von Konrad D. Fromm
   

Landtagswahl M-V: AfD-Fraktionschef lässt CDU-Spitze den Vortritt

Will sich die Nordost-AfD an die CDU anbiedern? Der AfD-Fraktionsvorsitzende Nikolaus Kramer will nicht in seinem Heimat-Wahlkreis gegen CDU-Landeschef Michael Sack antreten, da sie sich sonst angeblich „gegenseitig pulverisieren“ würden.

Geht dem CDU-Kandidaten aus dem Weg: Fraktionschef Nikolaus Kramer

In Mecklenburg-Vorpommern sorgt nun die Aufstellung der AfD-Direktkandidaten für neuen Gesprächsstoff. Wie die SVZ in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, gebe es hinter den Kulissen der AfD mächtig Aufregung darüber, dass AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer nicht in seinem Heimatwahlkreis in Greifswald antritt, sondern im Wahlkreis 35 (Ueckermünde/Torgelow), knapp 70 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Damit verzichtet er auf die direkte Kandidatur gegen den CDU-Landesvorsitzenden Michael Sack, der in Greifswald für den Landtag kandidiert.

Kramer selbst betont gegenüber der SVZ, ihm ginge es lediglich darum, SPD-Schwergewicht Patrick Dahlemann das Direktmandat im Wahlkreis 35 streitig zu machen. Die Vorwürfe aus den Reihen der AfD lauteten aber, so berichtet die SVZ, dass es hinter den Kulissen Absprachen mit der CDU gäbe, um die Chancen des CDU-Kandidaten Sack auf den Gewinn des Direktmandats zu erhöhen.

Sich „gegenseitig pulverisieren“?

Kramer verneint gegenüber der SVZ solche Absprachen, gibt aber zu, dass die Überlegung, durch den Verzicht auf die Kandidatur die Wahlchancen von CDU-Kandidat Sack zu erhöhen, eine Rolle gespielt habe. Ansonsten würden sich „zwei bekannte Politiker aus dem konservativen Lager gegenseitig pulverisieren.“ Ziel sei es, das Direktmandat von Energieminister Christian Pegel (SPD) zu verhindern. Dies senke die Wahrscheinlichkeit einer rot-rot-grünen Landesregierung nach der Wahl.

CDU-Kandidat Michael Sack verwies auf Nachfrage der SVZ zu möglichen Absprachen lediglich auf den Beschluss der Bundespartei. Eine wie auch immer geartete Kooperation soll es nicht geben: „Es gibt einen Beschluss der Bundes-CDU und an den halte ich mich“, wird er von der Zeitung zitiert.  

Nicht die einzige skurrile Aufstellung von Direktkandidaten im tief zerstrittenen Landesverband der AfD. So kandidieren die beiden Schweriner Stadtvertreter und Landtagsabgeordneten Dirk Lerche und Bert Obereiner, die als Gegner von Landeschef Holm gelten, im Landkreis Vorpommern-Rügen. Der dortige Kreisverband der AfD zählt als Flügel-nah. Ihren für letztes Wochenende in Neubrandenburg geplanten Landesparteitag, auf dem die Weichen für die Landtagswahl 2021 gestellt werden sollten, musste die AfD Corona-bedingt absagen.

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