von Olaf Sundermeyer
   

Judenhass und Fangewalt

Die polnische Fanszene ist noch immer äußerst gewaltbereit, rassistisch und antisemitisch.

Was die treuesten Anhänger von Legia Warschau von ihren jüdischen Gästen aus Tel Aviv halten, ist in zwei Worten auf einem riesigen grünen Banner zu lesen: Als die Spieler von Legia und Hapoel im vergangenen Herbst zu einer Begegnung der Europa League ins Stadion an der ulica ?azienkowska einlaufen, entrollt es sich in voller Breite der Nordtribüne hinter dem Tor und die Fans singen dazu „Legia ist eine Macht.“ „Jihad Legia“ stand nun dort in riesigen Lettern – im Ergebnis einer Choreagraphie von Tausenden Mitwirkenden. Und das unter den Augen der UEFA-Beobachter, die gerade die gewaltbereiten und rassistischen Anhänger von Legia Warschau vor der EM in Polen und der Ukraine genau im Blick hatten. Selbst der Stadionsprecher hatte vorher – nicht ohne Grund – darauf hingewiesen, jegliches antisemitisches Verhalten zu unterlassen. Es nützte nichts.

Das Banner erinnerte an die grünen Fahnen der radikalen islamistischen Hisbollah. Mit „Jihad Legia“ erklärten diese Legia-Fans ihren Gästen aus Israel den Heiligen Krieg, aber grundsätzlich richtete sich die Botschaft an alle Juden. Dies war mehr als ein beiläufiger Scherz einiger Verirrter. Es war die konzertierte Aktion einer großen Fangruppe. Und natürlich war „Jihad Legia“ keine Grußadresse an in Polen lebende Moslems.

Seit 2007, seitdem Polen den Zuschlag für die EM bekommen hatte, dauerte diese UEFA-Beobachtung nun an. Denn im selben Jahr wurde der ehemalige polnische Armeesportklub für zwei Jahre von sämtlichen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Legia-Anhänger hatten bei einem UI-Cup-Spiel gegen Vetra Vilnius in der litauischen Hauptstadt Polizisten mit Steinen und Eisenstangen angegriffen. Sie rissen Plastiksitze aus der Verankerung, demolierten Fluchttore und Dixie-Klos. Ein litauischer Fan erlitt mehrere Messerstiche, auch zwei Polizisten wurden bei den Ausschreitungen verletzt. Das Spiel wurde abgebrochen. Die Disziplinarkomission der UEFA bezeichnete die Ausschreitungen in ihrer Urteilsbegründung als „hässlich und schockierend“.

Im Pokalfinale der Saison 2010/11 zwischen Legia Warszawa und Lech Posen in Bromberg/Bydgoszcz (5:4 i.E.) stürmten Hunderte Legia-Anhänger den Platz, viele von ihnen vermummt. Unmittelbar nach dem entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen entwickelten sich dann massive Ausschreitungen, Prügeleien mit Polizisten und mit Anhängern von Lech Posen. Sie griffen Fotografen an und demolierten das Stadion. Unter den Augen von UEFA-Beobachtern, die eigens nach Bydgoszcz gereist waren. Erst zwei Monate zuvor hatten polnische Anhänger bei einem Spiel der Reprezentacja im litauischen Kaunas randaliert. 200 von ihnen hatten in den Straßen um das Stadion Polizisten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen.

In Warschau, wie etwa in Posen, Krakau oder Danzig, rekrutieren sich gewaltbereite Fußballfans unter rechtsradikalen Schlägern, vor allem aber im kleinkriminellen Milieu. Seit einiger Zeit nun versucht man dieser Bewegung auch mit Fanprojekten nach deutschem Vorbild zu begegnen. Ein Anfang. Auch die polnische Polizei beschäftigt sich seit rund drei Jahren ernsthaft mit der Fangewalt, nicht nur über bloße Repressionen. Aber der Hass steckt tief in den Köpfen. Das weiß vor allem Donald Tusk. Der polnische Ministerpräsident wies nach den massiven Ausschreitungen am Rande der Begegnung Polen – Russland in dieser Woche in Warschau darauf hin, dass man der Gewalt nur über Toleranz und Demokratie Herr werde. Aber noch sind die menschenfeindlichen Einstellungen unter polnischen Fußballfans sehr verbreitet.

