Kongress: „Alternatives Wissen“ in der zweiten Auflage

Im westfälischen Iserlohn soll im kommenden Frühjahr der „2. Alternative Wissenskongress“ steigen – ein Event insbesondere für verschwörungstheoretisch veranlagte Naturen aus dem näheren und weiteren Umfeld der AfD. 

Mittwoch, 23. September 2015
Rainer Roeser
Ausrichter ist der „Verein zur Förderung des politischen Dialogs“. Er war gegründet worden, nachdem die Planung für den ersten „Alternativen Wissenskongress“, der in diesem Frühjahr in Witten stattfand, in der Partei auf Kritik gestoßen war: Als Veranstalter hatten ursprünglich die fünf Bezirksverbände der nordrhein-westfälischen AfD auftreten wollen. Doch nach der parteiinternen Schelte übernahm der neue Verein die weitere Vorbereitung. In ihm spielten vier regionale AfD-Funktionäre eine führende Rolle: die Chefs der Bezirksverbände Köln und Ostwestfalen, Ingo Schumacher und Udo Hemmelgarn, sowie die stellvertretenden Sprecher der AfD-Bezirke Düsseldorf und Südwestfalen, Nic Vogel und Sebastian Schulze. (bnr.de berichtete
 
Mindestens zwei der vier sind auch diesmal wieder mit von der Partie: Hemmelgarn zeichnet weiter für die Internetseite zum Kongress verantwortlich. Und für den Vorverkauf sorgt offenbar erneut Nic Vogel, der im Frühjahr zudem die Moderation der Wittener Veranstaltung übernommen hatte.
 
Am 28. Februar 2016 soll die zweite Auflage des Kongresses im Iserlohner Parktheater folgen. Nach Angaben der Organisatoren bietet das Theater Platz für über 800 Gäste. Referieren sollen Eva Herman, Michael Vogt, Ernst Wolff und Daniele Ganser. Damit ist die Riege der Vortragenden nicht ganz so illuster wie im März, als Jürgen Elsässer, Karl Albrecht Schachtschneider, Eberhard Hamer und Andreas Popp in Witten auftraten. (bnr.de berichtete
 

Eva Herman: „Kriegsgebiet Deutschland“

 
Daniele Ganser soll sich in Iserlohn mit dem Thema „Nato – Friedensbündnis oder Angriffspakt?“ beschäftigen. Er sei „der einzige Universitätsdozent im deutschsprachigen Raum, der zu den Vorfällen am 11. Sept. 2011 forscht“, loben die Kongress-Organisatoren den Schweizer Historiker. „Die Zeit“ schrieb über ihn, er bewege sich „auf dem schmalen Grat, der einen Verschwörungstheoretiker von einem kritischen, aber mit Evidenz arbeitenden Historiker trennt“. Ernst Wolff geht es in seinem Vortrag um das Thema „IWF – Helfer oder Räuber?“ Wolff ist Autor des Buches „Weltmacht IWF. Chronik eines Raubzugs“, dem das „Portal für Politikwissenschaft“ einen „latent verschwörungstheoretischen Duktus“ attestierte. Michael Vogt, Referent zur Frage „Einwanderung – Zufall oder Geostrategie?“, tummelt sich seit jungen Jahren weit rechtsaußen. Schlagzeilen machte er vor elf Jahren durch seinen „Dokumentar“-Film „Geheimakte Heß“, der weithin als geschichtsrevisionistisch aufgefasst wurde. Vor drei Jahren veröffentlichte er in den „Burschenschaftlichen Blättern“ einen Text mit dem Titel „Weg in die Freiheit – Deutschlands Aufbruch 2012“, in dem er sich für eine „revolutionäre Neuordnung“ Deutschlands und die „Abschaffung des Parteienstaates“ zur „Herstellung wirklicher Volksherrschaft“ aussprach. Die Organisatoren des Kongresses ließen sich davon nicht abschrecken. Sie erwarten sich von Vogt „unfassbare Erkenntnisse“. 
 
Über „Gender – Gleichstellung oder Umerziehung?“ soll Eva Herman referieren. Im August veröffentlichte das verschwörungstheoretisch orientierte Internetportal „Wissensmanufaktur“ einen „Kommentar“ der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin unter dem Titel „Flüchtlings-Chaos: Ein merkwürdiger Plan“, der Einblicke in Hermans „alternatives Denken“ erlaubt. Deutschland erscheint ihr dort als ein „zum Kriegsgebiet erklärtes Land“, das „von unzähligen Asylsuchenden, Stück für Stück, eingenommen wird“. Zu erleben sei „eine subversive, perfide Kriegsstrategie, die auch schon das alte Rom einst vernichtete“. Herman: „Unsere abendländische Heimat wird in einer Art übermotorisiertem Zeitraffer in ein Schlachtfeld verwandelt.“ Europa werde, so Herman, „geflutet mit Afrikanern und Orientalen. Unsere alte Kraft, unsere christliche Kultur, Glaube und Tradition, werden zerstört, die Identität der einzelnen Völker aufgeweicht und, Schritt für Schritt, abgeschafft“. Die „fremdländischen Menschen, die vor kurzem, wie auf Knopfdruck organisiert, plötzlich massenhaft hierzulande einzubrechen begannen“, würden sich „zunehmend zur Waffe gegen die einheimische Bevölkerung“ entwickeln.
Kategorien
Tags