Klartext bei der NPD

Die NPD träumt vom erstmaligen Einzug ins Europaparlament. Was sie von Europa hält, wurde bei einem Auftritt ihres Vorsitzenden Udo Pastörs beim politischen Aschermittwoch seiner Partei in Meißen deutlich.

Freitag, 07. März 2014
Tomas Sager

Einer Mitteilung der NPD zufolge „geißelte“ Pastörs in einer „flammenden Rede“ das „EU-Gebilde der Banken, Konzerne und Bürokraten, das mit dem Europa der Völker und Kulturen nicht das Geringste gemein habe“. Die „Freiheit der Völker“ müsse erst wieder politisch erkämpft werden, meint Pastörs. Dabei seien „die Gemeinschaftskräfte ethno-kulturell intakter Völker die große Triebfeder“. Er warf „Eurokraten“ und „Völkerfeinden“ vor, „genau diese nationalen Gemeinschaftskräfte durch die planvolle Förderung von Verausländerung, Islamisierung und Asylbetrug auslöschen“ zu wollen.

Gedacht war die Veranstaltung in Meißen offenbar auch als früher Auftakt zum sächsischen Landtagswahlkampf. Am vorigen Wochenende hatte die NPD ihre Kandidatenliste gewählt. Angeführt wird sie von Landeschef Holger Szymanski, der inzwischen auch die Führung der sächsischen NPD-Landtagsfraktion übernommen hat. Auf den folgenden Plätzen der Liste sind mit Johannes Müller, Arne Schimmer, Alexander Delle, Mario Löffler, Jürgen Gansel und Gitta Schüßler sechs weitere Mitglieder der aktuellen Fraktion zu finden. Aus der Riege der derzeitigen NPD-Abgeordneten fehlt nur Andreas Storr auf der Liste. Von den neuen Parlamentariern – sollte es überhaupt für das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde reichen – erwartet die NPD offenbar, dass sie mehr Geld abliefern: Der Parteitag habe sich auf eine „freiwillige Ehrenerklärung“ verständigt, in der die „Erwartungen“ hinsichtlich der finanziellen Unterstützung durch die Mandatsinhaber formuliert worden seien.

Weitere Aschermittwochsveranstaltungen organisierte die NPD im Saarland und in Bayern, An der Saar traten Europa-Spitzenkandidat Udo Voigt und Olaf Rose, Zweiter auf der Kandidatenliste für die EU-Wahl, auf. Parteivize Karl Richter sprach in Deggendorf. Für die besonders radikalen Töne in der niederbayerischen Stadt war offenbar der stellvertretende Landesvorsitzende Sascha Roßmüller zuständig, der einen „Exodus babylonischer Völkerschaften vom Balkan nach Deutschland“ beklagte.

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