Kriminelles Neonazi-Portal: Thiazi-Mammutprozess beginnt

Vor dem Landgericht Rostock müssen sich ab Ende November vier Personen wegen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem „Thiazi“-Forum verantworten.

Screenshot des ehemaligen Neonazi-Portals

Mit freundlicher Genehmigung des „blick nach rechts“ übernommen.

Am 28. November beginnt in Rostock der Prozess gegen vier Angeklagte, denen im Zusammenhang mit dem neonazistischen „Thiazi“-Forum die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Vor dem Landgericht Rostock müssen sich in über 30 Verhandlungstagen der 1981 geborene Erzieher, Klaus R. aus Barth, als Hauptmoderator „WPMP3“, die ein Jahr jüngere Technikerin des Forums, Daniela W. aus Untereisesheim sowie zwei Betreuer aus dem Musikbereich, darunter Dominik S. aus Karlsruhe, verantworten.

Bis zu seiner Zerschlagung im 2012 hatten sich fünf Jahre lang mehr als 30 000 Benutzer auf dem bedeutendsten Neonazi-Portal getummelt. Den Ermittlungsbehörden zufolge wurden mindestens über drei Jahre hinweg in einem erheblichen Umfang Schriften und Tonträger mit strafrechtlich relevanten Inhalten öffentlich verbreitet. Immer wieder gingen von den mit Tarnnamen versehenen Usern auch Gewaltandrohungen aus.

Im Juni 2014 führten Beamte in zwölf Bundesländern im Auftrag der Staatsanwaltschaft Rostock zudem Hausdurchsuchungen gegen 35 Beschuldigte durch. Sie standen im Verdacht, als Sponsoren und Geldgeber das kriminelle Forum unterstützt zu haben. Den Ermittlern war es gelungen deren Identitäten offen zu legen, vorausgegangen waren Abhör- und Überwachungsmaßnahmen. Gegen einige der zahlreichen weiteren „Thiazi“-Moderatoren sollen bereits  Ermittlungsverfahren eingeleitet und eingestellt worden sein.

„Heil Euch! Alles für Deutschland“

Die vier jetzt Angeklagten gelten als Hauptbeschuldigte. Klaus R. war nie als Neonazi aufgefallen. Sieben Jahre lang arbeitete er in einem Hort im Landkreis Vorpommern-Rügen, inzwischen ist er suspendiert. Privat führte der dunkelhaarige junge Mann ein Doppelleben. Am PC begrüßte er seine Anhänger mit „Heil Euch! Alles für Deutschland“ und drohte Abtrünnigen schon mal mit einer „Sonderbehandlung“. Als er sich im Jahr 2009 mit anderen „Thiazi“-Moderatoren  zu einer Geburtstagsparty traf, war die Polizei bereits unbemerkt dabei. Daniela W., eine unauffällige Hausfrau aus Baden-Württemberg, kümmerte sich als „Fjörgyn“ um Server und verwaltete die Spenderdaten. Dominik S. benannte sich 2010 von „Dom“ in „Heinfred“ um.

Recherchen von antifaschistischer Seite erhöhten den Druck auf die Ermittlungsbehörden. Die Autonome Antifa Freiburg hatte bereits 2010 eine zehnfache Mutter und Anti-Antifa-Aktivistin aus Mannheim als anonyme Moderatorin bei „Thiazi“ enttarnt.

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