von Redaktion
   

Kommunalpolitiker der Linken bei Messerangriff in Wismar verletzt

Bislang unbekannte Täter überfielen am Montag in Wismar einen Schweriner Kommunalpolitiker der Linken. Nach Parteiangaben sei der junge Mann durch Messerstiche verletzt worden. Die Umstände der Tat ließen möglicherweise auf eine politische Motivation der Angreifer schließen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Wieder eine Gewalttat in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: unwiederbringlichbegangenes)

Die Tat ereignete sich am Montag. Wie der Schweriner Kreisverband der Linken in einer Pressemitteilung öffentlich machte, sei ihr Vorstandsmitglied Julian Kintzel in Wismar Opfer einer Messerattacke geworden. Die drei unbekannten Täter hätten den Sprecher des Parteinachwuchses „solid“ nicht nur niedergeschlagen, sondern auch mit einem Messer angegriffen. Die behandelten Ärzte hätten, so die Linke weiter, 17 Messerstiche gezählt. Kintzel sei außerdem als „schwule Kommunistensau“ beschimpft worden. Dies und die Kleidung eines der Täters, der nach diesen Angaben die bei Neonazis beliebte Modemarke Thor Steinar getragen habe, „näherten den Verdacht, dass es sich um eine rechtsextremistisch motivierte Straftat handelt“, sagte der Kreisvorsitzende Peter Brill.

Auswirkungen auf ihr Engagement habe der Angriff aber nicht: „Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste und erklären erneut, dass die Linke in ihrem Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut nicht nachlassen wird“, hieß es vor der Partei. Brill forderte außerdem schnelle Ermittlungserfolge. Der Staatsschutz müsse die Ermittlungen „schnell vorantreiben“, um die Täter zur Verantwortung ziehen zu können.

Staatsschutz eingeschaltet

Tatsächlich ist der Staatsschutz mittlerweile eingeschaltet worden, bestätigte eine Polizeisprecherin ENDSTATION RECHTS., da eine politische Motivation des mutmaßlichen Täter-Trios „denkbar“ sei. Eine Online-Anzeige des Geschädigten sei am Dienstag eingegangen. Nun suche die Polizei Zeugen, außerdem würden die Schweriner Kollegen Kinzel zu der Tat befragen. Aufgrund des zeitlichen Abstandes sei die Ermittlungsarbeit nicht einfach: Sofortmaßnahmen, um die Täter noch am Tattag dingfest machen zu können, hätten nicht eingeleitet werden können.

Brill sprach gegenüber dem Tagesspiegel von Stich- und Schnittverletzungen, hauptsächlich am Arm und in der Brust, die am Montag und Dienstag im Krankenhaus ambulant behandelt worden seien. Der 18-Jährige sei alleine in der Nähe des Wismarer Bahnhofes unterwegs gewesen. Kintzel selbst sprach auf Facebook von einem unvermittelten Angriff. Zuerst habe ihm ein Gewalttäter in den Magen geschlagen, ein zweiter habe zugestochen, nachdem er zusammengesackt sei. Einen Großteil der Stiche habe er abwehren können; Fleischwunden und leichte Prellungen seien aber die Folge gewesen. Weiter vermutet der Linken-Kommunalpolitiker, dass diese Gegenwehr und das Erscheinen von Passanten die Angreifer zur Flucht bewogen hätten. 

Jüngst waren Rassisten mit mehreren Demonstrationen durch die Hansestadt gezogen; die Polizei musste einige Male tätig werden. Im Nachgang eines Aufmarsches Anfang September hatte beispielsweise eine Gruppe von Neonazis Flüchtlinge attackiert. Von einem weiteren Überfall auf Asylbewerber, sogar mit Baseballschlägern, berichtete die Polizei Anfang November.

Kintzel warnt vor Radikaliserung

Der mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassene Kintzel warnte derweil vor einer Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung: „Unsere Antwort auf Hass muss Liebe, auf Dummheit Vernunft und auf Gewalt Solidarität sein. Somit ist Hass hier fehl am Platz. Lasst uns dieses Ereignis zum Anlass nehmen, solchen Ideologien durch mehr Menschlichkeit vorzubeugen. Nach meiner hoffentlich baldigen Gesundung werde ich dabei verstärkt mitwirken.“

Kommentare(20)

Marcus Mittwoch, 06.Januar 2016, 12:24 Uhr:
Hä? 17 Stiche? Ernsthaft?

Ist dieser Politiker ein Übermensch oder wie kann der 17 (!!!) STICHE (!!!) überleben und am nächsten Tag wieder aus dem Krankenhaus raus spazieren?

Da stimmt doch was nicht… dass er von Nazis überfallen wurde, glaube ich aber gerne, trotzdem macht mich dieses irreale Szenario sehr skeptisch ...
 
