Kurzer Prozess: Neonazi Wulff vor NPD-Rausschmiss?

Das Hauen und Stechen in der NPD geht unvermindert weiter. Nach Informationen des Blogs „publikative“ soll der Hamburger NPD-Vize Thomas Wulff aus der Partei ausgeschlossen werden. Der bekannte Neonazi gilt als hartnäckiger Kritiker von Parteichef Holger Apfel.

Dienstag, 22. Oktober 2013
Redaktion
Thomas Wulff (Foto: Oliver Cruzcampo)
Thomas Wulff (Foto: Oliver Cruzcampo)
Kaum hatte NPD-Chef Holger Apfel gestern die neusten Durchhalteparolen verbreitet, kracht es schon wieder im Gebälk seiner Partei. In seiner ganz eigenen Sicht hatte er auf dem Parteiblog „DS Aktuell“ die Zukunft der angeschlagenen NPD in allen Brauntönen gezeichnet, sogar von einem „gesamtdeutschen Anspruch“ war die Rede. Selbst die neue Drei-Prozent-Hürde bei den Europawahlen im nächsten Jahr, gegen die die NPD und weitere kleine Parteien vor dem Bundesverfassungsgericht klagen, sei nicht „unüberwindbar“. Mit einem „Paukenschlag am 25. Mai“ werde die NPD, so der 42-jährige sächsische Fraktionschef weiter, „Synergieeffekte“ freisetzen, um sodann in die Landtage von Brandenburg, Thüringen und Sachsen einzuziehen. Vor dem Superwahljahr sei die Partei „entschlossen und geschlossen“. Eine mutige Bilanz des bislang meist glücklosen NPD-Chefs. Denn die Wirklichkeit hält ein anderes Bild bereit. In der Parteispitze ist ein Machtkampf um die Spitzenkandidatur zur Europawahl entbrannt, in dem sich die „Clique Pastörs-Marx-Apfel“ (so Karl Richter) und der bayerische Landesvorsitzende Karl Richter gegenüberstehen. Der jedenfalls fühlt sich in die Enge gedrängt und nach eigenen Angaben „gemobbt“. Auch die Parteibasis ist mit Apfels Kurs der „seriösen Radikalität“ unzufrieden, obwohl der dreifache Familienvater diesen längst still und heimlich zu den Akten gelegt hat. Während einige Radikale der NPD den Rücken gekehrt haben, gründen andere Aktivisten gleich eine neue Partei. Gestern nun sickerte durch, dass Apfel einen seiner schärfsten Kritiker loswerden will und die „Säuberung“ der NPD mit Nachdruck vorantreibt. Wie der Blog „publikative“ berichtet, habe der Vorstand ein Ausschlussverfahren gegen den Vize-Chef der Hamburger NPD, Thomas Wulff, eingeleitet. Der bekannte Neonazi, der im Vorfeld der sächsischen Landtagswahlen 2004 in die NPD eingetreten war, galt lange als Sinnbild des Schulterschlusses zwischen NPD und den radikalen Kameradschaften. Mit Kritik hatte der einstige Weggefährte des verstorbenen Neonazi-Führers Michael Kühnen nicht gespart, weder an Apfel noch an dessen Vorgänger Udo Voigt. Mit Voigt hatte sich Wulff, der sich in Anlehnung an einen SS-Gerneral gerne „Steiner“ nennen lässt, bald überworfen, was ihn seine Position als persönlicher Referent des Vorsitzenden kostete. Zuletzt hatte er in einem scharfen Brandbrief mit Apfel abgerechnet. Die Karten von Wulff stehen auf den ersten Blick nicht gut. Bei der Bundestagswahl vor einem Monat schnitt die von Wulff als Listenführer angeführte Hamburger NPD mit 0,6 Prozent Zustimmung am schlechtesten ab. Doch in seinem Verband hat sich der 50-Jährige prächtig eingeigelt. Mit Torben Klebe steht dort ohnehin ein Mann am Ruder, der kaum als Apfel-Freund gelten dürfte. Damit ist die nächste Runde in den NPD-internen Auseinandersetzungen eröffnet. Auf die Reaktion von „Steiner“ darf man gespannt sein.
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