven Form der politischen Korrektheit?

Alan Posener: Ich bitte Sie, Nolte ist doch kein Opfer!

ENDSTATION RECHTS.: Herr Posener, herzlichen Dank für das Gespräch. Und grüßen Sie uns die Meme!

 

Kommentare(7)

Krähling Montag, 15.Februar 2010, 08:16 Uhr:
Sehr geehrter Herr Brodkorb, ich wüsste gern den Namen wenigsten eines intelligenten Menschen, der der Islamophobie verfallen ist – und, wie denn diese Islamophobie bei diesem Menschen diagnostiziert wurde.

So schlicht kann die Welt der kritischen Vernunft sein: „… das Problem sind nicht die Juden oder Israel, das Problem sind die Antisemiten.“ Das kann nun auch jeder Sonderschüler verstehen.
 
Don Geraldo Montag, 15.Februar 2010, 11:43 Uhr:
Wenn ich mir die Ausführungen des Herrn Posener so zu Gemüte führe beschleicht mich der Verdacht, daß Broder mit seiner Bezeichnung "Idiot" gar nicht mal so falsch liegt.
Posener ist einer der typischen Schreiberlinge, die von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung haben.
 
Alan Posener Montag, 15.Februar 2010, 13:17 Uhr:
@ Don Geraldo: Na, das ist doch endlich mal eine konstruktive, geistreiche Kritik!
@ Krähling: Geert Wilders. Diagnose erstellt, nachdem der eine "Kopftuch-Steuer" gefordert und den Koran ein "faschistisches Buch" genannt hat.
 
Birgit Montag, 15.Februar 2010, 18:49 Uhr:
Wenn ich mir die Kommentare hier so ansehe, dann beschleicht mich zuweilen auch der Eindruck, dass dieser oder jener "von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung" hat. Übrigens, wer lesen kann ist klar im Vorteil, vor allem dann wenn er obendrein den Inhalt noch versteht. Nicht Herr Broder hat Herrn Posener einen "Idiot" genannt, sondern Herr Posener wurde von der Seite des Herrn Broder verbannt, weil er angeblich eben diese Bezeichnung für Herrn Broder gebraucht haben soll. Alles klar?
 
Krähling Dienstag, 16.Februar 2010, 09:54 Uhr:
@ Posener
Ich bin Naturwissenschaftler und schätze sachbezogene kritische Vernunft; mir fehlt der Zugang zu pejorativer Polemik.
 
Schneeleopard Dienstag, 16.Februar 2010, 15:34 Uhr:
Normalerweise kennt man es vor allem von Sekten, dass Einschätzungen von Nicht-Sektenmitgliedern als bösartige Tatsachenverdrehungen gelten, vor denen die Sektenmitglieder geschützt werden müssen.

Inwiefern Islamophobie weit über "die geringste Kritik am muslimischen Verhalten" hinausgeht, ist in den vergangenen Jahren zigfach erklärt worden. Aber das kann man natürlich nicht mitbekommen, wenn man nur immer brav die "Achse des Guten" liest, um sich vor den "Tatsachenverdrehungen" in "fast allen" (!) anderen Medien zu schützen. (Das "fast" bedeutet wohl: Auch auf Politically Incorrect und in der Deutschen Nationalzeitung werden "Tatsachen" noch als "Tatsachen" kenntlich gemacht, aber der Rest schreibt "bizarres" Zeug, über das Szabo laut lachen muss, wenn er es liest.)
 
nassauskiesungsbeschluss Mittwoch, 17.Februar 2010, 06:30 Uhr:
Es ist schon bemerkenswert, dass Alan Posener in diesem Artikel behauptet, es gehe ihm darum, "Ideologien" zu bekämpfen, nicht aber "die Menschen" dahinter. Als Thilo Sarrazin jüngst durch wohlbekannte Äußerungen den Zorn Poseners auf sich zog, war nämlich das Einzige, was man von Posener hören konnte, die pauschal vorgetragene Anschuldigung, Sarrazin sei ein übler "Rassist". Wohlgemerkt hieß es damals nicht nur, Sarrazins Äußerungen seien "rassistisch" gewesen und darum zu missbilligen. Nein, Sarrazin war vielmehr selbst und für alle Zeiten als widerwärtiger "Rassist" gebrandmarkt und sollte somit nach dem Willen Poseners auch sachlich als diskreditiert gelten! Mit den sachlichen Grundlagen von Sarrazins Kritik wollte Posener sich infolgedessen jedenfalls nicht näher auseinandersetzen.

Zugegeben kann man sich an der Wortwahl Sarrazins durchaus stören, wie man alle seine in diesem Interview geäußerten Ansichten missbilligen kann. Dieses Recht, anderer Meinung zu sein und öffentlich zu widersprechen, gibt es in einer pluralistischen Gesellschaft nämlich. Wer aber das Gegenüber bloß durch Moralismus zu diskreditieren sucht, der setzt sich notwendigerweise dem Verdacht aus, selbst ein Ideologe zu sein, dem die Argumente fehlen könnten.

Als ebenso verfehlt habe ich Poseners Versuch betrachtet, die "politische Korrektheit" mit "Anstand" gleichzusetzen, sie also in den Rang eines Allgemeingutes zu erheben, das zu verteidigen ist, freilich wohl auch nur jene "politische Korrektheit", wie Posener sie sich vorstellt. Dahinter stand wohl eher das Bemühen, die Deutungshoheit nicht zu verlieren. Es handelte sich somit lediglich um eine, bewusst oder unbewusst, unter dem Deckmantel der "Moral" geführte Attacke auf die Meinungsfreiheit. Es hilft aber nichts, Meinungen zu unterdrücken. Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen, um ihnen qualifiziert widersprechen zu können.

Dass es vielfach leider auch Hetzer und Fremdenfeinde sind, die sich vorgeblicher "Islamkritik" als Vehikel bedienen, um ihre Hetze und Fremdenfeindlichkeit scheinbar zu legitimieren, stimmt zwar. Ebenso richtig ist, dass diese Bestrebungen gefährlich sind und sich, zumindest teilweise, in einen verhängnisvollen historischen Kontext einfügen (Stichwort: Antisemitismus). Eines jedoch verkennt nicht nur Posener hierbei grundlegend: Wer glaubt, bestehende Ressentiments durch (mindestens moralische) Inkriminierung beseitigen zu können, der macht alles nur noch viel schlimmer! Wer überdies glaubt, die ideologischen Tendenzen des "Islam" gänzlich verleugnen und alle, die sie gleichwohl sehen, ohne weiteres in die Nähe von "Rassisten" rücken zu können, der macht eben dadurch jede ernstzunehmende Islamkritik zunichte und hilft letztlich nur dabei, die bestehenden Ressentiments zu kultivieren. Diese Unterdrückung einer notwendigen Debatte könnte in der Tat irgendwann eine Hexenjagd zur Folge haben, die keiner von uns wollen kann.

Leider jedoch haben nicht selten diejenigen, die den "herrschaftsfreien Diskurs" als ihre Herzensangelegenheit propagierten, ihn selbst am stärksten zu unterdrücken versucht, jedenfalls dann, wenn sie nicht geneigt waren, die Argumente der anderen Seite auch nur anzuhören. Die Frage muss jedoch gestattet sein, warum in diesem Fall richtig sein soll, was sonst nie richtig ist: nämlich sich im Zweifel krampfhaft die Ohren zuzuhalten und "Rassist, Rassist" zu brüllen.

Solche Methoden würden dieselben Leute sonst nämlich durchaus zu Recht als Totschlagrhetorik geißeln.
 

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