von Oliver Cruzcampo
   

Kurz vor „Bürgerwehr“-Patrouille: NPD-Mann hortete Schlagstöcke und Elektroschocker

Langsam wird es eng für den NPD-Politiker Nils Matischent. Während ein Gerichtsprozess gegen den Güstrower demnächst fortgesetzt wird, werden bereits die nächsten Vorwürfe laut. So soll Matischent mit unversteuerten Zigaretten gehandelt haben – eine Hausdurchsuchung folgte. Dabei fanden die Ermittler auch Teleskopschlagstöcke und Elektroschocker. Nur drei Tage später zogen der NPD-Mann und die „Bürgerwehr“ erstmals durch die Stadt.

Nils Matischent und die Polizei - zwei alte Bekannte

Offenbar fiel Nils Matischent der Zollfahndung bereits vor Wochen auf, am 31. März soll es dann laut Schweriner Volkszeitung zu einer Hausdurchsuchung bei dem NPD-Mitglied gekommen sein. Dabei sei es um den Verdacht des illegalen Handels mit unversteuerten Zigaretten gegangen. Ob die Zollbeamten fündig wurden, ist nicht bekannt. Auch eine Pressemitteilung der Polizei zu dem Vorfall gibt es bis dato nicht.

Jedoch konnten die Fahnder weitere Gegenstände ausfindig machen, die den 25-Jährigen noch in Bedrängnis bringen könnten. So seien im Zuge der Hausdurchsuchung auch mehrere umgebaute Elektroschocker und Teleskopschlagstöcke gefunden und sichergestellt worden.

Für welchen Zweck Matischent diese Geräte hortete – und zudem in großer Anzahl – kann nach derzeitigem Stand nur gemutmaßt werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Güstrow jedoch eine „Bürgerwehr“ gegründet und mobilisierte für eine drei Tage nach der Hausdurchsuchung stattfindende Patrouille, um die „Bevölkerung vor kriminellen Aktivitäten und Gefahren“ zu schützen. Matischent ist seit Längerem einer der Protagonisten der rechtsextremen Szene vor Ort und nahm auch an der „Bürgerwehr“ teil.


Die „Bürgerwehr“ kündigt einen „Kampf“ an, Foto: Screenshot Facebook

Der Berufskraftfahrer hat für die NPD das einzige Mandat in der Stadtvertretung inne, bis vor wenigen Wochen war Matischent zudem im Kreistag vertreten, zog sich dann aber ohne Angabe von Gründen zurück. Immer wieder ist der umtriebige Rechtsextremist mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. So überfielen er und weitere Gesinnungsgenossen 2009 einen Jugendclub; Matischent wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Es folgte eine Geldstrafe wegen Beleidigung gegenüber der Chefin einer Flüchtlingsunterkunft. Vergangenen Oktober wurde Matischent wegen der Beteiligung an Diebstahlshandlungen zu einer weiteren Bewährungsstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Für den NPD-Landesverband scheint die Personalie kein Problem darzustellen. So wird Matischent, der während des Wahlkampfes den Slogan „Stimme der Vernunft“ (sic!) nutzte, in einem aktuellen Artikel zum fürsorglichen Politiker stilisiert. Kinder und Jugendliche hätten sich „hilfesuchend“ an den vorbestraften Neonazi gewandt, da Spielplätze und Fußballfelder in dem Ort in einem schlechten Zustand seien. Vorausgesetzt, der Vorfall hätte sich so zugetragen – ob gerade der bis vor wenigen Tagen noch Schlagstöcke hortende NPD-Mann dafür der richtige Ansprechpartner ist, darf bezweifelt werden.

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