Krude Thesen zur Reichspogromnacht

Anhänger diverser „Reichsbürger“-Gruppierungen marschierten mit antisemitischen Parolen am 9. November in Berlins Innenstadt auf.

Dienstag, 12. November 2019
Theo Schneider

Am vergangenen Samstag, dem 81. Jahrestag der Reichspogromnacht, versammelten sich rund 130 Anhänger verschiedener rechter Splittergruppen aus dem „Reichsbürger“-Milieu im Berliner Lustgarten. Aufgerufen hatten Gruppierungen wie „staatenlos.info“, „Gelbe Westen Berlin“ oder „Die Deutschlandfrage“, deren Logo aus den Farben schwarz-weiß-rot besteht. Einige Teilnehmer nannten sich „Bismarcks Erben“. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Heimat und Weltfrieden“ und zog Richtung Brandenburger Tor.

Ähnliche Zusammenkünfte dieser Gruppen gab es in den letzten Monaten immer wieder, allerdings meist ohne größere Beachtung. Das war am vergangenen Samstag angesichts des historischen Datums anders, mehrere hundert Menschen protestierten auf dem Bebelplatz und direkt am Rande gegen die rechte Versammlung und ihre antisemitischen Parolen.

Antisemitismus und Forderungen nach Monarchie

So sprach „staatenlos“-Chef Rüdiger Hoffmann bezüglich der Reichspogromnacht 1938 vom „Auftragnehmer Adolf Hitler“. Wen er als Auftraggeber dahinter sieht, ließ er offen, aber auf der Internetseite von „staatenlos“ wird zu dem Thema auf eine Homepage verwiesen, die die Pogromnacht als eine „zionistisch / bolschewistische“ Verschwörung bezeichnet. Hoffmann resümierte seine Aussage Samstag nur lapidar mit: „Tja, schlimm.“ Der Verschwörungsideologe Frank Radon aus Leipzig behauptete in seiner Rede: „Wir werden von pädophilen Satanisten regiert, von Freimaurern, von Jesuiten, von khasarischen Zionisten“. 

Hartmut Issmer aus Erlensee in Hessen, der als Betreiber einer Homepage der „Volksbewegung Patrioten für Deutschland“ auftritt, wetterte gegen „schwarz-rot-grüne Volksverräter“ und „Lügenpresse“, rief zum „Widerstand“ auf. Der ehemalige NPD-Funktionär Hoffmann, Anfang der 1990er Jahre nach einem Angriff auf eine Asylunterkunft inhaftiert gewesen, forderte, „wir wollen das Heimatreich“, in Form einer „konstitutionellen Monarchie“ zurück.

Unter den Teilnehmern waren bekannte Gesichter dieses Milieus zu finden, darunter „Reichsbürger“ Mario Heinz Romanowski und Holocaust-Leugner Reza Begi (bnr.de berichtete) sowie der ehemalige „Bärgida“- und „Identitären“-Aktivist Dietmar G. 

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