Kriminelle braune Gang

Das Oberlandesgericht Linz hat die Schuldsprüche für das Führungsduo einer Neonazi-Rocker-Schutztruppe, die ein vormaliger Rotlichtboss angeheuert hatte, bestätigt. Im Umfeld der oberösterreichischen Neonazis tummelten sich auch deutsche Gleichgesinnte.

Montag, 01. Dezember 2014
Anton Maegerle

Der 30-jährige Jürgen Windhofer muss sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Der mehrfach vorbestrafte Neonazi führte einst den „Kampfverband Oberdonau“ an. Auf Facebook zeigte sich der knasterfahrene Windhofer aus Ebensee (Bezirk Gmunden) mit dem Button „Freiheit für Wolle“ – gemeint ist damit Ralf Wohlleben, der sich als mutmaßlicher NSU-Unterstützer in München vor Gericht verantworten muss. Der 33-jährige Manuel Spindler wurde vom Oberlandesgericht (OLG) Linz zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Das OLG gab mit seinen Schuldsprüchen damit der Berufung der Staatsanwaltschaft Wels nicht statt. Diese hatte höhere Strafen für Windhofer und Spindler gefordert.

Die Anklage warf ihnen unter anderem das Vergehen der kriminellen Vereinigung, versuchte und vollendete Brandstiftungen in Bordellen vor. Im Auftrag eines Ex-Rotlichtbosses hatten die Neonazi-Rocker Anschläge bei der Konkurrenz verübt oder andere dazu angestiftet. Windhofer richtete dabei laut Gericht rund 2,5 Millionen Euro Schaden an, Spindler etwa 350 000 Euro.

In Waffenhandel und Schutzgelderpressung verstrickt

Die beiden Neonazis sind bereits als mutmaßliche Köpfe der rechtsextremen Organisation „Objekt 21“ nach dem NS-Verbotsgesetz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Neonazi-Rocker-Bande „Objekt 21. Freizeit und Kulturverein“ mit Sitz im oberösterreichischen Desselbrunn (Bezirk Vöcklabruck) wurde im März 2010 im Umfeld von „Blood&Honour“-Strukturen ins Leben gerufen. Die 2011 behördlich offiziell aufgelöste Vereinigung (bnr.de berichtete), die bis 2013 im Untergrund existierte, war unter anderem in den Waffenhandel und Schutzgelderpressung verstrickt. Zugerechnet wurden ihr etwa 200 Personen. Bei Hausdurchsuchungen wurden zehn Kilogramm Sprengstoff und illegale Schusswaffen samt Munition sichergestellt.

Zu den von „Objekt 21“ veranstalteten Konzerten reisten auch Neonazis aus Bayern und Thüringen an. Musik machte vor Ort unter anderem der aus Hessen stammende Neonazi Philip Tschentscher alias „Reichstrunkenbold“. Der Ziehsohn des im Juli verstorbenen früheren Rechtsterroristen Manfred Roeder wurde am 16. Januar dieses Jahres vom niederösterreichischen Landgericht Korneuburg als erster Deutscher wegen Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz rechtskräftig zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. In Österreich hatte Tschentscher „rasch einen Vertrauensstatus weit über die einschlägige Szene hinaus“ erreicht, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht der Alpenrepublik.

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