von Redaktion
   

JN-„Platzhirsch“-Aktion hat strafrechtliche Konsequenzen

Im Sommer vor zwei Jahren drangen Akteure der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten in Schulen ein und verteilten unter dem Deckmantel einer Anti-Drogen-Kampagne Propagandamaterial an Schüler. Ein Döbelner NPD-Stadtrat wurde dafür nun wegen Hausfriedensbruch zu einer Geldstrafe verurteilt.

Screenshot eines NPD-Werbevideos mit dem "Platzhirsch" (Foto: Screenshot YouTube)

Im Vorfeld der sächsischen Landtagswahl im Sommer 2014, bei der die NPD mit ihrem Wiedereinzug in den Landtag scheiterte, drangen Aktivisten der JN begleitet von einem Stoffmaskottchen namens „Platzhirsch“ in sächsische Schulen ein und verteilten Propagandamaterialen an Schüler, die angeblich dem Kampf gegen die Droge Chrystal dienen sollten. Im Anschluss wurden Videos der Aktion ins Internet gestellt, die einen Eklat provozierten und der Mutterpartei NPD Aufmerksamkeit im sonst eher schleppend verlaufenden Wahlkampf bescherten.

Hausdurchsuchungen wurden sächsischem NPD-Chef zum Verhängnis

Da die Aktion gegen den Willen der betreffenden Schulleitungen durchgeführt wurde, erstatten sie Anzeige und die Behörden nahmen Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs auf. In der Folge wurden im März 2015 in der Landeszentrale der JN sowie in sechs Wohnungen Hausdurchsuchungen durchgeführt und zahlreiche Computer, Laptops, Mobiltelefone und Speichermedien beschlagnahmt.

Auch die Wohnung des damaligen NPD-Bundesgeschäftsführer und Vorsitzenden des sächsischen Landesverbands, Holger Szymanski, war ein Ziel der Beamten. Als er im Juli 2015 von allen seinen Ämtern zurücktrat kam das Gerücht auf, die Polizei hätte auf Szymanskis Computer pornografisches Material gefunden. Stellung nahm Szymanski bisher zu den Gerüchten nicht, in der offiziellen Stellungnahme der Parteiführung heißt es, der ehemalige Parteifunktionär sei aus „persönlichen Gründen“ zurückgetreten.

Verurteilung zu hoher Geldstrafe wegen Hausfriedensbruchs

Bei den Platzhirsch-Aktionen im Juli 2014 immer mit dabei war der Döbelner NPD-Stadtrat Stefan Trautmann. Auch in seiner Privatwohnung wurde im März 2015 eine Razzia durchgeführt. Für den Stadtrat hatte die Platzhirsch-Aktion nun auch juristische Konsequenzen.

Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, wurde Trautmann vergangene Woche wegen Hausfriedensbruchs im Döbelner Lessinggymnasium zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu 20 Euro – also insgesamt 3.200 Euro – verurteilt. Der Strafbefehl sei bereits rechtskräftig. Für den Stadtrat ist das nicht die erste Verurteilung. So sei er bereits wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls, versuchtem und vollendeten Diebstahls, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlicher Körperverletzung, unerlaubten Waffenbesitzes und Sachbeschädigung verurteilt worden. Eine weitere Geldstrafe habe er außerdem wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte im Rahmen einer Demonstration in Döbeln im Februar 2015 kassiert.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen