Jugendknast für früheren KAL-Anhänger

Aachen – Einer der beiden Aachener Neonazis, die im Februar 2011 wegen des Bauens von Sprengkörpern verurteilt wurde, ist nun vor dem Amtsgericht Aachen wegen Raub und Körperverletzung verurteilt worden.

Montag, 16. Januar 2012
Redaktion

Das Gericht sah es am heutigen Montag als erwiesen an, dass Falko W. (21) im August 2011 seinem 45 Jahre alten Onkel bei einem Raubüberfall auf eine 56-Jährige geholfen hat. Die Frau war in ihrer Wohnung von W. überwältigt worden, während der drogenabhängige Onkel nach den dort vermuteten 20.000 bis 50.000 Euro suchte. Beide Täter waren maskiert, W. hatte das Opfer am ganzen Körper verletzt – unter anderem trug die Frau zwei gebrochene Rippen und Kopfverletzungen davon. Der Onkel hatte Nachbarn mit Pfefferspray attackiert.

Unter Einbeziehung einer weiteren Haftstrafe muss der 21-jährige W. nun für drei Jahre und zehn Monate in Jugendhaft. W. selbst war langjähriger Anhänger der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) und will sich seit geraumer Zeit aus der Neonazi-Szene gelöst haben. Das Landgericht Aachen hatte den Heranwachsenden und einen „Kameraden“ im Februar 2011 wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung verurteilt. Das Gericht sah es seinerzeit als erwiesen an, dass W. und Daniel T. Sprengkörper aus pyrotechnischen Gegenständen und Glasscherben gebaut hatten, die am 1. Mai 2010 in Berlin bei einem Neonazi-Aufmarsch gegen Polizisten und Gegendemonstranten eingesetzt werden sollten.

Der seit seinem 15. Lebensjahr mehrfach strafrechtlich aufgefallene 21-jährige W. war im Februar vergangenen Jahres nach Jugendstrafrecht unter Einbeziehung eines früheren Urteils wegen Körperverletzung insgesamt zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Hätte W. sich sechs Monate während der Vorbewährung in einer Aussteiger-Wohngruppe bewährt, dann wäre die gegen ihn verhängte Haftstrafe in eine Bewährungsstrafe umgewandelt worden. Im Laufe jener Vorbewährungszeit war W. indes wieder straffällig geworden. Das Urteil aus 2011 wurde in die am Montag verhängte Haftstrafe einbezogen. (mik)

 

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