Folgende Kommentare finden sich unter dem Youtube-Video, das die Choreographie von „Jihad Legia“ zeigt (Fehler im Original) Jude rauuuuuuzzzzzzz, HAMAS HAMAS JUDE AUF DEN GASSSSSSSSSS!!!!!!!!!!, I just don´t understand, what the hell look for a jewish team in an EUROPEAN game?!, And the best place for you is a chimney, Brothers, support from Serbia (PFC)! Fuck jewish bastards, Respect from Rubin Kazan, Slavic power against jewish cancer, lets be united!, Respect From Romania! Long-Live true Nationalists! (NAZI´s)! HAIL!, Jihad kurwa!, Respect from Russia, Respect! From Hungary!“

Immer wieder kommt es in Polen zu solchen Zwischenfällen, die in der Vergangenheit keine politischen Konsequenzen hatten. Das wandelt sich allmählich, vor allem über die europäische Öffentlichkeit, die nun sehr aufmerksam nach Polen schaut. Wenn auch nicht in die dritte Liga, nach Rzeszów, nahe der ukrainischen Grenze, wo bis zur Massendeportation durch die Nationalsozialisten während des Holocaust ein großer Teil der Bevölkerung Juden waren. In der Rückrunde der Drittliga-Saison 2009/10 marschierte ein Mob von Resovia-Auswärtsfans zum Derby im Heimstadion von Stal hinter einem Transparent mit der Botschaft: „Hier kommt die arische Horde“. Im Stadion selbst entrollten sie dann ein weiteres überdimensionales Transparent über ihrer Tribüne – darauf die Karikatur eines Warzengesichts mit riesiger Hakennase unter einer blau-weiß gestreiften Mütze, wie sie die Insassen von Konzentrationslagern zu tragen hatten. Darüber war ein rotes rundes Verbotssymbol gemalt. Auf einem zweiten Transparent stand in großen Lettern „Tod den krummen Nasen“. Die 6.000 Zuschauer haben keinerlei Reaktion auf die antisemitische Hetze gegeben. Nicht die Polizei, auch nicht er Schiedsrichter. Selbst das Unrechtsbewusstsein des Präsidenten von Resovia – ein ehemaliger polnischer Justizminister – wurde nicht alarmiert.

Die Ursachen für diese Menschenfeindlichkeit in den polnischen Stadien sind vielschichtig. Ganz sicher aber sind in Polen, wie in anderen osteuropäischen Ländern auch, gesellschaftliche Feindbilder verbreitet, die auch die fortwährende Demokratisierung überdauern. Lange Jahre wurde das in Polen kaum problematisiert. Erst im Zuge der EU-Mitgliedschaft wurden kritische Fragen gestellt. So kommt eine Studie, die von der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung (Andreas Zick, Beate Küpper, Andreas Hövermann: Die Abwertung der Anderen, Berlin 2011) in Auftrag gegeben wurde, zu dem Schluss, dass in Polen (und Ungarn) antisemitische Einstellungen besonders verbreitet sind. Im Vergleich zu westeuropäischen Staaten. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Islamfeindlichkeit und dem Sexismus der insgesamt 1.000 Befragten. „In den westeuropäischen Ländern konnten sich Normen der Toleranz etablieren. Lange Zeit gehegte Vorurteile gegenüber Schwarzen, Juden, Frauen und Homosexuellen werden hier zunehmend geächtet. Dies ist unseres Erachtens ein Modernisierungs- und Lernprozess, der in den osteuropäischen Ländern erst langsam einsetzt“, schlussfolgerten die Autoren.“


Tor-zum-Osten_klOlaf Sundermeyer
Tor zum Osten: Besuch in einer wilden Fußballwelt
Die Werkstatt, Göttingen, 2012
208 Seiten, 12,90 Euro

Kommentare(2)

DerFelek Sonntag, 05.August 2012, 07:05 Uhr:
Meine Güte,so viel richtig zu stellen, wo soll ich nur anfangen? Ich vermute mal sehr stark, dass der werte Herr sicher kein Polnisch kann. Aber egal, Polen=Osten= Antisemitismus und Fremdenhass, wird schon stimmen,vor allem als Deutscher scheint man da ja automatisch Bescheid zu wissen. Wahrheit und Recherche? Vollkommen überbewertet. Dass damit Grundlagen für anti-polnischen Hass gelegt werden? Egal, betrifft einen ja gar nicht. Ich wurde übrigens schon mehrfacht dafür beleidigt,dass man uns Polen,trotz gegenteiliger Statistik, unterstellt-katholische Taliben/homophob/fremdenfeindlich/antisemitisch zu sein. Man solle ja mittlerweile wissen, wohin Vorurteile führen können...


