Knastkameradschaften

"Der politische Kampf ist im Knast nicht beendet, er wird nur mit anderen Mitteln weitergeführt!“ so die Neonazi-Postille „Umbruch“ (Herausgeber: Steffen Hupka), ein „nationalrevolutionäres Schulungsorgan für Strategie, Taktik, Politk und Weltanschauung“.
Inhaftierten Kameraden gibt der „Umbruch“, dessen selbstgestellte Aufgabe es ist, „dem politischen Führer, Unterführer oder/und dem bewährten Einzelaktivisten Schulungsmaterial an die Hand zu geben und die dringend notwendige gruppenübergreifende Strategiediskussion voranzutreiben“, u.a. praktische Verhaltensregeln: „Selbstbewußtes und aggressives Auftreten gegenüber den >höheren< Beamten. Als >Politischer< muß man sich immer klar sein, daß man für die Systemschergen Feind ist, also muß man in ihnen auch den Feind sehen. ... Sie sind Charakterschweine und Schreibtischtäter.“ Abrufbar war der Artikel „Verhalten in Haft“ auch im neonazistischen Mailbox- Datenverbund „Thule“.

Um auch die inhaftierten Gesinnungsfreunde in die facettenreichen Neonazistrukturen weiter einzubinden, wird die „Gründung von Knastkameradschaften“ propagiert. Aufgerufen haben dazu u.a. die knasterfahrenen Aktivisten Axel Schoppmann, Martin Küpper und Maik Fischer (O-Ton Fischer: „Ich bin stolz auf mein Vaterland, und wer mir das verbieten will, muß erst noch geboren werden!“) im „Umbruch“, dem „Brauner Ausguck“ des österreichischen Hitler-Verehrers Karl Polacek und in den „Nachrichten“ der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“ (HNG). Die 1979 gegründete HNG zählt mit rund 340 Mitgliedern - neben den „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) - zur mitgliederstärksten und einflußreichsten Organisation im bundesdeutschen Neonazi-Geflecht.

Nach Auffassung von Schoppmann und Konsorten muß der „politische Kampf“ im Knast mit „anderen Mitteln“ fortgesetzt werden. Die inhaftierten Kameraden werden dazu aufgefordert, sich im „Knast“ politisch weiterzubilden und Kontakte zu Kameraden in anderen „Knästen“ aufzunehmen. Materielle Unterstützung müsse von „draußen“ erfolgen, während „moralische Solidarität“ von Kameraden „drinnen“ geleistet werden solle. Der Aufruf an die „Kameraden in den Systemknästen schließt mit folgendem Appell: „Wir müssen in die Offensive gehen! Wir müssen intelligenten nationalen Widerstand in den Knästen leisten! Drinnen und >draußen< eine Front!“ Als Kontaktadresse fürdie interessierten Kameraden dient die Adresse von Schoppmann, mehrfacher Leserbriefschreiber in der „Jungen Freiheit“ (JF). Zu Beginn dieses Jahres schwadronierte der ehemalige Bundeswehrsoldat Schoppmann in der JF über den „Abbau des Soldatischen“, der „bis weit in das Offizierskorps“ hineinreiche. Entsetzt zeigte er sich „über die innere Lage der Truppe“: „Befehle wurden nicht ausgeführt, sondern ausdiskutiert. Das lag zum einen an der Schulbildung der Rekruten (z.T. Abiturienten), zum anderen aber auch an der mangelnden Vorbildfunktion der Vorgesetzten.“ Aus rechtskräftig verurteilten rechtsextremistischen Straftätern werden in den HNG-Nachrichten „politisch Verfolgte“, deren Meinung „den derzeit Herrschenden nicht in das Konzept passen kann.“ Der Berliner Neonazi Marcus Alexander Bischoff (Aktivist der verbotenen FAP), der am 13. September 1994 vom Berliner Landgericht wegen „Vorrätighaltens zur Verbreitung“ rechtsextremistischer Propagandaschriften zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, wird so zum „politischen Dissidenten“ gekürt. Die HNG über Bischoff, der sich ab dem 16. August für rund zwei Monate im Hungerstreik befand: „Marcus kämpft einen Kampf für uns alle“.

Regelmäßig rufen die HNG-Nachrichten in jüngster Zeit dazu auf, die „repressive und antidemokratische Zensurpolitik der brd-Justiz“ nicht mehr „unwidersprochen“ hinzunehmen. Auch die „Gefangenenhilfe der Nationalen e.V.“ (Sitz im Ostberliner Bezirk Lichtenberg) fordert in einem Flugblatt selbstbewußt die „Freilassung aller nationalen politischen Gefangenen der BRD“. Verantwortlich für das Flugblatt zeichnet Walter Menz, Redaktionsmitglied der „Berlin-Brandenburger Zeitung“, dem Mitteilungsblatt der „Nationalen“.