BrechtLeser Mittwoch, 06.Januar 2016, 12:33 Uhr:
Zuerst einmal: Gute Besserung an Herrn Kintzel. Und danke für die klugen Worte, trotz des Angriffes. Ich weiß nicht, ob ich noch so objektiv bleiben könnte.

Zweitens verstehe ich nicht, wie die Redaktion einen Post von dem User mit dem Nickname "Kammerjäger" hier zulassen kann? Gerade bei so einem feigen Anschlag ist dieser Post so überflüssig, abwegig und absurd. Ich würde noch weitere Sachen entgegnen, halte aber eine Diskussion unter diesem Artikel für unnötig und unangebracht.
Normalerweise wird Offtopic in vielen Foren etc. gelöscht. Hier wird das einfach so publiziert...
 
Rainer Heel Mittwoch, 06.Januar 2016, 12:58 Uhr:
Kammerjäger - Psydonym statt realname?...kein Arsch in der Hose?...läßt sich dann ja auch leichter trollen. Jedes Verbrechen, ob in Köln oder anderswo, ist aus meiner Sicht gleichbedeutend und muss entsprechend verfolgt und aufgeklärt werden.
 
Anonymous Mittwoch, 06.Januar 2016, 15:54 Uhr:
Die Polizei fängt bereits an zu relativieren, und das zu Recht! Der Herr meldet sich nicht, es gibt kein Unterlagen vom Spital und auch keinen Tatort nichts, nur eine Online-Anzeige und der Rest vom von der Linken. An der Sache scheint etwas faul zu sein...
 
Roichi Mittwoch, 06.Januar 2016, 21:10 Uhr:
@ Marcus

Es ist nichts dazu gesagt, wo genau die Stiche erfolgt sind, wie tief und mit welchem Messer.
Entsprechend lässt sich nicht sagen, ob die Wunden überlebbar sind.
Im Gerangel gezielt zu treffen ist nicht so einfach. Meist erwischt es dann doch nur die Arme oder ist eher obeflächlich.
Insofern ist die Darstellung nicht unrealistisch.


@ Anonymouse

Du spekulierst einfach mal drauflos und deswegen soll an der Sache nichts dran sein.
Vielleicht ist schlicht einfach noch nicht bekannt, was die Polizei mit ihm besprochen hat. Zu einfach?
 
Gregor Donnerstag, 07.Januar 2016, 10:18 Uhr:
Wenn es jeden anderen treffen würde, mach ich sofort ne Anzeige! Und nicht nächsten Tag per Online Formular! Sehr Suspekt die ganze Geschichte. Bin gespannt wie Sie endet! Der "Überfall" an sich ist nicht zu tolerieren! Wenns denn einer war und nicht nur plumpe Stimmungsmache, wie in einigen anderen Fällen!
 
Irmela Mensah-Schramm Donnerstag, 07.Januar 2016, 10:40 Uhr:
Gesetzt der Fall, wie schon von einigen zwar schon geschehen (Selbstverletzung, um dies "in die Schuhe" der GegnerInnen zu schieben), so ist die die Vermutung und Zweifel zudem ohnehin am Übergiff schon etwas seltsam, dann die Opfer-Zuordnung, dies alles um die These eines Naziübergriffs in Zweifel zu ziehen, war schon immer die öffentliche Strategie..............
Gut, dass hinter dem Opfer eine solidarische Lobby steht, welches Glück eben nicht jeder hat.
 
Amtsträger Donnerstag, 07.Januar 2016, 11:51 Uhr:
Da wird auf einen am Boden liegenden Mann eingeschlagen und mit einem Messer mindestens 17 mal eingestochen und die dazu kommenden Passanten melden dies nicht der Polizei. Ebenso der herbeigerufene Rettungswagen (falls eingesetzt), noch der im Krankenhaus behandelnde Arzt. Der Geschädigte selbst informiert die Polizei nach großem zeitlichen Verzug per Onlineanzeige?

Der Strafverfolgungswille scheint nahezu nicht vorhanden zu sein.
 
Erik Donnerstag, 07.Januar 2016, 11:54 Uhr:
Naja ...
Zum Glück kann ja noch jeder für sich selbst entscheiden, welche Stories glaubhaft sind und welche nicht.
 
Don Geraldo Donnerstag, 07.Januar 2016, 14:15 Uhr:
Hätte nicht gedacht, daß ich Amtsträger mal zustimmen muß.

Spätestens bei der Online-Anzeige wird man stutzig.
 
Erik Freitag, 08.Januar 2016, 22:19 Uhr:
@ Amtsträger

"... Ebenso der herbeigerufene Rettungswagen (falls eingesetzt), noch der im Krankenhaus behandelnde Arzt."