Nun denn:
1. Polen ist auf den unteren Plätzen was z.B Verbrechen mit antisem. (sowie fremdenfeindlichen) Hintergrund angeht. Steht in dt. die Polizei vor der Synagoge so kann man in Polen einfach anklopfen.Man muss nicht mal durch den Metalldetektor oder sich den Ausweis vom Sicherheitsdienst kontrollieren lassen. Das Schlimmste,was in Polen demletzt passiert ist, war, dass vor einigen Jahren ein Rabbiner angegriffen worden ist und es zu einer Rauferei kam (ob dem Angreifer überhaupt klar war, dass sein Gegenüber Rabbiner ist war nicht festzustellen).Und so 2-4 mal im Jahre Vandalismus.Also dass, was in Deutschland weitaus häufiger vorkommt.In Frankreich,England,Deutschland,Italien ect. verschanzen sich Juden hinter Synagogenmauern und Wachdiensten,in Schweden erwägen sie die Auswanderung...Aber Polen ist natürlich antisem.tech. betrachtet das allerschlimmste Land überhaupt.Prokjektion?


2.„Jihad Legia“
Polen hat UNSAGLICH unter dem Kommunismus gelitten,Hammer und Sichel sind daher bei uns so verboten und gerngesehen wie das Hackenkreuz. Schaut Euch bitte mal das Logo des israelischen Fussballklubes an-es beinhaltet die Hammer u. Sichel Symbolik. s Gegenantwort kam dann "Jihad Legia".Versteht Ihr? Ein Witz-vor allem deshalb da es, und darauf kann man durchaus stolz sein, in Polen kaum eine Pro-Hamas Lobby gibt wie z.B hier in Deutschland.

3.rassistischen Anhänger von Legia Warschau
Gibt es rassistische Anhänger von Legia Warschau? Sicher. Aber das ist mal die krasse Minderheit,mein werter Herr. Mehr dazu von einem in Polen lebenden Afro-Amerikaner hier-http://www.youtube.com/watch?v=TqqDOhlylhM

4.Selbst der Stadionsprecher hatte vorher – nicht ohne Grund – darauf hingewiesen, jegliches antisemitisches Verhalten zu unterlassen. Es nützte nichts.

Natürlich. Schliesslich wurde in den Monaten VOR der Euro massivst anti-polnische und anti-ukrainische Stimmungsmache (aka "die sind unzivilisiert,rassistisch,warum haben die überhaupt die Euro?") betrieben-man wollte versuche, sich so zu verhalten, dass nichts so gedeutet hätte werden können. Und selbstverständlich nützte es gar nichts-psychologisch gilt als bewiesen dass Erwartungen ("die sind anti-semitisch/rassistisch") die Wahrnehmung bestimmen (so wurden undefinierte Fanrufe im Krakauerstadion als rassistische Affenrufe gedeutet,zwar ohne Nachfragen und sofort, weil bei den Niederländern ein Schwarzer dabei war). Wenn die Welt einen für schlecht hält, wird sie alles durch diese Linse sehen-zumindest so lange, bis jemand anderes mal der Prügelknabe sein darf.

5.Ausschreitungen in ihrer Urteilsbegründung als „hässlich und schockierend“.

Komisch,wenn deutsche Hooligans so was machen gibts irgendwie nie einen Aufschrei der Entrüstung. Ich will ja nichts unterstellen,aber....

6.dieser Bewegung auch mit Fanprojekten nach deutschem Vorbild zu begegnen
Oh, wichtige Information-nach DEUTSCHEM Vorbild.Deutschland war ja schon immer so,ehm, "zivilisatorisch" unterwegs. Polen braucht keine ABM für Soziologen, sondern, dass die Polizei ordentlich durchgreift gegen Randalierer, und vor allem, mehr Geldstrafen sowie Stadionsverbote.

7.Das weiß vor allem Donald Tusk.
Nein,der hat keine Ahnung von gar nichts, vor allem nicht vom Regieren.Das Thema "kibole" (Fussballhooligans) ist ein ERSATZTHEMA, da man die wahren z.B wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht lösen kann. Bei Gelegenheit ruiniert man aber noch die Aussendarstellung Polen.

8.Folgende Kommentare finden sich unter dem......
Es ist Youtube, was wollen Sie? ich empfehle mal die deutschen! Kommentare über Holocaustrevisionistenvideos, da gehen einem auch die Augen auf vor Entsetzen.Aka, zu suggerieren, es wäre representativ für meinethalben Legia Warschau Fans ist ziemlich daneben.

