KÖGIDA-Marsch mit Hooligans und Mohammed-Karikatur

Am 5. Januar hatten mehrere tausend Gegendemonstranten einen ersten Aufmarschversuch der PEGIDA-Kopie „Köln gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (KöGIDA) verhindert. Obwohl die Islamfeinde mehr als 500 Anhänger mobilisiert hatten, kam es zu einem internen Streit, der zur Trennung von Original und Kopie führte. Trotzdem konnte die radikaler ausgerichtete Kopie am 14. Januar einen eigenen Marsch in der Kölner Innenstadt durchsetzen.

Montag, 19. Januar 2015
Redaktion
Tausende Demonstranten blockieren die Kögida-Aufmarsch, Foto: Surfguard, Lizenz: BY-NC-SA
Tausende Demonstranten blockieren die Kögida-Aufmarsch, Foto: Surfguard, Lizenz: BY-NC-SA
Aus KöGIDA wird KöGIDA Der vorausgegangene Konflikt hatte sich an Melanie Dittmer entzündet, der Veranstaltungsleiterin vom 5. Januar. Sie war durch ein damals rigides Auftreten, ihre Vergangenheit in der Neonazi-Szene und ihre aktuelle Rolle als PRO Köln-Funktionärin zu einer Belastung für die sich nach eigener Aussage um eine Distanz zum organisierten Rechtsextremismus bemühende PEGIDA NRW geworden. Die Vereinigung veröffentlichte deshalb am 10. Januar eine Presseerklärung, in der sie bekannt gab, dass die in den rheinischen Großstädten von KöGIDA, BoGIDA sowie DüGIDA durchgeführten Demonstrationen keine PEGIDA-Veranstaltungen sind. Gleichzeitig distanzierte sie sich von Pro NRW. Daraufhin wurden die Bezeichnungen der rheinischen Initiativen geändert. So tritt KöGIDA seitdem als „Köln gegen Islamisierung und den Asylmissbrauch“ auf. Dittmer setze ihre Aktivitäten zunächst in Düsseldorf fort, wo sie am 12. Januar mit etwa 400 Gesinnungsgenossen demonstrierte und weitere Veranstaltungen im wöchentlichen Turnus ankündigte. Hooligans und Mohammed Während damit in der Landeshauptstadt der Montag als zukünftiger Agitationstag gewählt wurde, war es in Köln der Mittwoch. Dort versammelten sich am 14. Januar 150-200 KöGIDA-Anhänger auf dem von starken Polizeikräften abgesperrten Vorplatz des Hauptbahnhofs. Ihnen standen etwa 3.500 Personen unmittelbar gegenüber, die die vom Bahnhof wegführende Hauptverkehrsstraße blockierten. Zudem begingen mehrere hundert Meter entfernt etwa 3.000 weitere Personen eine Protestveranstaltung. Den Teilnehmern der KöGIDA-Demonstration ermöglichte die gerichtlich dazu verpflichtete Polizei durch die konsequente Absperrung einer parallel zum blockierten Verkehrsweg verlaufenden Straße einen halbstündigen Marsch. Er führte vom Bahnhof in Richtung Westen und auf dem gleichen Weg zurück. Dabei traten einerseits die meisten Marschierer optisch unauffällig auf und führten lediglich unverfängliche Deutschlandfahnen mit. Andererseits befanden sich im Aufzug diverse Angehörige der Vereinigung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), die sich mit einer aggressiven Körpersprache gegenüber den Gegendemonstranten präsentierten. Die Demonstration endete mit einer kurzen Abschlussveranstaltung auf dem Bahnhofsplatz, während zur Provokation die bekannte dänische Mohammed-Karikatur gezeigt wurde. Weiter geht’s … Wenngleich sich damit das Geschehen auf eine stark abgeriegelte Kurzdemonstration beschränkte, zeigte es mehrere Aspekte auf, die die weiteren …GIDA-Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen betreffen. So hat Melanie Dittmer den PEGIDA-Gegnern durch ihren Lebenslauf in der rechtsextremistischen Szene den Gefallen erwiesen, die Außendarstellung der Vereinigung gewissermaßen kontaminiert zu haben. Für ihre Gesinnungsgenossen entfällt nach der Trennung die Notwendigkeit einer taktisch bedingten Mäßigung. Dabei birgt das nun offen zutage getretene Engagement der HoGeSa, die sich auf ihrer Internetpräsenz als Schutztruppe gegen Antifa-Angriffe darstellten, eine Eskalationsgefahr bei einem möglichen Aufeinandertreffen mit Gegendemonstranten, insbesondere Antifa-Gruppen. Allerdings deutet das Auftreten von nur 400 Personen in Düsseldorf und lediglich 150-200 Personen in Köln ein nach der Trennung deutlich verringertes Mobilisierungspotenzial an. Sofern aber die angekündigten Veranstaltungen tatsächlich im wöchentlichen Turnus durchgeführt werden, könnte es einerseits zu einer Überbeanspruchung dieses Potenzials führen. Andererseits würde dies auch zu erheblichen Belastungen für die Polizei führen und die Gegendemonstranten vor die Herausforderung stellen, regelmäßig Menschenmengen in einer blockadefähigen Größe aufzubieten.
Kategorien
Tags