Kölner Hooligan-Demo eskaliert

Am heutigen Sonntag trafen sich mehr als 4.000 Hooligans aus ganz Deutschland in Köln, um unter dem Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“ sowie „Gemeinsam sind wir stark“, verstärkt durch zahlreiche Neonazis, gegen Salafisten zu demonstrieren. Zwar blieben die Teilnehmerzahlen hinter den Zusagen im Internet zurück, dennoch war das Treffen eine der größten rechten Demonstrationen der letzten Zeit. Selbst die Polizei schien kalt erwischt, die Versammlungsfläche musste aufgrund der hohen Teilnehmerzahl sogar vergrößert werden. Immer wieder kam es zu Ausschreitungen zwischen den gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei.

Sonntag, 26. Oktober 2014
Redaktion
Ein Blick auf die HoGeSa-Demonstration in Köln (Foto: Tom von Kopp)
Ein Blick auf die HoGeSa-Demonstration in Köln (Foto: Tom von Kopp)
Schon vor dem eigentlichen Veranstaltungsbeginn war die Stimmung aufgeheizt. Mit „wir wollen keine Salafisten-Schweine“, „wir kriegen Euch alle“ und „Deutschland, Deutschland“-Gesängen schaukelte sich die Masse gegenseitig hoch. Auch einige Sprengkörper wurden auf dem Bahnhofsgelände, trotz Mahnungen von der Bühne ,gezündet und von den teils trotz polizeilich verhängtem Alkoholverbot wahrscheinlich alkoholisierten Teilnehmern mit Jubel und Applaus begleitet. Den wiederholten Aufforderungen der Polizei, die Rettungs- und Fluchtwege frei zu halten, kamen die rechten Demonstranten nur sehr träge nach. „Kategorie C“ auf der Bühne „Ein Bild für die Götter“ – so der erste Satz des Bühnensprechers beim offiziellen Veranstaltungsbeginn um 15.00 Uhr. Allerdings entwickelte sich die Demonstration schnell zu einem Rechtsrock-Konzert mit einem Auftritt der aus Bremen stammenden Band „Kategorie C“, die der Hooliganszene zugeschrieben wird. Die Hasskapelle gab, neben ihrem eigens für diese Veranstaltung komponierten Lied „Hooligans gegen Salafisten“, in dem sich eindeutige rassistische Inhalte wiederfinden, noch weitere, auf stupide Ressentiments abzielende Lieder wieder. In diesen Texten wurde deutlich, dass es den Veranstaltern nicht um Kritik am Salafismus allein geht. Sie sollen vielmehr als Anknüpfungspunkte für eine allgemeine Islamfeindlichkeit herhalten. Mit einem „Heil Sportfreunde“ verabschiedete sich der Sänger der Band von der Bühne. Auf „Kategorie C“ folgten einige Redebeiträge, die zumeist konzeptlos wirkten. Neben Aufforderungen an die Teilnehmen, der Presse keine Interviews zu geben - „da ist ein ganz klares Statement von HoGeSa!“ - wendeten sich die Redner auch direkt an die anwesenden Medienvertreter. „Liebe Presse, wir sind nicht alles Nazis“. Um dies zu untermauern, wurde ein vermeintlich „linker“ Teilnehmer präsentiert, der die vorgebliche Pluralität der eindeutig alles andere als linken Demonstrationsteilnehmer repräsentieren sollte. Die Skepsis ihm gegenüber war den Teilnehmern deutlich anzumerken. Flaschen, Fahrräder und Wasserwerfer Die Veranstalter baten zwar mehrmals die Teilnehmer darum, friedlich zu bleiben, um dies aber gleich wiederum mit den Worten „aber lasst Euch nicht alles gefallen“ zu relativieren. So blieb es auch nicht lange friedlich. Einige Hooligans wurden beim Versuch, sich durch den Hauptbahnhof zur Gegendemonstration durchzuschlagen, von der Polizei gestoppt. Aus dem nachfolgenden Demonstrationszug wurden die ersten Flaschen, Steine und Dosen auf die Polizei geworfen, die wiederum mit Wasserwerfern und Pfefferspray antwortete. Augenscheinlich wurden mehrere Personen verletzt, außerdem führten die Beamten einige Festnahmen durch. Die Polizei erklärte die Versammlung für beendet, was einigen HoGeSa-Demonstranten allerdings egal zu sein schien. Immer wieder versuchten die erkennbar gewaltbereiten Hooligans zur friedlichen Gegendemonstration durchzubrechen. Gegen 17:30 Uhr eskalierte die Gewalt erneut. Neben Flaschen flogen sogar Fahrräder auf die Polizisten. Diese versuchten erneut mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken die Situation in den Griff zu bekommen. Dafür griff die Einsatzleitung zu höchst ungewöhnlichen Mitteln: Mit „Atemlos“ von Helene Fischer versuchte sie, die Situation zu beruhigen. Aber nicht nur Polizeibeamte wurden attackiert, auch Journalisten wurden mehrmals zur Zielscheibe der Hooligans.  Die Gegendemo vor dem Kölner Hauptbahnhof unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ war von den zahlreichen Provokationen nicht aus dem Tritt zu bringen. Dort versammelten sich rund 2.000 Menschen, um gegen den Aufmarsch der Rechten zu demonstrieren. Sie boten ein vielfältiges Bild, das besser in das durch Veranstaltungen wie Karneval und CSD bekannte bunte Köln passte.
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