von Mathias Brodkorb
   

Jürgen Elsässer und sein Magazin "Compact" - Der Gottfried Feder des 21. Jahrhunderts?

Im Dezember 2010 startete ein ungewöhnliches Projekt. Der linke Nationalstaatsverteidiger und umstrittene Publizist Jürgen Elsässer brachte mit "Compact" ein neues politisches Hochglanzmagazin auf den Markt. Ab Mai 2011 soll das nun sogar monatlich erscheinen und dabei eine Brücke zwischen links und rechts schlagen.


Elsässer, vor ein paar Jahren noch radikaler Vordenker der Antideutschen, hat die Nase gehörig voll - von politischen pawlowschen Reflexen, Denkverboten und der political correctness. Dass das allerdings nicht nur inhaltliche, sondern auch habituelle Gründe hat, kann jeder wissen, der ein einziges Mal selbst mit Elsässer gesprochen hat. Der Mann liebt nicht nur die inhaltliche Kontroverse, sondern auch die Selbstinszenierung, nicht nur das Kreuzen argumentativer Klingen, sondern auch die Provokation. So stößt er denn schon einmal mit einem Piccolo auf jeden in Lybien "abgeschossenen NATO-Jet" an oder tituliert oppositionelle iranische Demonstranten als "Strichjungen des Finanzkapitals".

In der politischen Linken macht sich Elsässer mit dererlei Ungehörigkeiten keine Freunde. Und was tut der Ex-Autor von "Konkret", "Junge Welt", "Jungle World" und "Neues Deutschland" daraufhin? Er gründet einfach sein eigenes Magazin und macht sich damit publizistisch unabhängig, zumal mit dem Kai Homilius Verlag auch noch ein potenter Verlag als Partner zur Seite steht. Die "Nullnummer" aus dem Dezember 2010 schmückte, wie konnte es anders sein, der - jedenfalls von links besehen - sozialdemokratische Skandalautor Thilo Sarrazin. Was Elsässer im Editorial versprach, klang ambitioniert. Es gehe um die "Lust an der Debatte", um das Aufeinandertreffen von "Pro und Contra". Das sei nur zu haben, so der Ex-Antideutsche, wenn der Linke damit beginne, "mit dem Rechten zu diskutieren. (...) Die Tabus müssen fallen. Sonst stirbt dieses Land an intellektueller Austrocknung."

Für Elsässers Sehnsucht nach einer politischen Debatte mit Niveau jenseits intellektuell unterirdischer Beißreflexe kann man dabei durchaus Verständnis haben. Eben jene wurden denn prompt auch von links gegen ihn und sein jüngstes Baby mobilisiert. Die Internetseite "hagalil" machte ihn zum "Rechtspopulisten" und schreckte auch nicht davor zurück, seine Attacken gegen das Finanzkapital mit den Auswüchsen des NS-Chefantisemiten Gottfried Feder gleichzusetzen. Es gab noch Zeiten, in denen hätte das als geschmacklose Verharmlosung des "Hitler-Faschismus" gegolten. Und auch die taz war sich nicht zu schade, einen Autor der Nullnummer zu einem Verherrlicher von Rudolf Heß zu machen - eine Unterstellung, die prompt mit einer Gegendarstellung aus der Welt geschafft werden musste.

Geht es eigentlich auch eine Nummer kleiner? Natürlich nicht. Immerhin konnte Elsässer bereits in der Nullnummer mit einigen Überraschungen aufwarten, so zum Beispiel mit einem kleinen Text von Roger Willemsen. Der hatte zwar für "Compact" gar keinen eigenen Artikel geschrieben, sondern lediglich einem Abdruck aus seinem neuen Buch zugestimmt, aber wenn man unliebsame Stimmen vom Medienmarkt fernhalten will, gibt es in Deutschland nun einmal keine bessere Option, als Adolf Hitler wieder auszugraben. "Mit den Hintergründen der Co-Autoren konfrontiert, sagt Willemsen: 'Das ist in der Tat verstörend und wirft einige Fragen auf', etwa: 'Warum ich?' Er sei wohl 'zu vertrauensselig'" gewesen, berichtet der taz-Autor Rene Martens sichtlich zufrieden. Dass es eben jene "Hintergründe der Co-Autoren" waren, zu denen die taz anschließend eine "Berichtigung" veröffentlichen musste, wird man in der Rudi-Dutschke-Straße wohl als publizistische "faux frais" verbuchen.

Allerdings sind schon diese Vorgänge ein deutliches Anzeichen dafür, dass Elsässers Projekt - ein links-rechtes Diskursmagazin mit Niveau zu etablieren - wenig Chancen auf Erfolg hat. Dafür spricht zum Beispiel die Tatsache, dass schon die Nullnummer keinen einzigen namhaften Linken aufzubieten hatte - denn der Historiker Hans-Ulrich Wehler darf zwar als "namhaft", aber in Elsässers Welt doch wohl kaum als "links" gelten. Stattdessen gaben sich konservative Autoren und Gesprächspartner die Klinke in die Hand: Martin Lohmann, Peter Scholl-Latour sowie der Libertäre André F. Lichtschlag. Die kann man, wenn man will, alle regelmäßig auch in der Wochenzeitung "Junge Freiheit" wieder finden - so wie JF-Chefredakteur Dieter Stein persönlich, der Elsässer bei der öffentlichen Präsentation seines Magazins am 6. Dezember 2010 in Berlin beistand

