von Tim Mönch, Tim Schulz
   

Konspiratives Sport- und Familienfest in der Oberlausitz

In Ostsachsen fanden am vergangenen Samstag gleich zwei rechtsextreme Veranstaltungen statt. Am Vormittag fand ein rechtsextremes “Sport- und Familienfest” statt und der Abend sollte mit einem Rechtsrock-Konzert ausklingen. Damit entwickelt sich die Region weiter zu einem Hotspot für rechtsextreme Veranstaltungen.

Besucher des Neonazi-Konzerts wurden bei der Anreise einer polizeilichen Kontrolle unterzogen, Foto: Tim Mönch

Im Weißenberger Ortsteil Nostitz versammelten sich am Samstagabend etwa 70 bis 80 Neonazis zu einem klandestin organisierten Rechtsrock-Konzert. Obwohl die Veranstaltung seit einiger Zeit in sozialen Netzwerken beworben wurde, trafen die Organisatoren nur auf mäßigen Andrang fast ausschließlich aus der regionalen Szene. Das Gros der Teilnehmer war dem unorganisierten Neonazi-Milieu zuzurechnen - einem anscheinend wenig elitären Personenkreis. So scherzte einer der sichtlich alkoholisierten Gäste mit Polizeibeamten in der Kontrolle am Ortseingang über sein Vorstrafenregister.

Mit den „Überzeugungstäter Vogtland“, „Old Firm“ und „Burning Hate“ traten drei Bands des südbrandenburgischen Labels OPOS-Records auf, das nicht nur als Plattenvertrieb fungiert, sondern auch rechtsextreme Kleidung im Netz verkauft. Zusätzlich wartete man auch mit dem Liedermacher F.I.E.L. auf, hinter dessen Kürzel sich der Szenespruch „Fremd im eigenen Land“ verbirgt.

Neonazi-Konzert als Familienfeier getarnt

Als Veranstaltungsort wurde der Festsaal “Zum Herrenhaus” genutzt. Der alte Gutshof gilt nicht als einschlägige Szene-Immobilie. Laut Anwohnern tagt dort zumeist der lokale Heimatverein, rechtsextreme Aktivitäten seien im Ort nicht sonderlich bekannt. Auch beim Betreiber der Gaststätte sorgte die Nachricht über seine rechtsextremen Klienten für Überraschung. Im Gespräch mit ENDSTATION RECHTS. gab er an, beim Vertragsschluss nichts vom politischen Hintergrund der Veranstaltung gewusst zu haben. Die Räumlichkeiten seien für eine Geburtstagsfeier angemietet worden, von einem Neonazi-Konzert sei keine Rede gewesen. Wenig überraschend: Rechtsextreme Veranstaltungen werden oft konspirativ geplant und als harmlose Privatfeiern getarnt, um Medien und Sicherheitsbehörden im Dunkeln zu lassen.

Die Gaststätte "Zum Herrenhaus" in Nostitz, Foto: Jörg Blobelt CC BY-SA 4.0

Am Samstagabend fruchtete diese Strategie zunächst. Einsatzkräfte der Polizeidirektion Görlitz befanden sich in einem Nachbarort beim vermeintlichen Veranstaltungsort des rechtsextremen Konzerts. Erst nachdem Hinweise bei den Beamten eingingen, führten sie Kontrollen an den Ortseingängen durch.

Bereits am Vormittag des gleichen Tages fand ebenfalls in der Region das dritte „Ostsächsische Familien- und Sportfest“ statt. Laut Polizeiangaben hatten etwa 60-80 Personen, darunter auch Familien mit Kleinkindern, an der Veranstaltung teilgenommen. Die erste Auflage der Veranstaltung vor zwei Jahren hatte im "Niederschlesischen Feriendorf" in Niesky stattgefunden. Damals fanden neben den sportlichen Wettkämpfen auch Schießübungen für Kinder mit Luftgewehren statt. Letztes Jahr fand das Sportfest auf dem Gelände des "Hotel Neißeblick" in Ostritz statt - der Ort hatte kurz darauf traurige Berühmtheit durch das Neonazi-Festival von NPD-Vize Thorsten Heise erlangt.

Ostsachsen – eine rechte Schwerpunktregion

Dass das Konzert gerade in Nostitz stattfand, ist derweil kein Zufall. Der Osten des Freistaates gilt als Rückzugsraum für rechtsextreme Akteure. Mit der Stadt Bautzen befindet sich eine rechte Hochburg und damit auch viel regionales Publikum in der Nähe. Außerdem bietet sich das wenig bewohnte Hinterland, ähnlich wie in Mittelsachsen, für konspirative Konzerte und andere Zusammenkünfte an.

Mit dem "Niederschlesischen Feriendorf" und dem "Hotel Neißeblick" sind zudem zwei weitläufige Lokalitäten, die sich für größere Events geradezu anbieten, in der Hand der Szene. Wie relevant dabei das Hotelgelände in Ostritz für rechtsextreme Veranstaltungen ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen: Bereits am 13. Oktober findet dort das Neonazi-Kampfsportevent “Kampf der Nibelungen” statt und für den 2. und 3. November ist die zweite Auflage des “Schild und Schwert"-Festivals angekündigt.

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