von Hanka Kliese
   

Kommentar: Rechtsextremismus im Stadion – Nach Rassismus kommt Ratlosigkeit

Nicht zum ersten Mal gerät der Chemnitzer FC durch rassistische Verbalattacken von den Zuschauerrängen in die überregionalen Schlagzeilen. Dabei ist ein Bemühen des Vereins, dem Problem Herr zu werden, seit Jahren erkennbar. Nach den jüngsten Entgleisungen zum DFB-Pokalspiel gegen Dynamo Dresden, bei denen ein Spieler der Gäste von Affenlauten begleitet wurde, macht sich Hilf-und Ratlosigkeit breit.

Es sollte ein besonders friedvolles Spiel werden: "Lasst uns alle den Beweis dafür liefern, dass ein solch "heißes" Derby auch ohne unschöne Szenen über die Bühne gehen kann. Seht dieses Spiel als echte Chance für einen weiteren positiven Imageschub unseres Chemnitzer FC!", hieß es in einem Aufruf der Fanbeauftragten Peggy Schellenberger, welcher vor dem Spiel an die Fans via Internet versendet wurde.

Das Gegenteil des gewünschten Effektes trat ein: Durch das rassistische Gebaren einiger Zuschauer gegenüber dem Dresdner Spieler Mickaël Poté bedienten Teile des Publikums gängige Klischees über ostdeutsche Fußballfan"kultur". Dem ernüchterten Vereinsvorstand blieb nicht mehr, als eine Entschuldigung auf der Webseite einzustellen und gegenüber der Presse harte Konsequenzen anzukündigen.

"Wir sind der Ansicht, dass diese Handlungen nicht von Fans und Unterstützern des Vereins sowie des Fußballes stammen, sondern es sich bei diesen Personen um Kriminelle handelt" heißt es in einer gemeinsam mit dem Aufsichtsrat verfassten Erklärung. Am Ende ist es unerheblich, ob die Personen, von welchen die Ausrufe und Laute ausgingen, zu "Fans" oder "Unterstützern" zählen oder nicht. Sie existieren.

Für den Chemnitzer FC ist das Problem nicht neu. Seit Jahren leistet ein Fan-Projekt engagierte Arbeit für Demokratie und gegen Rassismus im Stadion. Erfolge dieser Arbeit stehen stets im Schatten medienwirksamer Ausschreitungen. Die Ankündigung drakonischer Maßnahmen wird das Problem nicht lösen können. Das dürfte auch Präsident Mathias Hähnel ahnen, der heute via "Freie Presse" äußert: "Jeder, dem wir habhaft werden, wird mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gnadenlos bestraft". 

In eine andere Richtung gehen die Überlegungen eines "Elf-Freunde"-Artikels, der sich mit der zivilgesellschaftlichen Komponente der Ausschreitungen befasst. Im heute erschienenen Online-Beitrag "Reden ist Gold" fordert der Autor Alex Raack eine aktivere Auseinandersetzung mit den Verursachern des Problems. Dem betroffenen Schweigen könnten die Fans im Stadion etwas entgegen setzen, lautstarke Gegengesänge etwa wären eine Alternative gewesen. Eine Gegenoffensive ist gefordert.

Foto: Screenshot YouTube

Kommentare(2)

DerFelek Donnerstag, 23.August 2012, 20:53 Uhr:
Wow, das ist aber mal EXTREM unfair-die BBC,dt.Zeitungen ect haben Polen und die Ukraine so circa 1.Jahr VOR der Euro schlechtgeredet obwohl wir,zumindet in Polen "seit Jahren erkennbar" keinen Verein haben der Probleme mit Rassismus oder so hat. Aber es gibt immer 2 Masse,Westeuropa und "den Rest" (siehe auch auf Spiked Magazin die Artikel zur Euro)
 
bc Freitag, 24.August 2012, 07:41 Uhr:
@derfelek
kann es sein, dass es in polen weniger bis keine auslaendischen spieler gibt?
aehnliche verhaeltnisse wie in der DDR. da gab es auch keinen wahrnehmbaren rassismus im fussball.
 

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