An der Schlagseite in Richtung Steuerbord änderte sich auch in der Nr. 2 von "Compact" gar nichts. Darin fand sich nämlich kein Interview mit Gregor Gysi oder meinetwegen Wolfgang Fritz Haug, sondern eines mit Hans-Olaf Henkel und eines mit dem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordnten Jürgen Todenhöfer. Sinnfälligstes Anzeichen für das Dilemma, in dem Elsässer sich befindet, ist denn auch der Anzeigenteil: Dieser wird nun nicht mehr nahezu ausschließlich vom Kai Homilius Verlag bestritten, sondern um den rechten Ares-Verlag und die "Preußische Allgemeine Zeitung" ergänzt. Dass auch der israelkritische Publizist Abi Melzer eine kleine Anzeige beisteuert, vermag das Gesamtbild kaum zu korrigieren.

Ein wenig erinnern Elsässers Bemühungen dabei an das Magazin "Wir selbst" des Rechts-Renegaten Henning Eichberg. Auch dieser machte über Jahre hinweg den Versuch, in Deutschland ein Debattenorgan "jenseits von links und rechts" zu etablieren. Während Eichberg jedoch nur gegen ein Hindernis zu kämpfen hatte, nimmt es Elsässer gleich mit zweien auf einmal auf:

     

  • Da wäre einerseits die offenkundige Unfähigkeit vieler Linker zum "herrschaftsfreien Diskurs der Intellektuellen". Das war durchaus einmal anders, wenn man bspw. noch an die großen Debatten zwischen Theodor W. Adorno und Arnold Gehlen über Anthropologie erinnern darf. Während also Linke häufig wie die scheuen Rehe vor der öffentlichen Debatte mit dem politischen Gegner davonlaufen - obwohl sie doch stets und zugleich behaupten, die besseren Argumente auf ihrer Seite zu haben -, wird die Rechte allein deshalb diskursbereit sein, weil sie politisch marginalisiert ist und daher nach jedem Strohhalm greift. Elsässer wird folglich immer interessante Rechte, aber kaum spannende Linke finden, die bei seinem Magazin mitmachen. Das liegt übrigens auch ein wenig an seiner kaum zu bändigenden Lust zur Grenzüberschreitung.
  • Da wäre anderseits die Tatsache, dass Eichberg stets auf ein intellektuelles Publikum abzielte, während Elsässer mit seinem Magazin auch noch die Kioske erobern will. Nach seinen Angaben scheint dies auch erfolgreich zu gelingen, konnte die Auslieferung mit der zweiten Nummer doch angeblich nahezu verdoppelt werden. Ein Magazin jedoch, das sich an ein Massenpublikum richtet, muss sich nicht nur hinsichtlich seiner Intellektualität bescheiden, sondern vor allem viel (tages)politischer agieren, als es sich ein echtes theoretisches Debattenmagazin leisten kann. Und eben dieser Zwang zur tagesaktuellen Politisierung wirkt verstärkend auf die mangelnde Diskursfähigkeit zurück. Es ist schließlich kein Zufall, dass Politiker häufig erst dann zu strittigen und ungewöhnlichen Meinungen neigen, wenn sie sich aus ihren Ämtern längst verabschiedet, ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und sich endlich wieder trauen zu sagen, was sie wirklich denken.
  •  

Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, wenn Elsässer im Editorial zur zweiten Ausgabe den ursprünglichen Gründungszweck seiner Zeitschrift Schritt für Schritt hin zum Anti-Amerikanismus bzw. Anti-Imperialismus verschiebt und diese Hauptlinie zunehmend auch in den einzelnen Beiträgen wiederkehrt. Damit darf er in der Tat in Deutschland auf ein ausreichend großes zahlendes Publikum hoffen. In Sachen politischer Rationalität wären wir damit aber kein Stück weiter.

Kommentare(23)

Daniel D Montag, 25.April 2011, 13:32 Uhr:
@ Mathias Brodkorb

Dann bringen sie doch einmal einen Beleg für ihre These, dass die Bringschuld für einen herrschaftsfreien Diskurs ausschließlich bei den Linken liegt. Die Causa Sarrazin gibt das nicht her, denn etliche Linksintellektuelle, aber auch Liberale und Konservative haben versucht mit Sarrazin in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Man konnte dort einen alten Mann beobachten, der nicht fähig ist, auf Gegenargumente einzugehen und letztendlich immer auf die Statistiken in seinem Buch verweist, die angeblich niemand widerlegen konnte. Ist das die von ihnen angesprochene Diskursbereitschaft der Rechten? Überhaupt finde ich die These, von der Marginalisierung der Rechten im politischen Diskurs, krude. Auf die militante Neonazi Szene trifft es vielleicht zu. In diesen Kreisen sind Querfront-Strategien a la Eichberg oder Elsässer tatsächlich sehr beliebt, verspricht man sich doch von der Gleichsetzung mit den Linken eine Aufwertung. Leute wie Sarrazin, Henkel, Scholl-Latour etc., die mit ihren Meinungen kontinuierlich durch die Talkshows tingeln und Kommentare in renommierten Printmedien setzen können, lassen sich nur als gesellschaftlich-politisch marginalisiert darstellen, wenn man deren Selbstdarstellung, wackere Kämpfer gegen die politische Korrektheit zu sein, auf den Leim geht.
 
