von Marc Brandstetter
   

Jugendschützer registrieren Höchststand bei Neonazi-Webangeboten

Die Initiative „Jugenschutz.net“ gehört zu den schärfsten Waffen in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. Mehr als 50.000 Internetangebote überprüfen die Mitarbeiter jährlich auf der Suche nach brauner Propaganda oder nach Darstellungen sexuellen Missbrauchs. Gestern legte „Jugendschutz.net“ den neuen Jahresbericht vor. Mit einer klaren Tendenz: Neonazis setzen vor allem auf die Sozialen Netzwerke.


Der gestern vorgestellte Bericht für das Jahr 2012 der Initiative „Jugendschutz.net“ zeigt überdeutlich, dass das Internet für die rechtsextremistische Bewegung eine herausragende Stellung besitzt. Während die klassischen Seiten an Einfluss verlieren und ihre absolute Zahl zurückgeht (von 1.671 [2011] auf 1.519), stieg die Zahl rechtsextremistischer Beiträge in den Sozialen Netzwerken wie Facebook, YouTube und Twitter hingegen um rund die Hälfte. Im letzten Jahr registrierten die Jugendschützer so viele rechtsextremistische Webangebote wie nie zuvor.

Die Tendenz, Angebote jugendaffin zu gestalten, als unverdächtig zu tarnen und aktuelle Themen für rassistische Kampagnen zu instrumentalisieren, bleibe ein wichtiges Charakteristikum, konstatiert das 28 Seiten umfassende Schriftstück. Vermehrt würden im öffentlichen Raum sogenannte QR-Codes platziert, um Interessenten auf Szeneportale zu locken. Eine Strategie, die Erfolg verspricht. Dies zeigten nicht zuletzt die hohen Klickraten zentraler Videos und Profile.

Auch ein weitere Trend halte nach Aussage von „Jugendschutz.net“ an: Subversive Kampagnen hätten Konjunktur. „Vor allem die so genannten Identitären nutzten 2012 multimediale Auftritte im Social Web, um jugendliche Anhänger zu ködern. Ihre rassistische Ausrichtung kaschierten sie mit zukunftsorientierten Aussagen und suchten inhaltlich Anschluss an ein breites gesellschaftliches Spektrum“, warnen die Experten.  

Mehr als 52.000 Internetangebote überprüfte die Initiative im letzten Jahr. Mit 36.161 Sichtungen lag auch hier der Fokus auf den Angeboten des Web 2.0. Dabei wurden 10.809 Verstöße registriert, von denen nur 27 Prozent auf deutschen Webseiten zu finden waren. Die Stelle erhielt über 10.000 Beschwerden und Anfragen. Ein Fünftel davon bezog sich auf rechtsextremistische Phänomene.


Foto: Screenshot Facebook

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