Ich kenne mich da ja nicht so gut aus, aber sind die Rettungskräfte bzw. der Notarzt in solchen Fällen nicht sogar verpflichtet die Polizei zu verständigen?
 
Amtsträger Samstag, 09.Januar 2016, 21:02 Uhr:
Vollendete Straftaten müssen nicht angezeigt werden. Es ist aber bundesweit Praxis, dass schon die Rettungsleitstellen bei Bekanntwerden derartiger Einsätze die Polizei informieren.
Die Zusammenarbeit klappt erfahrungsgemäß reibungslos.
 
Rostockä Montag, 11.Januar 2016, 11:33 Uhr:
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Politiker-Messerattacke-Was-passierte-wirklich,anschlag222.html

Das sieht mal wieder nach einer Fals-Flag-Aktion aus...
 
Roichi Montag, 11.Januar 2016, 18:32 Uhr:
Wieso "mal wieder"?
 
Erik Dienstag, 12.Januar 2016, 10:19 Uhr:
@ Roichi

"Wieso "mal wieder"?"

Es ist ja keine neue Masche.
Den Fall von Rebecca K. aus Mittweida vergessen?
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/anklage-in-hakenkreuz-fall-die-unglaubliche-geschichte-der-rebecca-k-a-553210.html
 
BrechtLeser Dienstag, 12.Januar 2016, 10:37 Uhr:
@Roichi,
das frag ich mich auch.
 
Roichi Dienstag, 12.Januar 2016, 13:11 Uhr:
@ Erik

Nö. Ich könnte auch fragen, was daran eine "Fals-Flag-Aktion"[sic!] sein soll.
Es fehlt jede Begründung dieser Behauptungen, es wird kein Zusammenhang hergestellt. Stattdessen wird behauptet, dass Straftaten regelmäßig vorgetäuscht werden, um, ja was zu tun? Um Nazis als gewalttätig darzustellen? Um die Kamerraden reinzureiten? Auch das wird nicht ausgeführt. Zumal man beides nicht braucht. Das können die schon selbst.
Aber vielleicht kannst du ja etwas zur Aufklärung beitragen.
So bleibt es bei der Behauptung.
 
Erik Dienstag, 12.Januar 2016, 15:53 Uhr:
Klar, Roichi.
Wenn die "Kamerraden" sich selbst reinreiten können, warum denkt ihr euch denn Straftaten von "Kamerraden" aus? Macht keinen Sinn.
 
Roichi Dienstag, 12.Januar 2016, 21:25 Uhr:
@ Erik

"Wenn die "Kamerraden" sich selbst reinreiten können, warum denkt ihr euch denn Straftaten von "Kamerraden" aus? Macht keinen Sinn. "

Wer ist denn "ihr"?
Es gibt einige Einzelpersonen, die sich, warum auch immer, sowas ausdenken.
Die Frau in Mittweida, vermutlich der hier genannte Mann aus Wismar, und sonst? Kommt wohl wieder das Lebkuchenmesser, zu dem es keine abschließenden Ergebnisse gibt.

Dass sowas Unsinn ist, steht außer Frage. Die Motivation ist allerdings in beiden Fällen ungeklärt.

Also, wieso "mal wieder"?
 
Don Geraldo Mittwoch, 13.Januar 2016, 09:05 Uhr:
@ Roichi

"Es gibt einige Einzelpersonen, die sich, warum auch immer, sowas ausdenken.
Die Frau in Mittweida, vermutlich der hier genannte Mann aus Wismar, und sonst? "

Wenn ich Ihre Tagesfreizeit hätte würde ich per Google wahrscheinlich Duzende Fälle finden. Allein aus dem Gedächnis fallen mir zusätzlich noch ein:
- der Mann aus Hamburg mit dem eingeritzten Hakenkreuz auf der Brust,
- die Frau in München mit Nazi-Drohbriefen im Briefkasten und der Selbstverletzung mit Hammer,
- der Mann, der in Potsdam besoffen vom Bahnsteig fiel,
- die Rollstuhlfahrerin mit dem Skinhead-Überfall in Halle,
-dann gab es noch eine Brandstiftung in Backnang, bei der der Versicherungsbetrug mit Hakenkreuzen verschleiert wurde,
- und in Siegen hat ein Gewerkschaftsfunktionär vor laufender Kamera zugegeben, daß er Hakenkreuze geschmiert hätte um "Stimmung gegen Rechts" zu machen. Machte die Stasi übrigens auch schon.
- erinnert sich noch jemand an den Hype in Sebnitz ?

Mir fallen noch ein paar Fälle ein, aber die kann ich aus Gedächnisschwäche - man ist ja nicht mehr der jüngste - örtlich nicht mehr zuordnen.
 

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