von Tom von Kopp
   

Kölner Hooligan-Demo eskaliert

Am heutigen Sonntag trafen sich mehr als 4.000 Hooligans aus ganz Deutschland in Köln, um unter dem Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“ sowie „Gemeinsam sind wir stark“, verstärkt durch zahlreiche Neonazis, gegen Salafisten zu demonstrieren. Zwar blieben die Teilnehmerzahlen hinter den Zusagen im Internet zurück, dennoch war das Treffen eine der größten rechten Demonstrationen der letzten Zeit. Selbst die Polizei schien kalt erwischt, die Versammlungsfläche musste aufgrund der hohen Teilnehmerzahl sogar vergrößert werden. Immer wieder kam es zu Ausschreitungen zwischen den gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei.

Ein Blick auf die HoGeSa-Demonstration in Köln (Foto: Tom von Kopp)

Schon vor dem eigentlichen Veranstaltungsbeginn war die Stimmung aufgeheizt. Mit „wir wollen keine Salafisten-Schweine“, „wir kriegen Euch alle“ und „Deutschland, Deutschland“-Gesängen schaukelte sich die Masse gegenseitig hoch. Auch einige Sprengkörper wurden auf dem Bahnhofsgelände, trotz Mahnungen von der Bühne ,gezündet und von den teils trotz polizeilich verhängtem Alkoholverbot wahrscheinlich alkoholisierten Teilnehmern mit Jubel und Applaus begleitet. Den wiederholten Aufforderungen der Polizei, die Rettungs- und Fluchtwege frei zu halten, kamen die rechten Demonstranten nur sehr träge nach.

„Kategorie C“ auf der Bühne

„Ein Bild für die Götter“ – so der erste Satz des Bühnensprechers beim offiziellen Veranstaltungsbeginn um 15.00 Uhr. Allerdings entwickelte sich die Demonstration schnell zu einem Rechtsrock-Konzert mit einem Auftritt der aus Bremen stammenden Band „Kategorie C“, die der Hooliganszene zugeschrieben wird. Die Hasskapelle gab, neben ihrem eigens für diese Veranstaltung komponierten Lied „Hooligans gegen Salafisten“, in dem sich eindeutige rassistische Inhalte wiederfinden, noch weitere, auf stupide Ressentiments abzielende Lieder wieder. In diesen Texten wurde deutlich, dass es den Veranstaltern nicht um Kritik am Salafismus allein geht. Sie sollen vielmehr als Anknüpfungspunkte für eine allgemeine Islamfeindlichkeit herhalten. Mit einem „Heil Sportfreunde“ verabschiedete sich der Sänger der Band von der Bühne.

Auf „Kategorie C“ folgten einige Redebeiträge, die zumeist konzeptlos wirkten. Neben Aufforderungen an die Teilnehmen, der Presse keine Interviews zu geben - „da ist ein ganz klares Statement von HoGeSa!“ - wendeten sich die Redner auch direkt an die anwesenden Medienvertreter. „Liebe Presse, wir sind nicht alles Nazis“. Um dies zu untermauern, wurde ein vermeintlich „linker“ Teilnehmer präsentiert, der die vorgebliche Pluralität der eindeutig alles andere als linken Demonstrationsteilnehmer repräsentieren sollte. Die Skepsis ihm gegenüber war den Teilnehmern deutlich anzumerken.

Flaschen, Fahrräder und Wasserwerfer

Die Veranstalter baten zwar mehrmals die Teilnehmer darum, friedlich zu bleiben, um dies aber gleich wiederum mit den Worten „aber lasst Euch nicht alles gefallen“ zu relativieren. So blieb es auch nicht lange friedlich. Einige Hooligans wurden beim Versuch, sich durch den Hauptbahnhof zur Gegendemonstration durchzuschlagen, von der Polizei gestoppt. Aus dem nachfolgenden Demonstrationszug wurden die ersten Flaschen, Steine und Dosen auf die Polizei geworfen, die wiederum mit Wasserwerfern und Pfefferspray antwortete. Augenscheinlich wurden mehrere Personen verletzt, außerdem führten die Beamten einige Festnahmen durch. Die Polizei erklärte die Versammlung für beendet, was einigen HoGeSa-Demonstranten allerdings egal zu sein schien. Immer wieder versuchten die erkennbar gewaltbereiten Hooligans zur friedlichen Gegendemonstration durchzubrechen.

Gegen 17:30 Uhr eskalierte die Gewalt erneut. Neben Flaschen flogen sogar Fahrräder auf die Polizisten. Diese versuchten erneut mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken die Situation in den Griff zu bekommen. Dafür griff die Einsatzleitung zu höchst ungewöhnlichen Mitteln: Mit „Atemlos“ von Helene Fischer versuchte sie, die Situation zu beruhigen. Aber nicht nur Polizeibeamte wurden attackiert, auch Journalisten wurden mehrmals zur Zielscheibe der Hooligans. 

Die Gegendemo vor dem Kölner Hauptbahnhof unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ war von den zahlreichen Provokationen nicht aus dem Tritt zu bringen. Dort versammelten sich rund 2.000 Menschen, um gegen den Aufmarsch der Rechten zu demonstrieren. Sie boten ein vielfältiges Bild, das besser in das durch Veranstaltungen wie Karneval und CSD bekannte bunte Köln passte.