Mathias Brodkorb Montag, 25.April 2011, 14:16 Uhr:
@ Daniel D:

Ihr Argument ist nur logisch, wenn Diskursbereitschaft und Diskursfähigkeit identisch sind, dabei ist das eine die notwendige und das andere die hinreichende Bedingung eines gelingenden Diskurses. Was ich meine, ist etwas ganz anderes, nämlich das

http://www.tagesspiegel.de/berlin/tu-berlin-laedt-sarrazin-wieder-aus-/3716016.html

und das

http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5d2c8a893ad.0.html

Man darf daran erinnern: Wir befinden uns im 21. Jahrhundert!
 
Karl_Murx Montag, 25.April 2011, 15:59 Uhr:
@Mathias Brodkorb:
"So stößt er denn schon einmal mit einem Piccolo auf jeden in Lybien "abgeschossenen NATO-Jet" an oder tituliert oppositionelle iranische Demonstranten als "Strichjungen des Finanzkapitals".

Die unangemessene Polemik eines nicht uneitlen Selbstdarstellers. Aber ändert das Vorhandensein gewisser schlechter Charaktereigenschaften etwas an der substantiellen Richtigkeit der Aussagen?

"Er gründet einfach sein eigenes Magazin und macht sich damit publizistisch unabhängig, zumal mit dem Kai Homilius Verlag auch noch ein potenter Verlag als Partner zur Seite steht."

Mehr und mehr halte ich das für den einzigen Weg, um aus dieser Selbstgleichschaltung der Mainstreamberichterstattung herauszukommen, die von der linksgrünlastigen Sozialisation der einheimischen Journaille herrührt.

"Die Tabus müssen fallen. Sonst stirbt dieses Land an intellektueller Austrocknung."

Kann man an den Erzeugnissen der einheimischen Printmedien wie der TV-Berichte gut beobachten. Die Debatte über die Themen, die die Bevölkerung tatsächlich umtreibt, findet auf Grund der selbstverordneten, politisch-korrekten Schweigespirale nur in Randartikeln oder in Blogs wie hier statt. Wird in anderen Online-Foren oft genug zensiert, hier dankenswerterweise nicht.

"Die Internetseite "hagalil" machte ihn zum "Rechtspopulisten" und schreckte auch nicht davor zurück, seine Attacken gegen das Finanzkapital mit den Auswüchsen des NS-Chefantisemiten Gottfried Feder gleichzusetzen."

Manchmal ganz amüsant zu beobachten, wie inzwischen das eine Axiom der Politischen Korrektheit mit dem anderen kollidiert.

"Stattdessen gaben sich konservative Autoren und Gesprächspartner die Klinke in die Hand: Martin Lohmann, Peter Scholl-Latour sowie der Libertäre André F. Lichtschlag."

Peter Scholl-Latour ein Konservativer? Nur für jemanden, der Persönlichkeiten ungeprüft und reflexartig in Schubladen steckt. Kennt man seine Aussagen etwas näher, dann paßt da aus dieser Sicht nicht viel zusammen.

"•Da wäre einerseits die offenkundige Unfähigkeit vieler Linker zum "herrschaftsfreien Diskurs der Intellektuellen". Das war durchaus einmal anders, wenn man bspw. noch an die großen Debatten zwischen Theodor W. Adorno und Arnold Gehlen über Anthropologie erinnern darf."

Damals gab es dieses linksgrüne Deutungsmonopol in den Medien noch nicht. Es gab tatsächlich noch so etwas wie einen "Konservatismus", m.a.W., die Worte "Deutschland", "deutsche Intererssen" und "deutsche Nation" durften ausgesprochen werden, ohne sich schriftlich vor allem möglichen Zentralräten rechtfertigen zu müssen. Die 68er nennen das ja die "dumpfe Zeit", soll wohl heißen, der lange Marsch durch die Institutionen war noch nicht erfolgt, und der Öffentlichkeit waren noch nicht die Sprach- und Denkschablonen der Linken implantiert. Wenn das aber bedeutet, daß die Diskussion nicht derartig ideologisch vergiftet und unfrei ist, dann bin ich sehr gern "dumpf".

"Es ist schließlich kein Zufall, dass Politiker häufig erst dann zu strittigen und ungewöhnlichen Meinungen neigen, wenn sie sich aus ihren Ämtern längst verabschiedet, ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und sich endlich wieder trauen zu sagen, was sie wirklich denken."

Hüte dich vor alten Männern. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Siehe den Fall Sarrazin. Was sollte uns das sagen in bezug auf den Realitätsbezug seines Buches?
 
