von Thomas Müller
   

Kommunalwahl in Sachsen-Anhalt: NPD schickt letztes Aufgebot ins Rennen

Knapp zwei Wochen noch bis zur Kommunalwahl in Sachsen-Anhalt. Grund genug, den NPD-Landesverband mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Im zweiten Teil der Serie „Quo vadis NPD Sachsen-Anhalt?“ geht es um das Personal der Partei im Land zwischen Harz und Elbe.

NPD-Wahlplakat (Foto: Thomas Müller)

Verjüngungskur seit der Jahrtausendwende

Bei den Kommunalwahlen 2014 tritt die NPD mit insgesamt 174 Kandidaten an. Die Gesamtzahl der Kandidaten ist deutlich geringer als bei den letzten Wahlen. Hochburgen der Partei befinden sich, wie gehabt, im Süden des Bundeslandes. Der Burgenlandkreis weist das stärkste Repertoire an nationaldemokratischen Kandidaten auf.

Die NPD Sachsen-Anhalt befand sich seit Anfang des neuen Jahrtausends in einem Neuordnungs- und Verjüngungsprozess. Gerade im Umfeld der freien Kameradschaftsszene rekrutierte die Partei junges Personal und versuchte, mit dem Nationalen Bildungskreis ein intellektuell geschultes Netzwerk aufzubauen.

Die NPD trat bei den Kommunalwahlen 2007 mit 115 Kandidaten an und konnte 13 Mandate in den Kreistagen erringen. Zwei Jahre später sicherten sich die Nationaldemokraten zusätzlich 19 Sitze in Stadt- und Gemeinderäten. Ins Rennen hatte sie 76 Bewerber geschickt. Das politische Personal auf kommunaler Ebene war zum Teil sehr jung und der Anteil an Akademikern für die Nationaldemokraten recht hoch.

Personeller Umbruch – Einen Schritt vor, drei zurück

Doch seit den Kommunalwahlen 2007/2009 drehte sich das Personalkarussell der sachsen-anhaltischen NPD mit voller Fahrt. Auf kommunaler Ebene verlor die Partei durch Parteiaustritte und Mandatswechsel mehrere Mandatsträger. Diese Verluste konnten auch nicht mit Übertritten zur NPD, beispielsweise durch die Fusion mit der DVU, ausgeglichen werden.

Richtig Fahrt nahm das nationaldemokratische Personalkarussell jedoch erst nach dem verpassten Landtagseinzug 2011 auf. Zunächst flog der Landesvorsitzende Matthias Heyder aufgrund des verpassten Landtagseinzugs (4,6 Prozent) von Bord. Nachfolger im Landesvorstand wurde der 68-jährige Ingo Peter Walde. Walde, laut MDR seines Zeichens ehemaliges SED-Mitglied und studierter Gesellschaftswissenschaftler der Gewerkschaftsschule in Güsen, forcierte erst 2006 zum Mitglied der NPD.

Die Wahl Waldes zum Landesvorsitzenden kann als Rückschritt im aufkeimenden Verjüngungsprozess gesehen werden. Gescheitert ist der parteiinterne Generationenwechsel auf Kosten der personellen Vergreisung des Landesvorstandes und der kommunalen Mandatsträgerschaft.

Kommunalwahl 2014 – Männer, Maurer, Rentner

Dieser Prozess charakterisiert auch die Kandidatenlisten bei der Kommunalwahl 2014. Schlimmer noch als die gesunkenen Kandidatenzahlen (die Partei tritt in vielen Regionen nicht oder nur marginal an) litt vor allem die Qualität des kommunalpolitischen Kandidatenpersonals unter den personellen Umschwüngen der letzten Jahre.

Schaut man sich die Kandidatenlisten der NPD an, so fällt zunächst auf, dass kaum Frauen darauf zu finden sind. Der Altersdurchschnitt der Kandidaten nahm wie auch im Landesvorstand deutlich zu. Studenten sind Mangelware, Rentner die Regel. Viele ehemalige Nachwuchskräfte, die bei den letzten Kommunalwahlen antraten, wendeten sich von der Partei ab oder fanden ihren neuen Lebensmittelpunkt im Umfeld der sächsischen Fraktion.

Dennoch lässt sich nicht verschweigen, dass die Partei nebst allen Füllkandidaten auch „echte“ Originale zu bieten hat. Zum einen wäre da der Vokuhila und Hitlerbärtchen tragende Fußballtrainer und Bezirksschornsteinfeger a. D. Lutz Battke, der bisher eher durch skurrile Aktionen denn durch politische Sachkenntnis auffiel. Zum zweiten tritt der ehemalige Chauffeur des letzten DDR-Außenministers Meckel und des ehemaligen Ministerpräsidenten Reinhard Höppner, Gustav Haenschke, welcher sich nach seiner Karriere als Fahrer politisch dem rechten Rand näherte, an.

Insgesamt dürfte es die NPD mit diesem personellen Restbestand schwer haben, den großen Wurf zu landen. Dennoch wird die Partei auch 2014 wieder kommunale Mandate bekommen.

Kommentare(6)

#Oskar Montag, 12.Mai 2014, 15:43 Uhr:
Wir sagen was sie denken .
Also eigentlich halt ich nicht viel von solchen gedankenlesern
 
Du Montag, 12.Mai 2014, 17:07 Uhr:
Wenn alle ehemaligen SED-Mitglieder in die NPD eingetreten wären,
gäbe es vielleicht die Wahlaussage "Wir machen, was Wähler wollen".
 
Dagegen Dienstag, 13.Mai 2014, 00:15 Uhr:
Was wir nicht brauchen: Eine DDR 2.0 !!!
Alles andere kann man ertragen.
 
John Dienstag, 13.Mai 2014, 09:28 Uhr:
"Was wir nicht brauchen: Eine DDR 2.0 !!!
Alles andere kann man ertragen."

Zum Beispiel eine kuschelige Nazi-Diktatur.
 
Du Dienstag, 13.Mai 2014, 14:16 Uhr:
John
Eine Parteiendiktatur haben wir bereits.
Was wäre dein Wunsch ?
 
Dennis Mittwoch, 14.Mai 2014, 22:16 Uhr:
@ Du:

"Eine Parteiendiktatur haben wir bereits."

Na, dann mal los. Auf die Erklärung bin ich gespannt. Aber bitte, wenn möglich, ohne die üblichen Parolen...
 

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