„Komplett patriotische Partei“

Politaktivisten aus dem Umfeld der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) wollen am morgigen Samstag eine neue Formation gründen. Der Drahtzieher stammt aus dem Neonazi-Spektrum.

Freitag, 27. Juli 2012
Anton Maegerle

In der Schweiz soll es neben der Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) künftig eine weitere extrem rechte Partei  geben. Am morgigen Samstag will sich die „Direktdemokratische Partei Schweiz“ (DPS) konstituieren.  Angekündigt war die Veranstaltung für den 28 Juli im Hotel & Restaurant „Sonne“ in St. Gallen, stattfinden soll sie jetzt ohne Öffentlichkeit an unbekanntem Ort.

Als Gründer tritt der 28-jährige Ignaz Bearth aus Uzwil in Erscheinung. Bearth war einst Mitglied der PNOS  und gehörte bis vor Kurzem der Schweizerischen Volkspartei an. Über Jahre hinweg trat Bearth laut Recherchen von Berner Nazigegnern als Produzent von Neonazi-Filmen in Erscheinung. Szene-Veranstaltungen in Ungarn oder Italien wurden von ihm unter dem Pseudonym „Division Schweiz“ filmisch festgehalten. Sein Filme verstand Bearth als „nationale Gegenmacht zu lügenden Medien“.

„Härtere Schiene gegen Asyltouristen“

Bearth hielt auch Kontakte zu Gleichgesinnten in der Bundesrepublik. So referierte er im Mai 2007  beim „Europatag“ der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) Bayern & Franken. Anreden in seinen damaligen Mails pflegte Bearth mit „Heil Dir“ zu beginnen.

Bearth beschreibt die DPS als „eine komplett neue patriotische Partei“, die sich „rechts von der SVP positionieren“ wird. Zielgruppe seien „Hardliner, Patrioten.“ Vorbild der DPS-Initiatoren sind angeblich die österreichischen Freiheitlichen. Neben der FPÖ strebt Gründer Bearth für seine neue Partei auch die Zusammenarbeit mit der Lega Nord und dem Front National an.

Auf seiner Homepage bezieht Bearth Stellung zum Thema „Asylpolitik“. Kurzerhand fordert er die „Vorbereitung der Asylanten auf ihre Rückkehr.“ Gegen die „Massen an Asyltouristen & kriminellen Asylanten“ müsse, so Bearth „ganz klar eine härtere Schiene“ gefahren werden. Musikalisch untermalt wird die Homepage von Bearth unter anderem mit Musik-Sequenzen der Neonazi-Band „Act of Violence“ aus dem baden-württembergischen Ulm.

„Der Islamisierung Europas entgegentreten“

Als Vizepräsidenten der DPS sollen Djordje Vasiljevic (19) aus Schänis und Diana Rüsch (54) aus Widnau kandidieren. Beide gehören derzeit noch der SVP als Mitglied an. Bearth und Rüsch waren Mitglieder der Facebook-Gruppe „Gesunder Patriotismus hat nichts mit rechtsradikal zu tun“. Die Gruppe verbreitete ein Manifest des deutschen Islam-Hassers Karl-Michael Merkle alias Michael Mannheimer. In dem Manifest werden die rechtsterroristischen  Morde des Norwegers Anders Breivik als „Terror eines einzelnen Christen gegen die Besetzung seines Landes durch den Islam“ quasi legitimiert.

Neben seinen Aktivitäten für die neue Rechtspartei DPS findet Bearth noch Zeit für den im Frühjahr gegründeten „Freundeskreis Schweiz-Österreich“ (FSÖ).  Der von „Aktivisten“ aus Schweiz und der FPÖ ins Leben gerufene „Freundeskreis“ soll „der Völkerverständigung, der Kooperation unserer patriotischen Parteien, der Stärkung unserer Bewegung & dem solidarischen Grundgedanken“ dienen.

Politisch wollen die „Freundeskreisler“ um ihren Führungskopf Bearth „der Islamisierung Europas“ entgegentreten. Daneben soll der „Freundeskreis“ als „Fundament dienen, um europaweit die nationalen Strukturen zu stärken, informieren & koordinieren.“  Vom 17. bis 19. August soll erstmals ein Treffen des „Freundeskreises“ in Niederösterreich durchgeführt werden.

 

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