Justizbekannter rechtsextremer Ratsherr

Mönchengladbach -  Der frühere „pro NRW“-Funktionär und Mitgründer der„Hooligans gegen Salafisten“, Dominik Roeseler, wurde erneut zu einer Geldstrafe verurteilt.

Donnerstag, 28. Mai 2020
Redaktion

Das Amtsgericht Mönchengladbach verurteilte den unterdessen parteilosen Ratsmann wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 2.250 Euro. Dies berichtet die „Rheinische Post“ (RP). Grund dafür war die Publikation einer Grafik auf Roeselers Twitter-Account. Im Stile eines Warnschildes waren dabei ein einfahrender Zug, eine stoßende und eine fallende Person nebst der Warnung „Vorsicht, schubsende Migranten“ zu sehen. Anlass für die Veröffentlichung war offenbar der Mord an einem Kind in Frankfurt durch einen psychisch kranken Mann aus Eritrea.  Roeseler hatte nach der Tat einen rechtsextremen und fremdenfeindlichen Aufmarsch in Mönchengladbachorganisiert. (bnr.de berichtete)

Der Rechtsextremist ist ehemaliger stellvertretender Vorsitzender von „pro NRW“, Mitbegründer der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), oft Anmelder von und Redner auf Versammlungen. Sein Aktionismus brachte Roeseler mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt, etwa wegen der Beschimpfung des früheren NRW-Innenministers Ralf Jäger (bnr.de berichtete) oder weil er den Propheten Mohammed als „Kinderficker“ bezeichnete. (bnr.de berichtete) Weil Roeseler Muslimas als „Kopftuch-Tussis“ und „Burka-Schlampen“ tituliert hatte, wurde er erstinstanzlich wegen Beleidigung und Verletzung des Rechts am eigenenBildverurteilt. (bnr.de berichtete)

Aufmärsche und Kundgebungen in Serie

Der zur Selbstdarstellung neigende Roeseler ist Chef des rechtsextremen Vereins „Mönchengladbach steht auf“. Als selbst ernannter Chefredakteur seines „Deutsche Patrioten TV“ veröffentlichte er kürzlich das „Corona-Lied“, eine Kooperation von Musikern aus der neonazistischen Szene. (bnr.de berichtete) Während seine Besuche von Ratssitzungen seit den Kommunalwahlen 2014 äußerst selten waren, überzieht Roeseler seine Heimatstadt und andere Städte in Nordrhein-Westfalen mit Aufmärschen und Kundgebungen. Aktuell gibt es eine Serie von Aktionen und Versammlungen gegen die Corona-Einschränkungen und – angeblich! – für den Erhalt des Grundgesetzes. (bnr.de berichtete)

Roeselers Aufmärsche richteten sich indes meist gegen Migranten oder Muslime. Im Frühjahr 2019 organisierte er einen Aufmarsch gegen einen Moscheebau. Zeitnah war es zu einem Anschlag mit einem abgetrennten Schweinskopf, mutmaßlich dem Vergießen von Schweineblut, dem Schmieren der Losung „Odin statt Allah“ sowie eines Hakenkreuzes auf die Baustelle gekommen. Laut RP wird Roeseler vorgeworfen, zwei gesondert Angeschuldigte in einem Chat zu der Aktion mit dem Schweinskopf aufgefordert zu haben. Laut RP liege dazu eine Anklageschrift gegen Roeseler vor, über deren Zulassung habe das Amtsgericht allerdings noch nicht entschieden. Roeseler bestritt gegenüber der RP den Vorwurf, die beiden ehemaligen Vereinsmitglieder von „Mönchengladbach steht auf“ zu der Tat angestiftet zu haben. (mik)

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