Kriminelle braune Bande
Die Staatsanwaltschaft im oberösterreichischen Wels bearbeitet derzeit 35 Anklagen gegen Mitglieder eines Netzwerks rund um die im Januar zerschlagene Neonazi-Rocker-Bande „Objekt 21“. Einer der in Untersuchungshaft sitzenden Neonazis stammt aus Thüringen.
Am 6. November 2012 wurde der Neonazi Andreas P. in Gotha verhaftet. Er war einer Polizeistreife aufgefallen. Bei der Überprüfung seiner Personalien stellten die Beamten fest, dass der aus dem thüringischen Ohrdruf stammende P. mit europäischem Haftbefehl gesucht wurde. Gefahndet nach P. hatte die Staatsanwaltschaft Wels in Oberösterreich. Der Inhaftierte ist des schweren Raubs, Einbruchsdiebstählen, Körperverletzung, Brandstiftung, gefährlicher Drohung und Erpressung tatverdächtig. Die Taten soll er zwischen Oktober 2011 und Sommer 2012 in Wien und Oberösterreich begangen haben.
Mehrfach stand der Name P.s in den Jahren 2005 bis 2009 in der Rubrik „Briefkontakte“ der „Nachrichten“ der im September 2011 verbotenen Neonazi-Knasttruppe „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangenen und deren Angehörige“ (HNG). 2008 fand sich P. auch auf einer Liste von „inhaftierten Kameraden“ in der antisemitischen Hetzschrift „Phoenix“ des notorischen österreichischen Holocaust-Leugners Walter Ochensberger. P. und Kameraden, so war dort zu lesen, seien „ausschließlich wegen Meinungs- und Verteidigungsdelikten in Kerker-Haft“.
Sprengstoff und Schusswaffen sichergestellt
Die Neonazi-Rocker-Bande „Objekt 21. Freizeit und Kulturverein“ mit Sitz in Desselbrunn (Bezirk Vöcklabruck) wurde im Umfeld von „Blood&Honour“-Strukturen ins Leben gerufen und im März 2010 als offizieller Kulturverein eingetragen. Benannt hatte sich die Gang nach der Hausnummer des Bauernhofs, den sie als Treffpunkt nutzte. Der zwischenzeitlich verbotenen Vereinigung, die unter anderem in Waffenhandel, Schutzgelderpressung und das Rotlicht-Milieu verstrickt sein soll, werden rund 200 Personen zugerechnet. Die Verdächtigen sollen einen Schaden von 3,5 Millionen Euro verursacht haben und für mindestens zwei Brandanschläge auf Bordelle verantwortlich sein.
Bei Hausdurchsuchungen wurden zehn Kilogramm Sprengstoff und illegale Schusswaffen samt Munition sichergestellt. Gegen mehrere Gang-Mitglieder wird wegen Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz ermittelt. „Objekt 21“ veranstaltete ebenso einschlägige rechtsextreme Konzerte. Zu diesen Events reisten auch Neonazis aus Bayern und Thüringen an.
Offiziell an der Spitze von „Objekt 21“ stand Manuel Spindler, Stellvertreter war Alexander Mittermair. Die Funktion des Schriftführers hatte Bernd Hacker, die des Kassiers Dieter Bruckmüller inne. Einer der tatsächlich führenden Köpfe war zeitweilig Jürgen Windhofer, Rädelsführer der mittlerweile aufgelösten Neonazi-Truppe „Kampfverband Oberdonau“. Auf Facebook zeigte sich Windhofer mit dem Button „Freiheit für Wolle“, womit der mutmaßliche Unterstützer der Terror-Bande Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) Ralf Wohlleben gemeint ist.