von Claudia Naujoks
   

Kommunalwahl Bayern: Der Historiker Karl Richter und die „Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA)

Am kommenden Sonntag ist in Bayern Kommunalwahl. In München treten zwei Bürgerinitiativen an, "Pro München" und die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA). Der Spitzenkandidat der BIA ist der Historiker und Publizist Karl Richter, bei dem es sich lohnt, ihn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. In einem Interview mit der NPD-Parteizeitung "Deutsche Stimme" erläuterte Richter seine Wahlstrategie. 


Karl Richter ist geborener Münchner (1962) und seit dem Einzug der NPD in den sächsischen Landtag Leiter des Parlamentarischen Beratungsdienstes der NPD-Landtagsfraktion. Früher war er Mitglied der Republikaner, Referent im Europaparlament beim REP-Abgeordneten Harald Neubauer sowie unter dessen Führung Pressesprecher des bayerischen REP-Landesverbands. Nach dem Ausschluss von Neubauer aus den „Republikanern" verließ auch Richter die Partei.

Anschließend nahm Richter einen Chefredakteursposten bei der rechtsgerichteten Zeitschrift „Nation&Europa" (NE) an. Richter veröffentlichte weiterhin in „Junge Freiheit" und „Deutsche Stimme". Zwischen 2001 und 2003 nahm Richter bei der Bundeswehr Aufgaben der politischen Bildung, u.a. die Durchführung von Seminaren zum Thema "Rechtsextremismus", wahr. Für Aufsehen sorgte die Mitwirkung Richters als Komparse bei dem deutschen Spielfilm "Der Untergang". Er spielte die Rolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel.

ds-0308Nun kandidiert Karl Richter als Spitzenkandidat für die BIA und hat in der aktuellen Ausgabe von „Deutsche Stimme" ein Interview gegeben. Das Hauptwahlthema der BIA geht schon aus deren Namen hervor - das Ausländerproblem: „Das Problem, das wir haben, ist nicht in erster Linie ein Kriminalitätsproblem, sondern ein Problem der puren Masse.", so Richter gegenüber der NPD-Parteizeitung. Nach Richter entwickelt sich die deutsche Bevölkerung zu einer „ethnischen Minderheit" im eigenen Land. Dass es in der letzten Zeit zu mehreren Übergriffen von Ausländern auf Deutsche gekommen ist, liege nach Richter an der großen Anzahl des „schlecht qualifizierten und arbeitslosen nichtdeutschen Bevölkerungspotentials".

Aber für Richter ist das „Überfremdungsthema" viel weit reichender, da es viele Probleme nicht geben würde, wenn nicht die vielen Ausländer „zu verkraften" wären. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt wäre entspannter und es würde mehr bezahlbaren Wohnraum geben. Weiterhin könnten die „Folgekosten von 'Multikulti' - Gerichtskosten, Gefängniskosten, Übersetzerkosten, Abschiebekosten" - minimiert werden.

Auf die Behauptung, die BIA sei nur eine „Tarnliste der NPD", äußerte Richter, dass er gar nicht verheimlicht hätte, „in Übereinstimmung und mit Unterstützung durch die NPD in München" anzutreten. Die Bürgerinitiative sei mit dem Anliegen „Ausländerstopp" näher an den Menschen als das ganzheitliche Programm der NPD.

„Klar", antwortete Richter auch auf die Frage, ob er national wäre, „aber das muß ich mir ja nicht in Großbuchstaben ans Revers schreiben. Aber 'national' oder 'nationalistisch' ist keine Vokabel, mit der Sie heute, 2008, Prozente einfahren", äußerte Richter gegenüber DS-Redakteur Holger Szymanski.

Seine Erfahrungen aus dem sächsischen Landtag will Richter auch in München einfließen lassen. Die BIA werde im Falle der Wahl nicht durch Gewalt und Provokation auffallen, sondern durch „kalte, klare Prosa". Da mit Karl Richter jemand zur Wahl steht, der nicht nur hohle und gewaltverherrlichende Phrasen von sich gibt, sondern sich gewählt ausdrücken und argumentieren kann, dürfte die „Bürgerinitiative Ausländerstopp" in München auch Wähler auf sich ziehen, die der NPD sonst verschlossen blieben. Der Einzug Richters in den Stadtrat gilt als wahrscheinlich.  

Von der Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat die Staatsanwaltschaft München I unterdessen abgesehen. Diese hatte die BIA als "skandalöse Zusammenrottung von Verbrechern" bezeichnet.

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