„Keine weitere Entnazifizierung der NPD!“ – Thomas Wulff greift Parteivorstand an

Der bekennende „Nationalsozialist“ und ehemalige NPD-Landesvorsitzende Thomas Wulff wehrt sich gegen den beabsichtigten Rauswurf aus der Partei. In einem öffentlich gemachten Brief kritisiert der Hardliner Bundeschef Pastörs und den Parteivorstand scharf. Abgeschickt hat Wulff das Beschwerde-Schreiben am Sonntag – Hitlers Geburtstag.

Dienstag, 22. April 2014
Redaktion
Der umstrittene Neonazi Thomas Wulff geht in die Offensive
Der umstrittene Neonazi Thomas Wulff geht in die Offensive
Noch unter der Führung von Ex-Parteichef Holger Apfel leitete der Parteivorstand der NPD ein Parteiausschlussverfahren gegen Thomas „Steiner“ Wulff ein, vor gut zwei Wochen verlor er seinen Posten als Landesvorsitzender in Hamburg. Jetzt wehrt sich der Neonazi-Kader gegen die Maßnahmen seiner Partei. Auf der Internetseite des bayerischen Kameradschaftsnetzwerkes „Freies Netz Süd“ wurde ein von Wulff verfasster Brief veröffentlicht, in dem er Beschwerde gegen das Ausschlussverfahren seiner Person einlegt. Darin nimmt der Hamburger kein Blatt vor den Mund und greift sowohl den Bundesvorsitzenden als auch den Parteivorstand scharf an.

Als „Nationalsozialist“ in der NPD Wulff greift die Äußerung auf, für die er parteiintern am stärksten kritisiert wurde und die wohl auch in der öffentlichen Wahrnehmung die größte Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Im März löste der Hardliner den so gut wie nicht in Erscheinung getretenen Landesvorsitzenden Torben Klebe ab und übernahm den Landesvorsitz. Auf der dortigen Rede bezeichnete sich das Noch-NPD-Mitglied als „Nationalsozialist“ und bestätigte dies dann auch gegenüber Spiegel Online: „Ja, ich habe mich in meiner Vorstellungsrede als Nationalsozialisten bezeichnet. Die Leute müssen wissen, wo ich zu verorten bin.“ Der Parteivorstand nahm diese Aussage – zumindest offiziell – als Grund für die Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens. Wulff schreibt jetzt in dem Brief, dass man „auch als Nationalsozialist in dieser Partei wirken kann, solange man sich zu Parteiprogramm und Satzung bekennt.“ Ohnehin sei dieser Schritt, der Verbotsbefürwortern keinen neuen Zündstoff liefern soll, unnötig. Die Rede Wulffs war nicht öffentlich, eine „leichtfertige Gefährdung unserer Partei in einem laufenden Verbotsverfahren“ sei dem Neonazi zufolge nicht zu erkennen. 

Hardliner gegen Hardliner Dann richtet sich Wulff an die Vorstandsmitglieder der NPD und teilt weiter aus: Deren „wohlfeile devote Haltung und politische-organisatorische Selbstbeschneidung nach innen wie nach außen“ sei – auch im Zuge eines Verbotsverfahrens – „ein großer Irrtum“. Auch seien die meisten Personen im Vorstand „von den Vorzügen einer Partei mit Landtagsmandatierungen geprägt oder haben gar erst nur wegen dieser in unsere Reihen gefunden“.


Pastörs und Wulff gemeinsam auf dem Dresdner „Trauermarsch“ 2011

Auch bei Bundeschef Udo Pastörs, um den es in den vergangenen Wochen merklich ruhig geworden ist, spart Wulff nicht an Kritik. So bezeichnet er dieses mehrfach als „Aushilfs- bzw. Übergangsvorsitzenden“ und spielt darauf an, dass der 61-Jährige auf einem dafür notwendigen Bundesparteitag bislang nicht offiziell gewählt wurde. Auch hätte der Hamburger „diesen Leuten (z.B. Udo Pastörs) eher die Dümmlichkeit ihrer Äußerungen vorgehalten“. Damit spielt der geschasste Landesvorsitzende wohl auch auf Pastörs´ Äußerungen während einer Aschermittwochsrede an, die später auszugsweise öffentlich wurden und auch im Verbotsantrag wiederzufinden sind. Um sich ideologisch erneut klar zu positionieren, das „Freie Netz Süd“ hebt den Umstand ebenfalls hervor, schickte Wulff das Schreiben an den Vorstand am 20. April ab – dem 125. Geburtstag Adolf Hitlers. Sich selbst sieht er weiterhin als „Landesvorsitzenden im LV Hamburg“ und fordert : „Einstellung der Sanktionen gegen meine Person! Keine weitere Entnazifizierung der NPD!“ Ob sich der Parteivorstand davon bekehren lässt, bleibt fraglich.   
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