Kommentare(7)

Martin Wild Montag, 27.Oktober 2014, 01:22 Uhr:
Die Musik, das war der Typ, der auch auf dem Taksim Klavier gespielt hat. Er kam mit einem Fahrrad mit angehängtem Piano, stellte sich neben die Demo-Reste und spielte. Erst "Imagine", später "Atemlos" und - sehr bizarr aus meiner Sicht - nach dem er in die Reste der Hools rein gefahren war mitten auf den Platz ... kam für mich überraschend "Lilli Marleen". Der 2. Weltkrieg-Hit sollte wohl dem Publikum dort etwas Verbindendes anbieten ?!? Die Polizei hat jedenfalls NICHT mit psychologischer Kriegsführung gearbeitet, auch wenn das allerorten zu lesen ist. Ich war da, hab es mir angesehen. Bin ehrlich gesagt skeptisch über die Aussage "wir waren für euch vor Ort". Wärt ihr dort gewesen, hättet ihr das mit dem Piano-Mann auf jeden Fall mitgekriegt.
 
JayBee Montag, 27.Oktober 2014, 08:25 Uhr:
Da gibt es einmal nicht genügend Polizisten vor Ort und schon ist die hier oft beschworene Friedlichkeit der Rechten dahin. Friedlich ist man nämlich nur so lange wie die Polizei die Truppe auf allen Seiten einschließt.
 
JayBee Montag, 27.Oktober 2014, 08:47 Uhr:
"„Liebe Presse, wir sind nicht alles Nazis“. "

Das sagt doch schon alles...
 
Andi Arbeit Montag, 27.Oktober 2014, 09:13 Uhr:
Letztendlich hat es 'die Polizei' nicht anders verdient, bzw. können sich die Polizisten bei der Politik bedanken. Jeder Rentner im Rollstuhl wird festgenommen und als Linksradikal eingestuft und die Rechten Tanzen der Bevölkerung seit Jahren ungeschoren auf der Nase herum.

Als die RAF ein paar Ex-Nazis ermordete stand die Bundesrepublik kopf, wenn die NSU hingegen Immigranten erschießt, schaut der verfassungsschutz fünf Jahre lang zu.

Irgendwas stimmt da ja wohl überhaupt nicht.
 
Tom von Kopp Montag, 27.Oktober 2014, 09:54 Uhr:
Lieber Martin,
Ich habe diese Info von Augen- bzw. Ohrenzeugen im Bahnhofsgebäude bekommen. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht auf auf dem Bresslauerplatz, sondern auf der anderen Seite bzw. im Bahnhof. Wenn diese Info falsch war, tut es mir leid. Ich hatte dies nochmal vor Veröffentlichung des Artikels gegenrecherchiert, und da es anderen Orts ebenfalls so berichtet wurde, hielt es für ausreichend plausibel. Danke, dass du es richtig stellst.
 
münchhausen Montag, 27.Oktober 2014, 12:48 Uhr:
"Als die RAF ein paar Ex-Nazis ermordete stand die Bundesrepublik kopf, wenn die NSU hingegen Immigranten erschießt, schaut der verfassungsschutz fünf Jahre lang zu. "

Norbert Schmid, Herbert Schoner, Hans Eckhardt, Paul A. Bloomquist, Clyde R. Bonner, Ronald A. Woodward, Charles L. Peck, Fritz Sippel, Andreas von Mirbach, Wolfgang Göbel, Georg Wurster, Heinz Marcisz, Reinhold Brändle, Helmut Ulmer, Roland Pieler, Arie Kranenburg, Jürgen Ponto, Hans-Wilhelm Hansen, Dionysius de Jong, Johannes Petrus Goemans, Edith Kletzhändler, Edward Pimental, Frank Scarton, Becky Jo Bristol, Karl Heinz Beckurts, Eckhard Groppler, Gerold von Braunmühl, Detlev Rohwedder und Michael Newrzella

Das sind 30 von 34 Opfern der RAF-Gewalt: Fahrer, PassantInnen, Grenzbeamte, Diplomaten, US-Soldaten, keine Ex-Nazis. Besonders zynisch ist der Fall des niederländischen Polizists Arie Kranenburg, der als Kind unter der Besetzung der Wehrmacht lebte und dann dreißig Jahre später von der antifaschistischen militanten Aktion ermordet wird

Ob die staatliche Reaktion auf die RAF angemessen war, inwieweit die deutsche Sicherheitspolitik den Konflikt noch weiter verschärft hat und ob sich der Rechtsstaat in der Vorgeschichte und auf dem Höhepunkt des deutschen Herbstes mit Ruhm bekleckert hat, ist eine andere Diskussion, die mir hier zu off-topic ist. Fest steht: Unter den Opfern der RAF waren in erster Linie nicht Ex-Nazis.

Im Übrigen: Ja, NSU ist ein Skandal sondersgleichen.
 
Amtsträger Dienstag, 28.Oktober 2014, 14:14 Uhr:
"Jeder Rentner im Rollstuhl wird festgenommen und als Linksradikal eingestuft und die Rechten Tanzen der Bevölkerung seit Jahren ungeschoren auf der Nase herum. "

Was die ganzen Verurteilungen der Rechtsextremen erklärt... nicht.
 

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