von Oliver Cruzcampo
   

Kameradschaftsszene: Fackelmarsch durch Güstrow

Am Wochenende hatte die Neonazi-Szene zu einer Demo nach Güstrow mobilisiert, dem Aufruf folgten allerdings nur rund 60 Anhänger. Zwischenzeitlich wurde der Aufmarsch zudem mehrfach blockiert. In der Nacht zuvor kam es zu einem Buttersäure-Anschlag bei der Linken-Politikerin Karen Larisch – diese wird seit Jahren immer wieder von Neonazis bedroht.

Lediglich 60 Neonazis folgten dem Aufruf am Samstagabend, die Organisatoren dürften sich mehr erhofft haben.

Rund 60 Neonazis versammelten sich am Samstagabend am Güstrower Hauptbahnhof. Unter dem Motto „Keine Steuergelder für den Migrationswahnsinn“ zogen die Teilnehmer anschließend durch die Barlachstadt. Auf einer Zwischenkundgebung wandten sich zwei Teilnehmer an die eigene Anhängerschaft, die Reden überraschten indes kaum.

Nils Matischent, ehemaliger NPD-Stadtvertreter, eröffnete mit einer kurzen Rede. Inhaltlich drehte es sich – wie in den letzten Jahren immer wieder – um das Thema Migration. Schließlich monierte Matischent noch eine vermeintlich aufgezwungene Veränderung der „blumigen deutschen Sprache“ und sprach beispielhaft davon, dass „Faust, Goethe, Schiller und die Gebrüder Mann uns wohl für bekloppt“ erklären würden. Zweiter Redner am Abend war Frank Kruse, der dem „Freiheitlichen Bündnis Güstrow“ zuzuordnen ist.

Neonazi-Demo GüstrowFotos der Neonazi-Demo in Güstrow auf Flickr

Die Teilnehmer der rechtsextremen Demonstration reisten vor allem aus dem Raum Güstrow und Bützow an, vertreten war in erster Linie die Kameradschaftsszene. Funktionäre der NPD waren am Samstagabend nicht anzutreffen, auch Mitglieder der Rostocker Kameradschaft um den „Aktionsblog“ blieben dem Fackelmarsch fern. Vor Ort war hingegen Enrico Naumann, ehemals Organisator der Mvgida-Demos und seit einigen Monaten offenbar Anführer eines regionalen „Soldiers of Odin“-Ablegers.

Buttersäureanschlag auf Landtagsabgeordnete

Unter anderem hatte das „Aktionsnetzwerk Demokratie Güstrow“ zu Protesten gegen die Demo mobilisiert, etwa 80 Neonazi-Gegner hatten sich in der Barlachstadt eingefunden und konnten sich immer wieder vor dem rechten Aufmarsch platzieren und diesen so mehrfach verzögern. Die meisten Kräfte zog die Polizei dafür ab, so dass der Neonazi-Zug teilweise nur von einer Handvoll Polizeibeamter begleitet wurde.

In den frühen Morgenstunden war es bereits zu einem Angriff auf die Linken-Landtagsabgeordnete Karen Larisch gekommen. Unbekannte hatten eine Flüssigkeit, bei der es sich vermutlich um Buttersäure handelt, im Hauseingang und auf den Briefkästen verschüttet. Die Polizei sucht nun nach Zeugen.

Larisch engagiert sich seit Jahren gegen rechtsextreme Umtriebe in der Region und wird regelmäßig aus dem lokalen Kameradschaftsumfeld angefeindet, mehrfach musste sie unter Polizeischutz gestellt werden.

Kommentare(2)

Max Mittwoch, 23.Januar 2019, 20:27 Uhr:
Wenn Goethes Faust durch Bäume schillert......
 
Irmela Mensah-Schramm Freitag, 25.Januar 2019, 09:51 Uhr:
Nachdem nun endlich mal in der kleinen Bahnhofsunterführung der geschmierte Nazi -Dreck überstrichen worden war, ließ es nicht lange auf sich warten, die Ekel - Botschaften zu erneuern. Darunter auch eine Menge strafrechtlich relevante NS - Symbole !
Am 23.1. war Schluss damit, dafür habe ich gesorgt!

 

Die Diskussion wurde geschlossen