9.über die europäische Öffentlichkeit, die nun sehr aufmerksam nach Polen schaut.
Natürlich. So aufmerksam, dass, während in Frankreich z.B Juden und Homosexuelle krankenhausreif geprügelt werden das irgendwie keinen Aufstand gibt während in Polen eine unbedachte Beleidigung, welche während eines Streites fällt, sofort einen eigenen times of israel Artikel erhält. Es gibt halt zweierlei Mass-das eigene, maximale Toleranz
das für die Polen-absolute Null-Toleranz.

10.Wenn auch nicht in die dritte Liga, nach Rzeszów,
Mir gefällt,als Zyniker, wie
Sie einen Brückenschlag machen zwischen "Nationalsozialisten" (die dt.aber,oder? das wird hier nicht ganz klar,schliesslich hatten auch andere Länder nationalsozialistische Parteien (die aber keinen Völkermord u.ä planten)) und einigen Vollidioten machen. Schon Göring sagte in Nürnberg aus dass die Polen "sehr fremdenfeindlich und antisemitisch waren".Ganz ohne Ironie.

11,blau-weiß gestreiften Mütze
Ehm,NEIN. Die fragliche Figur trägt eine jüdische Kippah,KEINE KZ-Mütze.Ich möchte darum bitten an der Wahrheit zu bleiben. Übrigens-Die Herren stehen alle dafür vor Gericht,ausser einer saftigen Geldstrafe wird es auch Stadionsverbot geben. Ausserdem-man sollte doch bitte auch verstehen dass die Polen, die ja nicht die Täter des Nationalsozialismus waren und auch nicht die KZs aufgebaut haben (im Gegenteil, googelt mal Zegota-Polen war das einzige Land in dem die dt. Besatzung einen inkl. Familie ermordet hat wenn man Juden geholfen hat.Und trotzem haben die Polen am meisten sich fur Menschen jud. Glaubens eingesetzt) einfach nicht so eine panische Autoreaktion bekommen wie z.B hier in Deutschland. Strafbar ist es trotzdem und toleriert wird so etwas keinesfalls-schliesslich haben viele Klubs auch israelische Spieler am Start.

12.Die Ursachen für diese Menschenfeindlichkeit
...welche sich irgendwie nicht in der Zahl der antisem. Verbrechen wiederspiegelt.Gottlob.

13.anderen osteuropäischen Ländern
Polen liegt in Ost-Zentraleuropa.

14. So kommt eine Studie, die von der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung
Wette,die hat auch ganz tolle Vorschläge mit parat wie wir Multikulturalismus (den ja Grössen wie Merkel und Cameron) für gescheitert halten auch in Polen einführen-bekanntermasen ist multi-kulti Massenimmigration ja die Lösung für z.B "Fremdenfeindlichkeit"

15.„In den westeuropäischen Ländern konnten sich Normen der Toleranz etablieren. Lange Zeit gehegte Vorurteile gegenüber Schwarzen, Juden, Frauen und Homosexuellen werden hier zunehmend geächtet.

Naja, in Westeuropa spricht man einfach seine Vorurteile (die IMMER noch in erschreckenden Masse vorhanden sind!) nicht mehr offen aus aus Angst, gesellschaftlich verbrannt zu werden oder vor Gericht gestellt zu werden. Es ist in weiten Massen eine passive Toleranz-eine, bei der den Menschen gar nicht klar ist, warum genau z.B Homophobie oder Rassimus schlecht sind,es "gehört sich halt nicht". Wie dauerhaft Mode ist weiss man ja. Als Diplom-Soziologe habe ich im Übrigen meine Zweifel inwiefern Fragen ala "Finden sie, Juden hätten zu viel Macht" Antisemitismus belegen sollen-zielführender wären Fragen die konkretes Handeln beeinhalten würden wie z.B "Wäre ein Jude/Schwarzer/XY in Ordnung als Arbeitskollege,vorausgesetzt, er/sie ist sympathisch?". Aber ich kenn das ja, man findet meistens, was man sucht. Wenn Polen so rassistisch,homophob, frauenfeindlich sein soll- wieso haben wir dann einen schwarzen Immigranten aus Nigeria,einen Homosexuellen,einen Transsexuellen,und natürlich Frauen, im Parlament? Wahrscheinlich als Alibi,gell? Man kriegts halt immer so hingebogen, dass es wieder zu den Vorurteilen passt.


Soviel dazu, von einem Kenner der Fanszene und bekennenden Fan von Cracovia Krakau.
 
DerFelek Dienstag, 14.August 2012, 16:39 Uhr:
Hier noch eine Kleinigkeit:

Euro 2012: are Ukrainians still Untermenschen?

Once, it was the ideology of racism that depicted the Slavs as an inferior people. Now the ideology of ‘anti-racism’ does the same thing.


http://www.spiked-online.com/site/article/12520/
 

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