Kritik am „Amokkurs“

Schwelm – Thorsten Crämer, Kreistagsmitglied im Ennepe-Ruhr-Kreis und bis vor kurzem Mitglied des nordrhein-westfälischen NPD-Landesvorstands, hat nach eigenen Angaben die Partei verlassen.

Dienstag, 15. Mai 2012
Tomas Sager

Dem Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises hatte Crämer nach Informationen des „blick nach rechts“ vor etwa zwei Wochen mitgeteilt, dass er sein Mandat nicht länger im Namen der NPD wahrnehme.

Crämer begründete gegenüber bnr.de seinen Austritt vor allem mit den Kontakten, die der NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer ins Lager bestimmter „parteifreier“ Neonazis unterhalte. Er kritisierte insbesondere, dass der Chef der NRW-NPD Mitte März an einer Solidaritätsdemonstration Dortmunder Neonazis für das „Aktionsbüro Mittelrhein“ teilgenommen habe.

Landeschef mit „NS-Verrückten“ verbandelt

Nach einer Razzia wird gegen Mitglieder des „Aktionsbüros“ unter anderem wegen der Bildung beziehungsweise der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Zu den Beschuldigten zählt der Pulheimer Neonazi Axel Reitz, einer der „Intimfeinde“ Crämers. Auch dass NPD-Landeschef Cremer gemeinsam mit dem Anführer der „Kameradschaft Aachener Land“, Rene Laube, bei einer Veranstaltung in Mettmann auftrat, lastet Crämer dem Landeschef an. Der Landesvorsitzende sei mit „NS-Verrückten“ verbandelt und fahre einen „Amokkurs“.

Glaubt man den Angaben des ausgetretenen Ex-NPD-Funktionärs, haben seit November, dem Beginn der Diskussion über den NSU-Terror, in seinem ehemaligen NPD-Kreisverband Ennepe-Ruhr/Wuppertal vier Fünftel der Mitglieder die Partei verlassen, darunter auch zwei der drei bisherigen NPD-Stadtratsmitglieder im Ennepe-Ruhr-Kreis. Der Kreisverband zählte im vorigen Jahr rund 60 Mitglieder. Jetzt seien es nur noch „weniger als 15“.

In den letzten Jahren stellte sich Crämer im NPD-internen Strategiestreit stets hinter den jetzigen Parteichef Holger Apfel und gegen dessen Vorgänger Udo Voigt. Vor mehr als zehn Jahren hatte Crämer Schlagzeilen gemacht, weil er im Sommer 2000 an einem Überfall auf die Teilnehmer einer Veranstaltung am Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers Kemna in Wuppertal führend beteiligt war. Von Neonazis rund um Axel Reitz war Crämer bis in die jüngste Vergangenheit vorgehalten worden, bei den folgenden Vernehmungen zu auskunftsfreudig gewesen zu sein und mit dem Staatsschutz zusammengearbeitet zu haben.

 

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