Daniel D Montag, 25.April 2011, 16:29 Uhr:
@ Mathias Brodkorb

Das Fehlverhalten von Linken war auch schon im 20.Jh. kritisierbar.
Ihre Differenzierung in Diskursbereitschaft und -fähigkeit mag korrekt sein, tut aber nichts zur Sache. In Ihrem Kommentar sprachen sie explizit von der "Unfähigkeit vieler Linker zum "herrschaftsfreien Diskurs der Intellektuellen" beizutragen. Deshalb frage ich Sie: Sind Sie der Meinung, dass Sarrazins Verhalten rund um die Veröffentlichung seines Buches, sein Gerede vom "Volkstod der Deutschen“, vom jüdischen Gen, der Vererbbarkeit von Intelligenz, der generellen Integrationsunwilligkeit bestimmter Einwandergruppen und dem Lancieren von Passagen seines Buches in Bild und Spiegel, die sich eindeutig dem Sprachduktus der NPD angenährt haben, ein guter Einstieg in den von Ihnen gewünschten Diskurs waren? Sicher haben viele linke Gruppierungen den Fehler begangen, sich auf die Diskursstrategie Sarrazins einzulassen und in den allgemeinen Tenor der moralischen Entrüstung über den "verkappten Neonazi" und "Hobbygenetiker" Sarrazin einzustimmen. So verständlich diese Reaktionen auch sind, können sie eine intellektuelle Auseinandersetzung jedoch nicht ersetzen. Ich denke, die in ihren Links thematisierten Aktionen von Studentengruppen sind Teil jener moralischen Empörung.
Eine Kritik an Sarrazin, die nicht seiner Selbstdarstellung als Tabubrecher auf den Leim geht, müsste selbstkritisch an bestimmten Entwicklungen unserer Gesellschaft des letzten Jahrzehnts ansetzen. Denn Sarrazins Leistung besteht darin zwei große Diskurse dieser Zeit zusammenzuführen. Das ist zum einen die liberal-konservative Islamkritik, die auf Huntingtons Kulturkampfparadigma beruht und zum anderen das Gerede von der Notwendigkeit des Wandels der Sozialstaatlichkeit im Zuge des demographischen Wandels und der verschärften Konkurrenzsituation Deutschlands innerhalb des Weltwirtschaftssystems. Letzteres hat die Schröder-SPD mit der Agenda 2010 gesellschaftsfähig gemacht. Deshalb reicht es nicht aus, wenn Gabriel "selbstkritisch" die Eugenikvorstellungen Sarrazins mit dem Hinweis zurückweist, dass diese Art der Politik in der ersten Hälfte des 20.Jh. leider auch von Sozialdemokraten getragen wurde, oder Sie versuchen, den Ball zu den "diskursunfähigen Linken" zurückzuspielen.
 
Birgit Kramp Montag, 25.April 2011, 17:42 Uhr:
Was meinen Sie mit dem Hinweis, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden? Darf eine Uni deshalb plötzlich nicht mehr frei darüber entscheiden, ob eine Veranstaltung abgesagt werden sollte oder nicht?

Ich gestehe, dass ich mir nur einen Teil der Diskussion zwischen Herrn Sarrazin und Herrn Edathy angesehen habe (aus Zeitgründen), aber wenn man einmal vom Mythos des zweifellos Erreichten von Herrn Sarrazin absieht, dann sehe ich einen älteren Menschen, der nach Antworten sucht, aber in dieser Diskussionswelt keine bekommt. Keine Antworten bekommen kann, denn in dieser Welt zählt noch immer ausschließlich der Intellekt. Nun, damit ist Herr Sarrazin zweifelsohne mehr gesegnet als manch anderer Mensch, aber auch dieser Reichtum ist hier ganz offenbar an seine Grenzen gestoßen. Somit bleibt seine Suche nach Antworten weiterhin nicht viel mehr als eine Irrfahrt. Diese Art von Fragen werden vermutlich solange nicht zufriedenstellend beantwortet werden können, wie die Menschen an der Auffassung festhalten, dass man Intellekt und Emotionalität trennen muss.

Und jetzt bin ich mal auf Ihre Diskussionsbereitschaft gespannt, besonders da ich vor einiger Zeit in der Ostseezeitung zufällig gelesen haben, dass Sie Bildungsexperte sind... ;-)
 
Mathias Brodkorb Montag, 25.April 2011, 19:11 Uhr:
@ Daniel D: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Sie von mir wollen. Ich konstatiere, dass es leider gar nicht so wenige Linke gibt, die diskursUNWILLIG sind und Veranstaltungen lieber sprengen, als sich einfach reinzusetzen und gesittet mitzudiskutieren, und Sie fragen mich, ob Sarrazin ein feiner Kerl ist? Das eine hat mit den anderen ja gar nichts zu tun. Aber nehmen wir einmal an, Sarrazin hätte sich daneben benommen, wäre dann der Versuch der Verhinderung öffentlicher Veranstaltungen, um mit ihm AUCH DARÜBER zu diskutieren, in Ordnung? Falls ja, sind wir da einfach unterschiedlicher Meinung. Falls nein, weiß ich noch immer nicht, was genau sie von mir wollen. DiskursWILLIG jedenfalls ist Sarrazin, ob er auch diskursFÄHIG ist, weiß ich nicht, dafür habe ich mich mit ihm zu wenig beschäftigt. Das eine kann man aber nicht herausfinden, ohne das andere zuzulassen.

PS: Und bitte, bitte von mir nicht verlangen, dass ich Thesen verteidige, die ich gar nicht aufgestellt habe ("Dann bringen sie doch einmal einen Beleg für ihre These, dass die Bringschuld für einen herrschaftsfreien Diskurs ausschließlich bei den Linken liegt.") Danke!
 
