von Oliver Cruzcampo
   

„Katastrophaler Gesamtzustand“: NPD-Vorstandsmitglied schmeißt hin

Ein hochrangiges NPD-Bundesvorstandsmitglied zieht sich zurück und rechnet öffentlich mit der Neonazi-Partei ab: In dem Schreiben attestiert Baldur Landogart der NPD einen „katastrophalen Gesamtzustand“. Der dem völkischen Flügel zuzurechnende Aktivist wollte für den Bundesvorsitz kandidieren, habe sich seitdem jedoch mehreren Intrigen ausgesetzt gefühlt.

Landogart wollte Bundesvorsitzender werden, zieht sich jetzt jedoch zurück

Der Funktionär Baldur Landogart zieht sich aus dem Bundesvorstand der mit anhaltendem Bedeutungslosigkeit zu kämpfenden NPD zurück. In einem Freitagabend auf Facebook veröffentlichten Statement begründet Landogart, der eigentlich Tobias Schulz heißt, seinen Rücktritt vom Parteipräsidium und -vorstand.

Landogart beschreibt den Zustand seiner Partei, der er vorerst auch weiterhin angehören will, als „desaströs“, zu keinem anderen Zeitpunkt der Parteigeschichte sei die Lage derart schlecht gewesen. Es folgt eine ausführliche Darlegung der zahlreichen Probleme, mit denen die NPD derzeit zu kämpfen habe.

Fähige Mitglieder gehen von Bord

Die rechtsextreme Partei sei laut Landogart über viele Jahre „die Speerspitze und das Zentrum des nationalen Widerstandes“ gewesen – und ergänzt: „lange bevor es eine IB oder AfD gab“. Viele Parteimitglieder hätten darauf gehofft, dass sich die AfD „entzaubern und die Leute würden wieder zu uns zurückkehren“ würden. Das sei jedoch ein Irrtum gewesen und die NPD würde als Wahlpartei „keine großen Chancen mehr besitzen“. In der Tat unterschreiten die „Nationaldemokraten“ bei den letzten Wahlen regelmäßig die Ein-Prozent-Hürde, die zumindest finanzielle Mittel garantieren würde. Bei der Europawahl kam die NPD lediglich auf 0,3 Prozent, das letzte relevante Mandat, dass der ehemalige Parteivorsitzende Udo Voigt inne hatte, ging verloren.

Zudem habe Landogart sich um den Parteivorsitz bewerben wollen. Zu der Kandidatur hätte ihn vor allem Parteivize Thorsten Heise bewegt, so der NPD-Mann. Die Art und Weise, wie er seit der Ankündigung behandelt wurde, hätte ihn allerdings „an die Periode eines Holger Apfels und seine Methoden“ erinnert, Landogart spricht von „kontraproduktiven Verhaltensweisen“. In den letzten Jahren seien zudem zu viele fähige Parteimitglieder von Bord gegangen, so dass Landogart ohnehin kein geeignetes Team hätte zusammenstellen können.

Damit „aus dem Kadaver endlich wieder Neues erwacht“

Der Designer wurde Ende 2015 in den Bundesvorstand der NPD gewählt und ist seitdem vor allem für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Anfang 2018 wurde innerhalb der NPD ein „Völkischer Flügel“ ins Leben gerufen, für diesen zeichnet vor allem Thorsten Heise verantwortlich. Doch auch Landogart gehörte zu den prominenteren Erstunterzeichnern. Die Gruppe wurde als Gegenstück zu Parteichef Frank Franz gewertet, der vor allem gemäßigtere Mitglieder um sich positioniert hat. Vom „Völkischen Flügel“ ging seitdem jedoch so gut wie keine Aktivität aus, Franz schadete er kaum.

Auf Landogarts Rückzug reagierten etliche Personen, die sich bereits in den vergangenen Monaten und Jahren von der NPD zurückgezogen haben. Laut Matthias Heyder, ehemaliger Landesvorsitzender aus Sachsen-Anhalt, müsste jemand „die Partei ins Verbot (...) führen, damit „aus dem Kadaver endlich wieder Neues erwacht.“ Selbst der stellvertretende Parteivorsitzende Stefan Köster schreibt von einem „Niedergang der NPD“. Und Die Rechte-Kader Michael Brück ergänzt: „Von einer schlagkräftigen, nationalen Bewegung, (...) sind wir aktuell weiter entfernt, denn je.“

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