Der Wunsch nach Zuspruch macht auch vor braungesinnten Frauen, deren Ehemänner inhaftiert sind, nicht halt. So wollen die neonazistischen Kameradinnen Michaela Kiese (Ehefrau von Martin K., FAP), Sylvia Endres (verheiratet mit Gerhard Endres, VAPO) und Martina Dampf Familien, deren Männer im Knast sind, „wenigstens moralisch zur Seite stehen“. In der „Freien Stimme“, einer Publikation der Sauerländer Aktionsfront“, lamentieren sie lauthals über die bisherige Lage, die sie nun gemeinsam ändern wollen: „Im Gegensatz zu anderen >Problemgruppen

Mittwoch, 10. Januar 1996
Anton Maegerle

"Der politische Kampf ist im Knast nicht beendet, er wird nur mit anderen Mitteln weitergeführt!“ so die Neonazi-Postille „Umbruch“ (Herausgeber: Steffen Hupka), ein „nationalrevolutionäres Schulungsorgan für Strategie, Taktik, Politk und Weltanschauung“.
Inhaftierten Kameraden gibt der „Umbruch“, dessen selbstgestellte Aufgabe es ist, „dem politischen Führer, Unterführer oder/und dem bewährten Einzelaktivisten Schulungsmaterial an die Hand zu geben und die dringend notwendige gruppenübergreifende Strategiediskussion voranzutreiben“, u.a. praktische Verhaltensregeln: „Selbstbewußtes und aggressives Auftreten gegenüber den >höheren Beamten. Als >Politischer muß man sich immer klar sein, daß man für die Systemschergen Feind ist, also muß man in ihnen auch den Feind sehen. ... Sie sind Charakterschweine und Schreibtischtäter.“ Abrufbar war der Artikel „Verhalten in Haft“ auch im neonazistischen Mailbox- Datenverbund „Thule“.

Um auch die inhaftierten Gesinnungsfreunde in die facettenreichen Neonazistrukturen weiter einzubinden, wird die „Gründung von Knastkameradschaften“ propagiert. Aufgerufen haben dazu u.a. die knasterfahrenen Aktivisten Axel Schoppmann, Martin Küpper und Maik Fischer (O-Ton Fischer: „Ich bin stolz auf mein Vaterland, und wer mir das verbieten will, muß erst noch geboren werden!“) im „Umbruch“, dem „Brauner Ausguck“ des österreichischen Hitler-Verehrers Karl Polacek und in den „Nachrichten“ der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“ (HNG). Die 1979 gegründete HNG zählt mit rund 340 Mitgliedern - neben den „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) - zur mitgliederstärksten und einflußreichsten Organisation im bundesdeutschen Neonazi-Geflecht.

Nach Auffassung von Schoppmann und Konsorten muß der „politische Kampf“ im Knast mit „anderen Mitteln“ fortgesetzt werden. Die inhaftierten Kameraden werden dazu aufgefordert, sich im „Knast“ politisch weiterzubilden und Kontakte zu Kameraden in anderen „Knästen“ aufzunehmen. Materielle Unterstützung müsse von „draußen“ erfolgen, während „moralische Solidarität“ von Kameraden „drinnen“ geleistet werden solle. Der Aufruf an die „Kameraden in den Systemknästen schließt mit folgendem Appell: „Wir müssen in die Offensive gehen! Wir müssen intelligenten nationalen Widerstand in den Knästen leisten! Drinnen und >draußen eine Front!“ Als Kontaktadresse fürdie interessierten Kameraden dient die Adresse von Schoppmann, mehrfacher Leserbriefschreiber in der „Jungen Freiheit“ (JF). Zu Beginn dieses Jahres schwadronierte der ehemalige Bundeswehrsoldat Schoppmann in der JF über den „Abbau des Soldatischen“, der „bis weit in das Offizierskorps“ hineinreiche. Entsetzt zeigte er sich „über die innere Lage der Truppe“: „Befehle wurden nicht ausgeführt, sondern ausdiskutiert. Das lag zum einen an der Schulbildung der Rekruten (z.T. Abiturienten), zum anderen aber auch an der mangelnden Vorbildfunktion der Vorgesetzten.“ Aus rechtskräftig verurteilten rechtsextremistischen Straftätern werden in den HNG-Nachrichten „politisch Verfolgte“, deren Meinung „den derzeit Herrschenden nicht in das Konzept passen kann.“ Der Berliner Neonazi Marcus Alexander Bischoff (Aktivist der verbotenen FAP), der am 13. September 1994 vom Berliner Landgericht wegen „Vorrätighaltens zur Verbreitung“ rechtsextremistischer Propagandaschriften zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, wird so zum „politischen Dissidenten“ gekürt. Die HNG über Bischoff, der sich ab dem 16. August für rund zwei Monate im Hungerstreik befand: „Marcus kämpft einen Kampf für uns alle“.

Regelmäßig rufen die HNG-Nachrichten in jüngster Zeit dazu auf, die „repressive und antidemokratische Zensurpolitik der brd-Justiz“ nicht mehr „unwidersprochen“ hinzunehmen. Auch die „Gefangenenhilfe der Nationalen e.V.“ (Sitz im Ostberliner Bezirk Lichtenberg) fordert in einem Flugblatt selbstbewußt die „Freilassung aller nationalen politischen Gefangenen der BRD“. Verantwortlich für das Flugblatt zeichnet Walter Menz, Redaktionsmitglied der „Berlin-Brandenburger Zeitung“, dem Mitteilungsblatt der „Nationalen“.

Der Wunsch nach Zuspruch macht auch vor braungesinnten Frauen, deren Ehemänner inhaftiert sind, nicht halt. So wollen die neonazistischen Kameradinnen Michaela Kiese (Ehefrau von Martin K., FAP), Sylvia Endres (verheiratet mit Gerhard Endres, VAPO) und Martina Dampf Familien, deren Männer im Knast sind, „wenigstens moralisch zur Seite stehen“. In der „Freien Stimme“, einer Publikation der Sauerländer Aktionsfront“, lamentieren sie lauthals über die bisherige Lage, die sie nun gemeinsam ändern wollen: „Im Gegensatz zu anderen >Problemgruppen

Kategorien
Tags