Mathias Brodkorb Montag, 25.April 2011, 19:14 Uhr:
@ Kramp: Liebe Frau Kramp, mit Verlaub, an dieser Stelle scheiden sich unsere Wege (also in dieser einen Sache natürlich nur) und zwar WEIL ich hochschulpolitischer Sprecher bin. Wenn eine Universität sich genötigt sieht, eine Veranstaltung "aus Sicherheitsgründen" abzusagen, ist für mich die Grenze des Akzeptablen überschritten. Die Universität ist der Ort der Freiheit der Rede schlechthin und wenn eine Hochschule nicht mehr für die Sicherheit der Diskussionsteilnehmer garantieren kann, ist das für eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft im 21. Jahrhundert ein Armutszeugnis. Und ich muss sagen: Ich bin nicht einmal bereit, über eine solche Selbstverständlichkeit zu diskutieren.
 
Atze Montag, 25.April 2011, 19:41 Uhr:
Hallo Mathias, by the way - lasst ihr die Blockadendiskussion einfach aussterben oder geht es da noch weiter. Wo wir doch gerade beim Thema ´wichtige und spannende Diskussionen sind... Ansonsten ist doch aber die Erde weiterhin eine Kugel, die sich um die Sonne dreht und keine Scheibe, um die sich die Sonne dreht? Oder habe ich etwas verpasst...? Und ein xxx, dem es gefällt, öffentlich iranische Demonstranten, die bei diesen Demonstrationen ihr Leben aufs Spiel setzen, als "Strichjungen des Finanzkapitals" rhetorisch steinigt, bleibt doch wohl auch weiterhin ein xxx, xxx). Unter "einer politischen Debatte mit Niveau jenseits intellektuell unterirdischer Beißreflexe" stelle ich mir ehrlich gesagt etwas anderes vor... Was wäre denn von einem "herrschaftsfreien Diskurs" zwischen Links- und Rechtsintellektuellen zu erwarten, wenn sie ein solcher Clown moderiert? Wieso scheitert der Dsikurs an der "Unfähigkeit vieler Linker", von der du auch noch keck behauptest, dass sie "offenkundig" sei (also ihn "herrschaftsfrei" zu führen)? Was sollten denn die thematischen gegenstände sein und was die Ziele...? Ich stelle mir einen solchen Diskurs nicht sonderlich spannend vor, sondern als öden Aufguss von Thesen und Theoremen, deren historisches Versagen zum einen der Faschismus und zum anderen der Stalinismus hinreichend dokumentieren. Wenn sich also die beiden Versager-Parteien zumindest mal um die Aufarbeitung der Gründe ihres jeweiligen Versagens kümmern würden. Aber von wegen. Zu erwarten ist erneut lediglich, dass einem doch nur das Ohr mit wiederaufbereiteten Menscheitsbeglückungen vollgenölt wird...
 
Roichi Montag, 25.April 2011, 21:00 Uhr:
Mal ein paar kleine Informationen zu der Abgesagten Veranstaltung.

Selbst die Leute, die im Vorfeld versucht haben zu dieser Veranstaltung kritisch zu informieren, haben sich auf die Debatte gefreut.
Irgendwer aus der Verwaltung hat dann mal wieder Panik geschoben, wie schon zu etlichen anderen Veranstaltungen, dass da Horden von Linken Gewalttätern auftauchen könnten.
Wie erwähnt war das nicht zum ersten Mal der Fall. Da gibt es auch ein gewisses Interesse von gewissen Leuten, dem AStA und anderen linken Gruppierungen an der TU etwas anzuhängen. Wäre nicht das erste Mal.
Leider wurde die Veranstaltung dann abgesagt.
Der AStA und befreundete Gruppen hatten nicht vor dort Redeverbote oder ähnliches zu erteilen. Sarrazin sollte argumentativ geschlagen werden.

Leider hat die Verwaltung öfter Angst vor einer wirklichen Debatte. In diesem Fall dann auch das veranstaltende Fachgebiet.
 
Karl_Murx Montag, 25.April 2011, 22:20 Uhr:
@Daniel D:
"Sind Sie der Meinung, dass Sarrazins Verhalten rund um die Veröffentlichung seines Buches"

Sollte man nicht eher vom Verhalten der Öffentlichkeit ihm gegenüber beim Erscheinen seines Buches reden? Und damit sind in erster Linie die Vertreter der veröffentlichten Meinung angesprochen.

"sein Gerede vom "Volkstod der Deutschen"

Ein Begriff, den er nicht verwendet und den Sie ihm unterschieben.

"vom jüdischen Gen, der Vererbbarkeit von Intelligenz"

Beides Dinge, die den aktuellen Stand der Wissenschaft verkörpern und bei denen es zu Aspekten wie Rassismus oder Eugenik absolut keinen Zusammenhang gibt.

"der generellen Integrationsunwilligkeit bestimmter Einwandergruppen"

Thesen, die mit Zahlen und Fakten durch Sarrazin belegt und inzwischen selbst in den Medien zunehmend thematisiert werden.

"und dem Lancieren von Passagen seines Buches in Bild und Spiegel, die sich eindeutig dem Sprachduktus der NPD angenährt haben"

Etwa Passagen wie diese hier?

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,714082-3,00.html

Kritisieren Sie bitte an den Ausführungen alles, was Ihnen nicht gefällt, aber hören Sie auf, solche Verleumdungen und Behauptungen in die Welt zu setzen.

