von Martin Hagen
   

Kulturbüro Sachsen: Völkische Landnahme in Sachsen

Immer mehr völkische Siedler ziehen nach Sachsen. Das Kulturbüro Sachsen hat eine Broschüre zum Zuzug der rechtsextremen Aktivisten in den Freistaat veröffentlicht. Behörden und Lokalpolitik würden das Problem demnach am liebsten ignorieren. Was kann man also gegen die antidemokratischen Unterwanderungsversuche tun?

Dankwart und Bente S. sind keine unbeschriebenen Blätter. Das völkische Paar war in der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ aktiv. Sie vertreiben über mehrere Verlage Bücher faschistischer Theoretiker, Altnazis und Geschichtsrevisionisten. Und: Sie haben sich wie einige Gleichgesinnte gezielt in Sachsen niedergelassen.

Die beiden gehören zu jenen völkischen Siedlern, die jüngst in den Osten der Republik zogen. Vor den neuen, rechtsextremen Nachbarn in der Provinz warnt das Kulturbüro Sachsen im am Dienstag veröffentlichten „Monitorium“. Viele ehemalige HDJ-Kader, NPD-Aktivisten oder langjährige Neonazis habe es seit 2016 nach Sachsen gezogen. Der zivilgesellschaftliche Verein zeigt sich alarmiert: Vor allem im Umkreis der Kleinstadt Leisnig, auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden, bilden die zugezogenen Rechten mittlerweile ein enges Netzwerk.

Warum die ostdeutsche Provinz?

Ländliche Regionen in Ostdeutschland seien aus vielen Gründen attraktiv für den Zuzug von Rechtsaußen, so die Autoren der Broschüre. In der Provinz können sich die Völkischen abkapseln und ohne störende, sogenannte „entartete“ Einflüsse den eigenen rassistischen Idealen nacheifern. Ihre Kinder können sie weit weg von Diversität und Multikulturalismus zur „nationalsozialistischen Elite“ erziehen und untereinander eigene wirtschaftliche Netzwerke knüpfen.  

Die Neuankömmlinge seien aber keineswegs isoliert: Sie halten ihre Ideologie zunächst oft im Hintergrund, suchen nach Akzeptanz in den Gemeinden. Mit Bio-Landbau und Brauchtumspflege wollen sie Anschluss gewinnen. In den strukturschwachen Regionen im Osten, denen viele junge Menschen in den letzten Jahrzehnten den Rücken kehrten, sind die Familien gern gesehen. Zudem müssen die völkischen Siedler abseits der Städte kaum mit zivilgesellschaftlichem Widerstand rechnen. So soll das Gemeinwesen nach und nach unterwandert werden.  

Wenn diese Strategie aufgeht, hätten zumeist auch Behörden und Politiker in den Kommunen ihren Anteil daran. Das Kulturbüro Sachsen kritisiert, dass lokale Entscheidungsträger die Ansiedlung von rechtsextremen Familien oft ignorieren würden. Statt mit konsequentem Handeln reagiere die Politik vor Ort zu oft mit einer Mauer des Schweigens – zu groß sei die Angst vor einem Imageschaden. Den völkischen Siedlern lasse man so viel Freiraum für ihre Aktivitäten.

Was also tun? Mehr Informationen zu den Aktivitäten und dem Umgang mit der völkische Szene in Sachsen kann man im „Monitorium“ nachlesen. Die Broschüre lässt sich auf der Website des Kulturbüro Sachsen als PDF-Datei herunterladen

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