"Sicher haben viele linke Gruppierungen den Fehler begangen, sich auf die Diskursstrategie Sarrazins einzulassen und in den allgemeinen Tenor der moralischen Entrüstung über den "verkappten Neonazi" und "Hobbygenetiker" Sarrazin einzustimmen."

Darf ich die Anführungsstriche um die inkriminierten Begriffe so deuten, daß Sie inzwischen eingesehen haben, daß es sich um Kampfbegriffe handelt, die mit dem wahren Sarrazin und dessen Buch nichts zu tun haben und lediglich der Verunglimpfung seiner Person dienen sollen?

"So verständlich diese Reaktionen auch sind, können sie eine intellektuelle Auseinandersetzung jedoch nicht ersetzen. Ich denke, die in ihren Links thematisierten Aktionen von Studentengruppen sind Teil jener moralischen Empörung."

Nur mal der Logik geschuldet: Wenn Sie, wie ich aus Ihren Anführungsstrichen schließe, nicht mehr der Meinung sind, daß Sarrazin ein "verkappter Nazi" oder "Hobbyeugeniker" ist: Warum sind diese Reaktionen durch die linken Gruppen dann verständlich, und weswegen die moralische Empörung?

"Eine Kritik an Sarrazin, die nicht seiner Selbstdarstellung als Tabubrecher auf den Leim geht, müsste selbstkritisch an bestimmten Entwicklungen unserer Gesellschaft des letzten Jahrzehnts ansetzen. Denn Sarrazins Leistung besteht darin zwei große Diskurse dieser Zeit zusammenzuführen. Das ist zum einen die liberal-konservative Islamkritik, die auf Huntingtons Kulturkampfparadigma beruht"

Gab es bis jetzt eigentlich überhaupt eine Islamkritik von linker Seite, und was wäre deren spefizische Aspekt gegenüber einer "liberal-konservativen" Islamkritik?

"und zum anderen das Gerede von der Notwendigkeit des Wandels der Sozialstaatlichkeit im Zuge des demographischen Wandels und der verschärften Konkurrenzsituation Deutschlands innerhalb des Weltwirtschaftssystems. Letzteres hat die Schröder-SPD mit der Agenda 2010 gesellschaftsfähig gemacht. Deshalb reicht es nicht aus, wenn Gabriel "selbstkritisch" die Eugenikvorstellungen Sarrazins mit dem Hinweis zurückweist"

Welche Eugenikvorstellungen?

"dass diese Art der Politik in der ersten Hälfte des 20.Jh. leider auch von Sozialdemokraten getragen wurde, oder Sie versuchen, den Ball zu den "diskursunfähigen Linken" zurückzuspielen."

Wenn Sie mal alle Reaktionen der linken oder sich links nennenden Gruppen nach dem Erscheinen des Buches von Sarrazin geistig rekapitulieren: Kann man da überhaupt von einem Diskurs reden, oder sollte man das nicht besser einen reflexartigen Aufschrei und eine wilde Diffamierungskampagne nennen?

So. Wollen Sie jetzt die Nationalismus- und Sonstdingsbumskeule zücken, die mit allen Anzeichen moralischer Empörung geschwungen wird, oder fangen wir doch besser an, Argumente auszutauschen?
 
Daniel D Dienstag, 26.April 2011, 05:42 Uhr:
@ Mathias Brodkorb

Mir ging es lediglich darum, einige Aussagen Ihres Kommentars zu problematisieren. Ich verstehe nicht, weshalb Sie so gereizt reagieren.
Eine Kritik am Verhalten von Sarrazin und seiner Anhänger, dass in keiner Weise zu einem offenen Diskurs beitrug, hat nichts mit Relativierung zu tun. Es ist schlicht eine Sache der Fairness, Sachverhalte nicht so einseitig darzustellen. Oder finden Sie es gerechtfertigt, wenn Henryk M. Broder einen Studenten, der mit ihm und Sarrazin diskutieren wollte, als "linken Penner" und "Arschloch" bezeichnet?
 
Demokrat Dienstag, 26.April 2011, 06:08 Uhr:
""vom jüdischen Gen, der Vererbbarkeit von Intelligenz"

Beides Dinge, die den aktuellen Stand der Wissenschaft verkörpern und bei denen es zu Aspekten wie Rassismus oder Eugenik absolut keinen Zusammenhang gibt."

Religion hatte schon immer Einfluss auf die Gene... Und Intellligenz ist normalverteilt. Das ist Stand der Wissenschaft.
 
Roichi Dienstag, 26.April 2011, 07:43 Uhr:
@ Karl

Dass du ein Fan Sarrazins bist ist nicht neu. Dass du Kritik an ihm einfach abbügelst auch nicht.

Nur ist Sarrazin eben nicht der Prophet, als den du und einige Andere ihn hinzustellen versuchst.
B.C. hatte doch mal eine Auseinandersetzung mit Sarrazins Methoden verlinkt. Dabei kam dieser nicht besonders gut weg. Jetzt immernoch damit zu argumentieren, "Der Sarrazin hat ja Statistiken..." spricht nicht gerade für eine Auseinandersetzung mit der Thematik.
Mit dieser Begründung kann man sich auch Scientology anschließen. Immerhin haben die auch "Statistiken".

@ B.C.

Kannst du das bitte nochmal hier verlinken.
 
Mathias Brodkorb Dienstag, 26.April 2011, 08:31 Uhr:
@ Daniel D: Gerne nochmal von vorne. Meine These war, dass Elsässers Projekt kaum funktionieren dürfte, AUCH weil Linke bisweilen diskursUNWILLIG sind. Und Sie diskutieren mit mir darüber, ob Sarrazin oder Broder böse oder schlecht erzogen sind. Der Sinn dessen erschließt sich mir in dem Kontext einfach nicht.
 
B.C. Dienstag, 26.April 2011, 09:16 Uhr:
@roichy
abgesehen davon, dass sarrazin absolut ueberbewertet wird, was den grad an aufmerksamkeit betrifft, hab ich was fuer dich (der murx ist eyh nicht lernfaehig):

schlagwort dysgenik:
http://guttmensch.blogspot.com/2011/03/sozialdarwinismus-bei-sarrazin-dysgenik.html

ein guter anfang fuer die wissensch. kritik an sarrazin ist natuerlich wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_schafft_sich_ab#Rezeption_durch_Wissenschaftler

besonders aufschlussreich ist die stellungnahme des obersten statistikers ueber den stuemperhaften umgang sarrazins mit statistiken. da hat sarrazin in etwa das niveau von murx: sie zerren sich irgendwelche zahlen aus statistiken und bringen die in einen ihn willkommenen zusammenhang ohne auch nur ansatzweise einen gedanken darauf zu verschwenden, wie man beide ereignisse in zusammenhang bringen kann und ob es einen beweisbaren zusammenhang ueberhaupt gibt. so nach dem motto in china ist die ernte schlecht und in deutschland die bildung - also sind chinesische bauern an deutschen dummen kindern schuld.
 
Schwab Dienstag, 26.April 2011, 11:01 Uhr:
"Die Internetseite "hagalil" machte ihn zum "Rechtspopulisten" und schreckte auch nicht davor zurück, seine Attacken gegen das Finanzkapital mit den Auswüchsen des NS-Chefantisemiten Gottfried Feder gleichzusetzen."

Hier wird Richtiges mit Falschem vermischt. Falsch ist, daß es sich bei Elsässer um einen "Rechtspopulisten" handeln würde. Von Wilders bis Strache, von Beisicht bis Fini hetzt man gegen den Islam. Bei Elsässer ist diesbezüglich eine sehr moderate Position festzustellen. Kritik an bestimmten Islamisten - ja, aber pauschales Feindbild Islam - nein.

Elsässer mit dem Antisemiten Feder gleichzusetzen - auf diese Idee können nur Zionisten und Antideutsche kommen.
Der Ex-Kommunist Elsässer hat die letzten Jahre einen Prozeß der Marxismus-Revision hin zum Reformismus durchlaufen. In der Tat unterscheidet er zwischen "Schaffendem und raffendem Kapital". Das machen aber andere auch, wie Franz Müntefering, Bordkorbs Parteifreund, vor Jahren von den "Heuschrecken" (Hedgefonds) sprach. Dazu muß man nicht Mitglied der NSDAP (AO) sein!
 
Daniel D Dienstag, 26.April 2011, 13:24 Uhr:
@ Mathias Brodkorb

Den Kontext haben Sie mit ihren beiden Links hergestellt. Wenn Sie sich zu den dort beschriebenen Vorgängen nicht weiter äußern wollen, hätte sie die nicht posten dürfen oder einfach meinen Kommentar ignoriert. So verbleiben Sie in einer sehr einseitigen Sicht der Dinge: Hier die linken, diskursunfähigen Studenten, dort die unschuldigen Rechten, die nur gepflegt debattieren wollten. In diesen Zusammenhang finde ich auch Roichys Punkt wichtig.
Zu der Sache mit Elsässer: Auch hier argumentieren Sie verkürzt. Es sind viele Gründe denkbar, warum Linke nicht in Elsässers Zeitschrift veröffentlichen wollen. Ob dahinter wirklich nur die von Ihnen diagnostizierte "Diskursunwillig" steht, wage ich zu bezweifeln. Möglicherweise möchte die Linken, um den Punkt von Atze aufzugreifen, nicht mit einen sehr umstritten Publizisten in Zusammenhang gebracht werden, der meiner Meinung nach, irgendwo zwischen Nationalliberalismus und völkischen Antikapitalismus steckengeblieben ist.
Es gibt genügend andere neutralerer Orte, an denen sich Linke und Rechte verbal keilen können.
 
d.n. Dienstag, 26.April 2011, 13:26 Uhr:
Das ganze Projekt „Compact“ will nicht so recht aufgehen; der Diskurs zwischen Rechten und Linken – so reizvoll dieser auch sein mag – wirkt hier arg gekünstelt, verkrampft.

Die Diskutanten in der rechten Ecke – Martin Lohmann, Hans-Olaf Henkel, Jürgen Todenhöfer – sind größtenteils staatsgläubige, „westgebundene“, CDU-nahe und BRD-loyale – kurzum: eher biedere – Konservative; die Mitstreiter in der linken Ecke stammen hingegen aus dem anti-amerikanischen, globalisierungskritischen, radikal linken Flügel (ebenso wie der Tenor der ersten beiden Hefte in die globalisierungskritische Richtung weht). Konsequent hätte Elsässer also die Nähe zu Jürgen Schwab, Kersten Radzimanowski, zumindest aber Alain de Benoist suchen müssen (während man das linke Pendant zu Lohmann, Henkel & Co. eher unter den „Bürgerlichen“ in den Reihen der Grünen vermutet hätte). Die Lösung des Rätsels dürfte wohl ganz einfach sein: Der Linksaußen Elsässer hat kein Interesse oder keinen Mumm an einer Diskussion mit rechtsaußen (und die Grünen haben kein Interesse an einer Diskussion mit Konservativen).

Elsässers kürzlich geäußerte Vorstellung einer „Volksfront“ von der Linkspartei bis zur CSU ist also ebenso willkürlich wie die Vorstellung einer „Volksfront“ von der NPD bis zur SPD. Da, wo die Gräben zwischen links und rechts überwunden werden sollen, ist nämlich kein Platz für einen Paria.
 
Mathias Brodkorb Mittwoch, 27.April 2011, 18:53 Uhr:
@ Daniel D: Keine Angst, so einfach, wie Sie denken, ist mein Weltbild nicht. Und ganz so schlicht, wie Sie es darstellen, auch die Arumentation in dem Artikel nicht. Da wir in der Sache aber eh nicht weiter kommen, schlage ich vor, dass wir es für dieses Mal einfach lassen. Gruß
 
Lewan Pajlewan Donnerstag, 28.April 2011, 07:25 Uhr:
Dieser linke Nationalspieler ist torgefährlich.
 
Birgit Kramp Freitag, 29.April 2011, 19:40 Uhr:
Lieber Herr Brodkorb, vermutlich bleiben wir unterschiedlicher Meinung bezüglich des Vorgehens der Universitäten. Ich gebe Ihnen Recht, dass dies ein Ort der Rede und Denkfreiheit sein sollte. Aber das sollten Schulen und Kindergärten auch sein. Warum ich die Entscheidung in diesem Fall nicht beunruhigend finde ist die Tatsache, dass Sie hier die Beispiele mit Herrn Sarrazin angeführt haben und es mir derzeit relativ schleierhaft ist, was genau Studenten aus diesen Vorträgen lernen sollten. Zukunftsangst? Die bekommen Schüler und insbesondere Abiturienten schon ausreichend genug in den Schulen vermittelt, dazu bedarf es keiner Thesen von Herrn Sarrazin. Solange eine Gesellschaft nur auf den Intellekt schaut und die mindestens ebenso wichtigen sozialen Kompetenzen aber außen vorläst, solange wird sie auch Weltverbesserer in Form von Herrn Sarrazin hervorbringen. Selbstbestimmung sollte auch - oder vielleicht ganz besonders? - für Universitäten gelten. Ich möchte das meine Entscheidungsfreiheit - die ich immer nur auf der Basis aller mir zu Verfügung stehenden Informationen treffen kann - größtmöglich gewahrt bleibt, also warum sollte ich diese Freiheit anderen verwehren?

Angriff der Eliten: Von Spengler bis Sarrazin

"Der Hamburger Historiker und Publizist Volker Weiß hat mit dem Buch “Deutschlands Neue Rechte – Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin” einen äußerst lesenswerten und erhellenden Beitrag zu der sogenannten Sarrazin-Debatte veröffentlicht. Weiß untersucht die deutsche Untergangsliteratur seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und fördert aufschlussreiche Details ans Tageslicht."

http://npd-blog.info/2011/04/28/angriff-der-eliten-sarrazin/
 
heinz234 Freitag, 24.Juni 2011, 12:11 Uhr:
Außer der ersten Ausgabe habe ich nun alle Compact- Ausgaben gelesen.
Fazit: die größte Provokation ist stets das Cover, die Inhalte sind dann doch zahmer als erwartet. Unbelegte Verschwörungstheorien, Revisionismus, Rassismus und andere Punkte, die einem hierzulande als Verbindung zu "Rechts" quasi eingetrichtert werden, habe ich bisher nicht gefunden. Leider sind sowohl die Interviewpartner als auch die Artikel "rechtslastig", die Anzeigen quasi ausschließlich - und folglich fehlen Debatten.

Ich bezweifle aber, dass dies gewollt ist. Was ist mit ihnen, Herr Brodkorb? Ein Interview mit ihnen über Storch Heinar und Co. würde ich doch echt gerne mal in dem Magazin sehen - und wenn sie es dort ernst meinen, dürfte sich keiner dagegen sträuben.
Einer muss doch mal den Anfang machen. ;)

Oder ist es erklärtes Ziel der "Linken", dieses Projekt, so wie es angedacht war, scheitern zu lassen? Zusehen und hoffen, wie Compact nach und nach in der öffentlichen Meinung (endgültig) im braunen Sumpf versinkt, oder gezwungen ist, seine "linken" Stimmen in Russland, Kanada oder sonstwo einzufangen?
 
Jim Becker Montag, 29.April 2013, 11:25 Uhr:
Ich denke die "Compact" scheint eine gute sache zu sein!
Schön das der Jürgen Elsässer zur Vernunft gekommen und kein anti-deutscher mehr ist. Ich finde nur weil eine Meinung "Rechts" oder "Links" ist, ist sie nicht automatisch schlecht!
Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das stets geachtet werden sollte!
 

Die Diskussion wurde geschlossen